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Tüpfeladler-Saison 2020

                                             Dieser Jungadler bettelte unmittelbar nach einer Beuteübergabe  durch das Adler-Männchen  am Er...

Sunday, January 17, 2021

Tüpfeladler-Saison 2020

    
                                
Dieser Jungadler bettelte unmittelbar nach einer Beuteübergabe durch das Adler-Männchen am Erdboden gut verdeckt im Unterholz. Glück und Intuition benötigte diese Impression als einfallende Sonnenstrahlen den ansonsten dunklen Waldboden erreichten. Für die Adler gut sichtbar tolerierten sie das besonnene Handeln des Fotografen in nur 30 m Entfernung vom Standort. Sozial läuft beim Schreiadler extrem viel über den Stimmfühlungslaut. Das Repertoire ist sehr beeindruckend. Dank intensiver Studien über die Verhaltensbiologie und einem demzufolge sicheren Ableiten des familiären Sozialverhaltens gelingen derartige Bilder. 08. September 2020, Mecklenburgische Schweiz.

Sämtliche Fotos entstanden ohne Versteckansitz und Lockfütterungsplatz.
Vielmehr wurde auf die jeweilige Situation intuitiv reagiert, hierbei alles auf sich zukommen und einwirken lassen.... Dann, wenn umsetzbar, den typischen Lebensraum und das charakteristische Verhalten der Art ohne Störungen einfangen. Gesetzte Vorgaben in der Verhaltensfotografie, die jedoch immer noch weiter zu verfeinern sind.....



Exemplarisch stehen dafür drei Bilder - wobei sich hier Mitte September ein Jungadler am Brutplatz noch kurz vor dem Abzug ins Winterquartier eigenständig auf Amphibienjagd begab. Verstreut wandernde juvenile Moor- und Grasfrösche gaben sich am Waldboden ein Stelldichein. 08. und 13. September 2020, Mecklenburgische Schweiz.

Ein weiteres Mal hielt die zurückliegende Schreiadler-Brutsaison interessante Überraschungen parat. Das Gros der absolvierten Untersuchungen wurde umfassenden Verhaltensstudien unter Zuhilfenahme geduldiger und mehrtägiger Ansitze in den Revieren gewidmet. 




Ferner wurden die typischen Beutesturzflüge näher analysiert - die vier Situationen oben zeigen jeweils ein Brutmännchen nachdem zuvor die Beute akustisch vom Ansitzplatz fixiert wurde. Auch Bereiche mit sehr hoher Vegetation werden mit dieser Taktik immer wieder gewählt. 26./ 27. April 2014 und 01. Juni 2016, Mecklenburgische Schweiz.
Schreiadler-Weibchen "Gerda" im taunassen Wiesen-Pippau-Teppich bei der Bodenjagd im "Gänsemarsch". 13. August 2020, Trebeltal.
  • Von den in 2020 insgesamt 38 näher untersuchten LSE-Revierplätzen waren 34 Standorte besetzt.
  • Dort schritten 28 LSE-Paare zur Brut (82 %) - bei sämtlichen Bruten schlüpften im Anschluss die Jungadler (keine Brutabbrüche). 
  • Im ersten Jungvogel-Stadium verschwanden von den 28 geschlüpften Ind. zunächst 8 Jungadler (Alter bis 14 Tage).
  • Im zweiten Stadium folgten zusätzlich noch einmal 5 juv. (Alter bis 6 Wochen), davon 3 x Prädation durch Habicht, 2 x unklar - davon 1 Jungadler im Alter von ca. 6 Wochen tot im Nest).
  • 15 Jungadler flogen erfolgreich aus (Reproduktionsziffer: 0,44 juv./ Pa, Po, BPm, BPo).
Einer von den 15 erfolgreich ausgeflogenen Jungadlern im Untersuchungsgebiet. Die Gefiederzeichnung zeigt einen klassischen "Lesser Imperial Eagle". Mecklenburgische Seenplatte, 25. August 2020.

Maßgeblichen Einfluss auf die Revierbesetzung und den darauf folgenden Brutausgang nahmen in dieser Brutsaison im Untersuchungsgebiet:
  • erneut sehr niedrige Grundwasserstände innerhalb der Brut- und Nahrungshabitate
  • ein deutlich eingeschränktes Nahrungsangebot durch zunehmendes Ausbleiben der ehemals verfügbaren Amphibienpopulationen mit ihren charakteristischen Reproduktionsplätzen in den Schreiadler-Revieren, insbesondere mit Moor- und Grasfrosch fehlten erneut wichtige Beutetiere bei der Frühjahrsankunft der Adler in fast allen Revieren (klassische Explosionslaicher) - die Gründe dafür, wie z.B. die aufgeführten nachteiligen Grundwasserpegel, aber auch der Einsatz von Pestiziden in Offenlandbereichen (keinesfalls flächendeckend, dennoch gebietsweise innerhalb der sensiblen Verbindungsglieder und Pufferzonen essentieller Lebensräume), sind hinlänglich bekannt 
  • signifikante Ausbreitung und Zunahme der Waschbären-Population in den Revieren (erhöhter Prädationsdruck bodenaktiver Raubsäuger)
  • weitere Veränderungen innerhalb der Bruthabitat-Strukturen durch beständige Kalamitäten im Nestumfeld, insbesondere in Revieren mit mosaikartig verflochtenen Mischbeständen (primär durchsetzt mit klimaanfälligen Fichtenkulturen) 
  • teilweise großflächige Veränderungen des Waldbildes durch einen anstehenden Waldumbau in ehemals bestandsbildenden Eschen-Beständen (Kahlhiebe)
Im Gegenzug wurden praxisnahe Handlungsempfehlungen für bereits eingeleitete und noch geplante Waldumbaumaßnahmen in vormaligen Eschen-Beständen, wie sie inzwischen im Untersuchungsgebiet seit 2016 erfolgreich umgesetzt wurden, erarbeitet:
    • Bei einer frühzeitigen Erkennung von Schädigungen in Schreiadler-Schutzarealen (SASA) sollte in enger Abstimmung zwischen dem Waldeigentümer, den zuständigen Forst- und Naturschutzbehörden sowie dem Schreiadler-Betreuer ein flächenkonkreter Waldumbau, möglichst zugeschnitten auf die Belange des Schreiadlerschutzes, pragmatisch eingeleitet werden.
      • Fortwährend mit einer gebietsspezifischen Vorgehensweise (Beachtung der jeweiligen Standortbedingungen z.B. für die Naturverjüngung, Verzahnungs-bereiche, Wilddichte, Verbiss-Schutz, Nahrungshabitat-Ausstattung im Wald etc.) unter Beachtung der ausgewiesenen Horstschutzzonen (HSZ). 
      • Sollte beispielsweise an ausgewählten Standorten eine bereits einsetzende Naturverjüngung zusätzlich gefördert werden (zusätzlich klein- und mittelgroß parzellierte Initialpflanzungen mit Zäunung, bei großflächig verlaufender Naturverjüngung ohne Zäunung, usw.).
      • Die Verzahnungsbereiche – sensible Bindeglieder zu den anliegend vitalen Beständen und verbliebenen Brutplätzen (HSZ I = 100 m Radius) - sind behutsam und dementsprechend punktuell zu behandeln (selektiver und waldbodenschonender Aushieb geschädigter Bäume mit der Terri-Raupe im Rand- und Übergangsbereich).
      • Des Weiteren sind vital stockende Mischbestände (Gruppen oder Einzelbäume) inmitten der Schädingungsflächen grundsätzlich nicht abzutreiben, dies unabhängig vom Alter.

    • Die forstlichen Maßnahmen zum beabsichtigten Waldumbau in den erfassten Kalamitätsgebieten von SASA und dessen Randzonen sind generell und unabhängig von der HSZ-Regelung nicht vor dem 21. September zu beginnen und wiederum spätestens zum 30.03. zu beenden. Selbiges Zeitfenster trifft für die jagdlichen Einschränkungen zu. 

    • Diese Empfehlungen/ Vorgaben weichen räumlich und zeitlich von der gegenwärtig gesetzlich vorgeschriebenen HSZ-Regelung des § 23 NatSchAG M-V ab, da diejenigen jetzt:
      • noch zielgerichteter auf den Schreiadlerschutz in den SASA ausgerichtet sind;
      • bei großflächig angelegten forstlichen Maßnahmen/ Veränderungen, hier kennzeichnend beim Eschentriebsterben, dem Schreiadler als Alternativstandort einen erweiterten Brut- und Ruheraum (Ausweich- und Ansiedlungszone) während der Besetzungs-, Brut- und Aufzuchtphase im SASA zur Verfügung stellt;
Beispiel-Situation in einem Schreiadler-Brutrevier des Untersuchungsgebietes. 
Die hier im Revier seit 2016 forstlich eingeleiteten und im März 2020 abgeschlossen Waldumbaumaßnahmen sind allesamt planmäßig und in steter Abstimmung erfolgreich verlaufen. Die forstlichen Maßnahmen zeigten im SASA selbst in der HSZ I keine negativen Auswirkungen für den artspezifischen Großvogelschutz, wie unmissverständlich die stete Schreiadler-Besetzung am Standort mit drei erfolgreichen Bruten bewies.
Ein besonders erwähnenswertes Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung der forstlichen Maßnahmen unmittelbar am Schreiadler-Standort: in nur 30 bzw. 60 m Entfernung zum Schreiadler-Brutplatz brüteten im Zeitraum der forstlichen Veränderungen ferner Rotmilan und Mäusebussard beständig und jährlich gemeinsam erfolgreich auf der Umbaufläche!
Eine erfolgreiche Ansiedlung, kontinuierliche Besetzung und Reproduktion des Schreiadlers hängt grundsätzlich vom Qualitätssiegel seiner eingegliederten Nahrungshabitate ab. Erst dann greift das Auswahlkriterium für ein annehmbares Bruthabitat mit seinen jagd- und forstwirtschaftlichen Ruhe-Perioden in den HSZ von April bis September!

Es handelte sich maßgebend um Hiebsflächen mit der Esche als dominante Baumart. Die Esche war bereits teils länger flächendeckend umgestürzt, zusammengebrochen oder inzwischen abgestorben. Prägend dazu stockte nahezu nur noch die Hasel auf diesen Holzbodenflächen.
Die Bereiche wurden dort, wo gesunde Baumgruppen inselartig bzw. an der Peripherie verblieben sind, mit einer kleinen Terri-Raupe behutsam beräumt und demzufolge für den geplanten Umbau vorbereitet. 
Vitale Einzelbäume/ Überhälter und Baumgruppen verblieben ferner am Standort. 
Die Waldaußen- und Innenrandflächen erhielten eine nur leichte Pflege, um so die randlichen Strukturbedingungen zu erhalten (Windschutz, Verhinderung einer Verhagerung, Förderung autochthoner Samenbäume). 
Nur mithilfe solcher Maßnahmen lassen sich für den Schreiadler mittel- bis langfristig in den SASA wieder geeignete Bruthabitate entwickeln und herstellen.

Diese kleine, leichte und sehr wendige Terri-Raupe kommt seit 2017 in wenigen SASA des Untersuchungsgebietes zum Einsatz, um vor allem bodenschonend und ohne Rückegassen in den grundwassernahen Forstflächen arbeiten zu können. Durch ihre Beweglichkeit können die Bäume selektiv und mit Bedacht entnommen werden. 
Absurdum: diese naturverträgliche Technik wird u.a. aufgrund der Rückegassen-Regelungen bei den forstlichen Erschließungsarbeiten für die zertifizierten Systemen von PEFC bzw. FSC nicht zugelassen und lässt sich demzufolge für derartige Arbeiten für den Forst-Unternehmer im zertifizierten Wald in M-V nicht planen und umsetzen!


Inzwischen wurden in 2020 die bekannten Schreiadler-Nistplätze im Untersuchungsgebiet und darüber hinaus mit einer flexiblen Waschbären-Kletterschutz-Folie bestückt (n=42). Je nach Standort und Kronenschluss erhielten ferner die benachbarten Altbäume eine Folie. Diese transparente, äußerst anpassungsfähige und zudem dezente Folie mit einer Materialstärke von 1 mm und Materialhöhe von 1.40 m wurde in Kopfhöhe am Stamm angebracht.

Infolge kontinuierlicher Verhaltensstudien - hier mithilfe einer gehaltvollen Basis von mehr als 35 regelmäßig analysierten Schreiadler-Brutplätzen - kann konstatiert werden, dass die Adler augenscheinlich auf die teils rasant ansteigenden Waschbären-Bestände innerhalb ihrer Bruthabitate in M-V sichtbar reagieren. 
Dieses gewissermaßen sich neu zu etablierende Verhaltensmuster reift ursächlich dort, wo mittlerweile signifikant hohe Waschbären-Cluster nachgewiesen wurden.
Wenn schlüssige Jungadlerverlusten durch den Waschbären existieren, wählen die Brutadler in der Regel einen neuen Brutbaum im Folgejahr aus. 
Ferner weichen neuerdings einzelne Brutpaare in derart „kontaminierten“ Bereichen auf der Suche nach neuen Nistplätzen auf suboptimale und (aus unserer Sichtweise) weniger geeignete Waldstrukturen aus. 
Brüteten unabhängig vom seinerzeit eingeleiteten und großflächigen Eschentriebsterben noch vor annähernd 10 Jahren die Adler mit Vorliebe auf den klassischen Altbäumen (≥ 100 jährige Altholz-Parzellen, hier vor allem mit Stiel-Eiche und Rot-Buche), so hat sich derweil das Bild in einigen traditionellen Revierteilen merklich gewandelt.
Exakt diese Altbäume, sie liefern für den Waschbären bevorzugte Schlaf-, Ruhe- und Reproduktionsplätze (Baumhöhlen), werden vom Schreiadler im Monitoringgebiet mit zunehmender Tendenz gemieden.
Inzwischen finden im Untersuchungsgebiet Bruten sichtbar abseits der bekannten Bruthabitate inmitten von jüngeren Nadel- und Mischwaldbeständen sowie in der Nähe von gut frequentierten Hauptwegen statt. Jedoch ist dieses Merkmal zukünftig über eine wesentlich längere Periode zu verfolgen, um es schlussendlich näher verifizieren zu können.
Neben der bereits erwähnten Verwendung von Baum-Manschetten (Kletterschutz-Folien) am Nistbaum muss zweifelsfrei die systematische Jagd mit der Kastenfalle auf den Waschbären bei der Jägerschaft in den Revierteilen viel näher in den Fokus rücken.

Eine dieser oben erwähnten "Umsiedlungen", hier in eine jüngere Fichten-Lärchen-Stangenholzparzelle, nur 50 m von einem häufig frequentierten Hauptweg. Das Paar arrangierte sich problemlos mit diesen neuen Begleitumständen und brütete erfolgreich. Abseits dieser Umstände ist das hiesige Weibchen auf die Fichte als Nistbaum geprägt. In den letzten Jahren suchte "Gerda" dementsprechend immer eine Fichte als Brutbaum aus - mit dem Unterschied, dass diese bisher in den angrenzenden Altholzbeständen stockten. Schreiadler-Weibchen bestimmen und wählen, so wie es langjährige Verhaltensstudien im Untersuchungsgebiet zeigen, ausnahmslos den Brutstandort kurz vor der Eiablage aus. Flügger Jungadler - 07. August 2020, Trebeltal.

Auch diese Brut fand 2020 in einem Nadel-Stangenholz (Lärchenbestand) statt. Kurz vor der Eiablage ließ sich die Kopulation dieses Paares in noch 2.600 m Entfernung feststellen. Das Weibchen "Grit" ist beringt und befand sich im 11. Kalenderjahr. Das Brutmännchen füttert auf der Abbildung den flüggen Jungadler am Lärchen-Nest (beachte die typische Begrünung und die Dunenfedern am Nestkranz, vor allem tragen Weibchen jetzt immer noch frischbelaubte Äste ein)  - 02. August 2020.
Die Brutadler (hier das Brutmännchen) griffen glücklicherweise in dieser Saison auf  partiell üppige Wühlmaus-Vorkommen zurück. Diesem gierigen Jungadler wurden nachweislich bei einem dieser ganztägigen Kontrollansitze 23 Wühlmäuse, 4 Maulwürfe und 6 Braunfrösche von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang übergeben (davon 75 % der Tagesration vom Männchen erbeutet). 06. September 2020 - Mecklenburgische Schweiz.
  • Wie schon im Vorjahr glichen erfreulicherweise kontinuierlich stabile Kleinsäuger-Populationen (in Teilbereichen erneut mit Gradationsmerkmalen) die sehnlich vermissten Amphibien-Bestände als essentielle Nahrungsgrundlage in den Reviere aus. 
  • Die Brutweibchen erwarben mithilfe eines reichhaltigen Kleinsäugerangebotes bis Anfang Mai für die anstehende Eiablage in den meisten Revieren noch rechtzeitig die nötigen Brutkonditionen. 
Ein entscheidender Garant für den Bruterfolg stellt zweifelsfrei das enge Zusammenspiel und ein sich darauf aufbauendes Vertrauensverhältnis zwischen dem Schreiadler-Betreuer und den betroffenen Nutzern/ Eigentümern der Brutwälder dar. 
Als Betreuer läuft bei mir dieser Prozess seit Jahren pragmatisch und ohne großen bürokratischen Aufwand und Ärger ab. Dabei völlig unabhängig, ob es sich um Privat- oder Landeswald handelt. 
Wenn der § 23 des NatSchAG M-V (gesetzlicher Nestschutz für den Schreiadler als Restriktive) nicht ständig ins Spiel gebracht werden muss und man vorab gemeinsam andere Lösungen gefunden hat, dann ist der Betreuer auf dem richtigen Weg im Großvogelschutz.
Wird ein neues Schreiadler-Nest gefunden, informiere ich umgehend den Waldeigentümer. In der Regel läuft es über einen zuständigen Mitarbeiter im jeweiligen Forstamt. Dieser agiert hoheitlich für den Natur- und Artenschutz auf dem forstlichen und jagdlichen Sektor. Er erhält den neuen Standort mit den Hinweisen über die Nestschutzzonen (HSZ). Der forstliche und jagdliche Nutzer/ Eigentümer wird daraufhin zeitnah informiert. Spezielle Rückfragen/ Probleme können im Einzelfall dann vor Ort mit den Betroffenen geklärt werden. In den meisten Fällen  laufen diese konkreten Abstimmungen mit dem zuständigen Leiter des Forstreviers. Beispielsweise sind Arbeiten in unerwartet auftretenden Kalamitätsereignissen innerhalb der HSZ II (300 m Zone) auch noch während der Brutzeit denkbar - hier stets in Abhängigkeit zu den örtlichen Umständen. Es ist ein Geben und Nehmen auf Vertrauensbasis. Ständig ist das kollegiale Gespräch mit den Verantwortlichen zu suchen. Jagdliche Einrichtungen können beispielsweise nach Einigung über die Nutzungseinschränkungen am Standort auch in der HSZ I (100 m Zone) verbleiben. Die Jäger werden in die Thematik einbezogen. Auch hier bewegen wir uns in keiner Einbahnstraße. Wichtige Informationen werden beispielsweise über die aktuelle Waschbären-Situation ausgetauscht.
Des Weiteren müssen forstliche Arbeiten, die aus forstsanitärer Sicht in den HSZ zwingend umzusetzen sind (primär außerhalb der Brutzeit), nicht immer angezeigt und schriftlich beantragt werden. Zeitnahe Abstimmungen auf Vertrauensbasis  stellen auch hier mit dem Betreuer vor Ort eine effizientere Option dar.
Sicher, es gibt auch Einzelfälle, wo der § 23 aufgrund uneinsichtiger Vorgehensweisen über den Weg einer Ordnungswidrigkeit geklärt werden muss. Derartige Konstellationen stellen aber die absolute Ausnahme dar.
Jeder Schreiadler-Betreuer sollte also für sein Revier diesen überschaubaren Aufwand nicht scheuen. 
Wie gesagt, wenn wir den Dialog suchen, trägt die Arbeit in der Regel mit etwas Geduld und Umsicht sehr bald die gewünschten Früchte. Wenn beispielsweise vom Waldbesitzer uns ein Anruf erreicht, dass die forstlichen Arbeiten abgeschlossen sind, die Kirrung in Nestnähe nicht mehr bestückt wird oder die Nachfrage, ob noch bis zum 01.04. die Einzäunung einer gepflanzten Kultur realisiert werden darf, dann befinden wir uns auf dem richtigen Pfad. Dies, ohne ständig den § 23 für den gesetzlichen Nestschutz auszuschlachten.....

Während einer langjährigen Schreiadler-Feldforschung ließ sich bislang noch kein derart in Altvogel-Manier handelnder Jungadler so ausgiebig per Flugbalz beobachten. 03. September 2020 - Ibitzgraben-Region.
Beim Wespenbussard war es 2020 hingegen eine eher durchwachsene Saison. Die meisten der bekannten Reviere waren zunächst bezogen - jedoch wurden einige Bruten abgebrochen oder es fanden überhaupt keine Bruten statt. 20. Juli 2020 - Trebeltal.
Extensiv bewirtschaftete - zu DDR-Zeiten noch allgegenwärtige - Wege-Bankette sind auch für unseren Honey kleine wertvolle Nahrungsoasen.
Eine weitere Besonderheit, die einschließlich mit dieser Beobachtung erst zum dritten Mal notiert wurde, das Revier-Männchen verschlingt zunächst die Beute vor der sich anbahnenden Übergabe noch im Kreisflug. Es fliegt mit der Beute im Schlund kurz darauf zum Jungvogel, würgt die Beute plötzlich wieder aus und übergibt sie dann dem Jungadler am Waldrand. 10. September 2020 - Mecklenburgische Seenplatte.
Gemeinsam in den Bestand eintauchen......, 11. September 2020, Mecklenburgische Schweiz.
Ins rechte Licht gerückt...einfach zauberhaft...., 12. August 2020, Trebeltal.
Männchen "Gerd" zwischen Staren auf der Suche nach Nahrung für seinen Nachwuchs. 04. September 2020, Trebeltal.
Bäumchen schüttel dich...., 06. September 2020, Mecklenburgische Schweiz.
Dieser Jungadler blickte nicht ohne Grund nach oben - beim Hochschauen fand ich einen weiteren Adler. Mit etwas Glück gelang ein wertvoller Schnappschuss. Beim "Himmel-Adler" handelte es sich nämlich um den beringten Jungadler des Nachbarreviers. Der Kollege unternahm vom Brutplatz einen großräumigen Ausflug von mehr als 4 km. Solche Sondierungsflüge stellen bei Jungadlern die absolute Ausnahme dar, können dann aber mithilfe ablesbarer Kennringe belegt werden. 06. September 2020, Mecklenburgische Schweiz.
Die Beringung nestjunger Schreiadler wird seit 2007 in M-V mit speziellen Kennringen kontinuierlich fortgeführt. Bis einschließlich 2020 erhielten dank dieser Methode inzwischen 436 Schreiadler einen entsprechenden Kennring. Erste Auswertungen bis 2018 siehe unter: Natal & breeding dispersal of colour-ringing Clanga pomarina in Mecklenburg-Western-Pomerania 2007-2018 
Die Ablesequote fertiler Schreiadler erhöhte sich durch systematische Kontroll-Ansitze 
an den Brutplätzen vor allem in den letzten drei bis vier Jahren spürbar.
2020 gelang nunmehr der erste Nachweis eines komplett beringten Schreiadler-Paares am Brutplatz. Das Brutweibchen befand sich zum Zeitpunkt im 9. KJ und wurde in 74 km Entfernung erbrütet. Hingegen befand sich das Brutmännchen noch im 6. KJ und mit 32 km lag der Erbrütungsort zum jetzigen Brutplatz im direkten Vergleich der Partner deutlich näher. Das Foto zeigt die Kopulation dieser beiden Kennring-Adler am 28. April 2020 
(Standort der Kopula nur 150 m zum späteren Brutnest).


Bilder und Ihre Geschichten... sobald Erntemaschinen in besetzten Revieren für einen Schreiadler entweder hör- oder sichtbar in nahrungsträchtigen Flächen unterwegs sind, dann stehen die Adler in der Regel umgehend auf der Matte. Das Foto zeigt die typische Ansitzjagd eines Schreiadlers im Einklang mit dem Landwirt. Dieser Landwirt ist, wie sich in einem unmittelbar anschließenden Gespräch herausstellte, zugleich der Waldbesitzer vom betreffenden Schreiadler-BP. Eine optimale Kombination, wenn man mit den Eigentümern und Nutzern so freundschaftlich ins Gespräch kommt und sich auf dem Sektor des Großvogelschutzes rege austauschen kann. Also, auch hier immer wieder das Gespräch suchen....und als tolle Zugabe - das auf der Kastanie abgebildete Brutmännchen ist mit einem Kennring versehen, befindet sich im 13. Kalenderjahr und siedelte sich 42 km vom Geburtsort (2008) hier inzwischen als Brutvogel an. 16. Juli 2020, Mecklenburgische Seenplatte.
Auch dieses Foto besitzt eine besondere Geschichte - das abgebildete Brutweibchen namens "Quintessa" brütet seit 2012 ohne Unterbrechung im selben Brutrevier. Dieses Foto zeigt stellvertretend am rechten Fang einen Metallring der BZ Hiddensee. Jetzt endlich, nach neun Jahren .... gelang es den Code zu knacken.... Das Weibchen befindet sich bereits im 18. KJ und wurde 2003 in 103 km Entfernung zum jetzigen Brutplatz geboren. Ein weiterer hochinteressanter Dispersal-Nachweis eines Schreiadlers in M-V. 28. Juli 2020, Trebeltal.
Brutmännchen "Gerd" bei der frühjährlichen Ansitzjagd. 21. April 2020, Trebeltal.
Aufmerksamer Jungadler bei der Amphibien-Ansitzjagd im Wald. 11. September 2020, Mecklenburgische Schweiz.
Junger flügger Schreiadler auf einer abgestorbenen Rand-Esche. Einer von vier ausgeflogenen Jungadlern innerhalb eines Waldkomplexes - einem sogenannten Schreiadler-Hotspot in Deutschland. Hier brüten jährlich 5-6 Schreiadler-Paare! 19. August 2020.
Der genial gezeichnete "Lesser Imperial Eagle" vom vorherigen Foto, jetzt aber per Flugbildaufnahme. 25. August 2020.
...und hier im Zwist mit einer männlichen Rohrweihe..... 25. August 2020.

.... oder etwas Ärger mit einem jungen Peregrine.... - 12. September 2020, Trebeltal.
Typische Situation Anfang August am Brutnest, der Jungvogel ist bereits flügge, sitzt aber gerne noch in Nestnähe und wartet auf eine Beuteübergabe. Sehr schön sind die frischen Lärchen-Zweige auf dem Nestrand zu sehen, auch hier trug das Weibchen nach dem Ausfliegen des Jungadlers immer noch grüne Zweige ein. - 03. August 2020, Mecklenburgische Seenplatte.
Schreiadler mit Lebensraum (Brutwald im Hintergrund). Das Weibchen steht kurz vor der Eiablage und stärkt sich noch einmal mittels der Ansitzjagd auf Kleinsäuger. 02. Mai 2020, Mecklenburgische Schweiz.
Dieser Kopulationsplatz befand sich 910 m vom später gewählten Brutnest entfernt. Mit von der Partie - das weiter oben bereits erwähnte Brutweibchen "Quintessa". 21. April 2020, Trebeltal.
...schaut da ein Sperlingskauz...? - 22. August 2020, Trebeltal.

... und ab geht die Lucie..., die Beute ist fixiert... 29. Juli 2020, Mecklenburgische Schweiz.



Schauen wir gespannt, was die neue LSE-Saison in 2021 wieder bringen wird.... 29. August 2020, Mecklenburgische Schweiz.


Thursday, October 24, 2019

Von "Logger- und Tobel-Störchen".....

Was für ein phänomenaler Schwarzstorch-Neststandort im Allgäu - das Nest befindet sich auf einer sehr alten Moor-Spirke am Rande eines Hochmoors, vermutlich der einzige Brut-Standort dieser Art in Deutschland. Das Nest steht knapp 9 m über dem Moorboden, zudem sollte man die Bauweise an diesem "Bogenlampen-Ast" bewundern..... Diese vier abgebildeten Jungen erhielten 2018 einen GPS-Datenlogger. Zwei von dieser 4er-Gang ("Arco 2" und "Arco 4"), inzwischen im 2. Kalenderjahr und inzwischen wieder auf dem Weg ins Winterquartier, senden noch. Insbesondere "Arco 4", auf dem Bild zentral aufgerichtet, sorgt im folgenden Beitrag sicher noch für Gesprächsstoff....
Seit 2017 erhalten nestjunge Schwarzstörche (BS) in Deutschland an ausgewählten Brutplätzen einen am ELSA-Ring zusätzlich integrierten 19 Gramm leichten GPS-Datenlogger am Tibia. Das Markierungsprojekt wird kontinuierlich über das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell gesteuert (Herstellung und Finanzierung der Logger, inkl. Daten-Transfer, -Pflege und -Auswertungen in der Movebank).

Im Fichtelgebirge (Oberfranken) wurden 2017 daraufhin die ersten vier Jungstörche einer erfolgreichen Brut mit den erwähnten GPS-Datenloggern ausgestattet. 

Die erste 4er-Logger-Bande aus dem Fichtelgebirge 2017. "Lamib" (TL22) und "Lamic" (TL23), beide im Nest-Zentrum zu sehen, liefern als K3-Vögel nunmehr auf dem 2. Wegzug regelmäßig ihre GPS-Daten (Landkreis Wunsiedel, 19.06.17).
Von den vier oben abgebildeten BS leben, so der jetzige Stand, gegenwärtig noch zwei Jungvögel (Verlustrate = 50% bereits als K1-Vögel). 
Beide BS befinden sich momentan im 3. Kalenderjahr (K3) und brüteten 2019 noch nicht - es existieren (wenige) Brutnachweise von K3-Vögeln. Im kommenden Frühjahr (2020) sollten sie mit ihrer definitiv erlangten Fertilität erstmalig als Brutvögel agieren können.


Übersichtskarte mit den Standorten der letzten Ortungen beider seit August 2017 von der Bildfläche verschwundenen Jungstörchen "Lamia" & "Lamid" sowie ihrer deutlich gesplitteten Routenwahl.
Die interessanten Zugwege von "Lamib" mit den Übersommerungs- und Überwinterungs-Arealen 2017 bis 2019.
Die Zugrouten von "Lamic" 2017 bis 2019 mit zwei äußerst bemerkenswerten Mittelmeer- und Sahara-Querungen.
In der Brutsaison 2018 folgten dann bereits 15 Jungstörche mit dem Logger-Modell, diese verteilt an vier Brutplätzen in drei Bundesländern angelegt (2x MV, 1x BB, 1x BY).
Beispiel für die Raumnutzung des Jungstorches "Bohli 1" als Westzieher aus Mecklenburg-Vorpommern vom 01.11.18 bis 07.04.19 im Überwinterungsgebiet Westafrikas (Senegal/ Gambia). Inzwischen erreichte "Bohli 1" am 03.10.19 erneut das Überwinterungsgebiet aus dem Vorjahr bei Kaolack im Senegal.
Beispiel für einen typischen Ostzieher aus dem Allgäu (Bayern) mit einem Überwinterungsplatz nebst Raumnutzung in Ostafrika südlich des "Tanasees" in Äthiopien. "Arco 4" meisterte über 5.600 km und erreichte am 27.10.18 seinen Winterplatz.
2019 nutzte er erneut die Ostroute, verweilt aber seit drei Wochen unverändert in Israel. Mal schauen, ob "Arco 4" dort sogar einen Überwinterungsversuch startet.
"Arco 4" hält sich seit dem 03.10.19 bereits seit drei Wochen (Stand 24.10.19) in Israel südlich Haifa an diversen Fischteichen auf.
Sommer-Revier von "Arco 4" im 2. Kalenderjahr von Mai bis September 2019 in SE-Europa.
Getrennte Geschwister-Routenwahl der Allgäuer Störche vom Moor-Spirken-Nest 2018:
"Arco 2" schlug für den Wegzug die Westroute ein. Überwinterte 2018/19 daraufhin in Burkina Faso, um anschließend im Sommer 2019 als Storch im 2. Kalenderjahr plötzlich in Thüringen aufzutauchen. Am 26.09.19 erreichte "Arco 2" abermals per Westroute bereits die Grenze zwischen Mauretanien und Mali, um sich in Richtung Überwinterungsgebiet zu bewegen.
Der konkrete Sommer-Lebensraum von "Arco 2" als K2-Storch von Juli-September 2019 in Thüringen.
Nur kurz sollte auf die gegenwärtig in Deutschland zum Einsatz kommenden GPS-Logger-Typen und deren Befestigungsmethodik beim Schwarzstorch eingegangen werden.

1. Die Achtung des Schwarzstorch-Intimlebens mithilfe eines sensiblen und angemessenen Verhaltens während der Beringung am Nest (Verhaltenscodex): 

Die oben erwähnten Schwarzstorch-Logger wurden grundsätzlich parallel zur Beringung unmittelbar im Nest angelegt. Der ganze Spuk unterhalb des Kronendachs dauerte bei einer 4er-Brut nicht länger als 20 Minuten (inkl. Aufstieg und Abseiltechnik). Die Jungen werden bei dieser Aktion stets mit einer Decke beruhigt und halten gemeinsam ohne Unterbrechung einen körpernahen Kontakt im Nest in vertrauter Umgebung (sehr wichtig!). Zudem ist eine elementare Frage im Vorfeld zu klären: ob die Jungen wirklich das richtige Alter für diesen "Eingriff" besitzen? Die Jungstörche sollten demnach ein bestimmtes Mindestalter vorweisen, dürfen aber auch nicht zu alt sein. Ebenso ist gleich zu Beginn der Aktion das Jungvogel-Verhalten in Abhängigkeit zur Erreichbarkeit der Jungen im Nest vorsorglich zu studieren. Abbrüche sind daher jederzeit denkbar und sollten selbstkritisch in Erwägung gezogen werden.

Unterdessen werden seit 2018 in Hessen junge Schwarzstörche selektiv mit einem Daten-Logger bestückt. Auslöser für das "Beloggern" der Störche sind vorrangig laufende Windkraft-Projekte. 2018 und 2019 kam dabei jeweils an einem Nest die Seiltechnik zur Anwendung. Im belaubten Zustand führt diese Methodik jedoch wiederholt zu riskanten  Aktionen im Kronendach.
Nur soviel - die Störche wurden in beiden Jahren einzeln vom Nest abgelassen und für längere Zeit am Erdboden "bearbeitet". Die ganze Prozedur dauerte dann nicht nur 20 Minuten - sondern beansprucht grundsätzlich über 90 Minuten..... Zudem standen in diesem Jahr die ausgewählten Jungstörche bereits ausgewachsen am Nestrand. Unbeirrt starteten die Akteure den Versuch, am Ende bis auf das Nesthäkchen erfolglos, an die erregten Jungstörche zu gelangen..... 

2. Die Größe/ Form und das Gewicht eines Loggers:
Das geringe Gewicht (integriert im ELSA-Ring) und eine daraufhin akzeptablen Größe des Loggers verhalfen im Verlauf konkreter Abstimmungen mit dem Max-Planck-Institut zum entscheidenden Kompromiss bei der Umsetzung des Projektes. Die Logger-Technik befinden sich, zumindest was die Akku- und Empfangsleistung betrifft, phasenweise noch im Entwicklungsmodus. Die Logger werden mit einer für den Storch vertretbaren Größe sicher in den nächsten Jahren noch effizienter arbeiten. Über die technischen Abstriche bezüglich einer eingeschränkten Datenübertragung waren wir uns beim Einsatz der "Fichtel-Logger" stets bewusst.

Nicht nur die Methode/ Umstände zum Anlegen eines Loggers an Jungstörchen sollte kritisch hinterfragt werden. Selbst wenn die Leistungsfähigkeit des abgebildeten "Hessen-Loggers" im Vergleich zum hier verwendeten "Fichtel-Logger" merklich höher liegen wird, sollte im Vorfeld gemeinsam über die Form und das Gewicht eines Fremdkörpers am Tibia eines Schwarzstorchs beratschlagt werden. 


Übersicht zur aktuellen Situation des Zug- und Überwinterungsverhaltens aktiver GPS-Datenlogger-Schwarzstörche aus Deutschland. Stand: 26.10.19.
Annähernd 80 Prozent unserer Logger-Schwarzstörche von 2017-2019 (n=70) schlugen die bekannte Westroute mit Kurs auf Gibraltar ein. Das Gros querte dann auch Gibraltar, um folglich einen Überwinterungsversuch in Westafrika einzuleiten.
Ursprünglich lag die Gesamtzahl bei 72 Logger-Störchen. Jedoch senden von den 53 in 2019 angelegten GPS-Loggern seit Beginn nur 51. Diese beiden Störche sind dennoch, ohne die erhofften GPS-Daten zu übertragen, erfolgreich ausgeflogen.

Das ermittelte Hauptüberwinterungsgebiet deutscher Schwarzstörche im Senegal ist in der Tat sehr beeindruckend.
Nur 14 Prozent der deutschen Schwarzstörche nutzten von 2017-2019 die östliche Passage, um nachfolgend im östlichen Afrika einen Überwinterungsplatz zu erküren.
Beispiel für ein sehr gut dokumentiertes Jungstorch-Dispersal nach dem Ausfliegen im Spätsommer 2019. Nestjung beringt im "Hessenreuther Wald" (Oberpfalz, Tirschenreuth), tauchte "Abbi 1" eher unerwartet ab Anfang September für einen ganzen Monat in den Niederlanden nordwestlich Eindhoven auf. 
Wie diese vier Jungen im "Steinwald" (Oberpfalz) - so erhielten 2019 im Bundesland Bayern insgesamt 46 Junge an 16 unterschiedlichen Brutstandorten einen GPS-Logger am Tibia angelegt. "Steinwald" 07.06.19.
Eine Woche später der Blick von oben ins Nest nach der Beringung. Von den vier munteren Kobolden gibt nur noch "Steini 2" (T892, in der Bildmitte) ein Lebens(Signal)zeichen aus dem Senegal.
Situation zur aktuellen Lage der vier oben genannten "Steinwald-Störche". Vorbehaltlich  einer Variante technischer Mängel an einem der GPS-Logger - ist eher vom Ableben bei drei von den vier Jungstörchen während des Wegzuges auszugehen. Ein typisches Beispiel für eine sehr hohe Mortalitätsrate im ersten Lebensjahr der Störche. Über die möglichen Verlustursachen liegen bisher keine Erkenntnisse vor....
Ein weiteres Beispiel zeigt die gegenwärtige Lage von vier Jungstörchen einer Brut aus dem Oberallgäu 2019. Ein Jungstorch davon ist bereits Anfang August an einer Freileitung in Rheinland-Pfalz tödlich verunglückt. Ein zweiter Jungvogel sendet ebenfalls seit Anfang August nicht mehr - die letzte Ortung befand sich im nordwestlichen Frankreich bei La Mesvellerie, exakt dort verläuft auch eine gefährliche Stromtrasse....Die beiden verbliebenen "Randalos" sind noch aktiv unterwegs. Einer von ihnen verweilt schon eine längere Zeit südlich Marrakesch (Marokko) - während sein Geschwister bereits am traditionellen Überwinterungsplatz bei Kaolack im Senegal eingetroffen ist.
Drei Glückspilze, die, so der Stand im Oktober 2019, möglicherweise alle noch aktiv agieren. Der Brutplatz befand sich in Mecklenburg-Vorpommern auf einer Kiefer. Nachdem "Meier 3" am Promi-Platz bei Kaolack im Senegal als West-Zieher inzwischen eingetroffen ist, versuchen es die beiden anderen Kameraden über die Ostroute. "Meier 2" ist nach seinem Stop in Israel bis zum 18.10.19 nunmehr am 26.10.19 im Norden Äthiopiens angekommen. Hingegen führte "Meier 1" bereits am 08.10.19 im Sudan einen Boxen-Stop durch - Zeit für eine neue Ortung....
"Fichtel 4" - beringt 2018 im Fichtelgebirge, beginnt am 16.07.18 mit dem aktiven Wegzug, handelte nachfolgend als einer der wenigen Ost-Zieher, querte Israel am 26.09.18, um schließlich am 08.12.18 die Zentralafrikanische Republik als Winterquartier zu erreichen. Nach dem 21.03.19 verschwindet "Fichtel 4" dort von der Bildfläche....
Zwei von sieben Logger-Störchen in 2019 aus Mecklenburg-Vorpommern in äußerst entspannter und synchroner Yoga-Haltung.... Diese beiden Jungstörche, geboren in der Mecklenburgischen Seenplatte, erreichten als West-Zieher inzwischen ihre leicht differenziert gelagerten Überwinterungsgebiete im Senegal. Müritz-Region, 11.07.19.
Abzugsverhalten und Überwinterungsgebiet der beiden "Ritter-Störche". Müritz-Region, 11.07.19

Wichtige Bemerkung:  Das Kopieren und die Nutzung sämtlicher Fotos, erstellter Karten und diverser Auswertungen ist aufgrund von urheberrechtlichen Schutzgründen nicht gestattet !

Als das absolute Highlight in dieser Brutsaison ist zweifelsfrei der Fund einer alles in den Schatten stellenden Schwarzstorch-Bodenbrut im Oberallgäu zu taufen: 







Was für ein Anblick - die drei "Tobel-Kobolde" verließen später erfolgreich und voll flugfähig diesen heiligen Urwald-Brutstandort. Oberallgäu, 10.06.2019.
Mein langjähriger Schwarzstorch-Freund und treuer Begleiter aus dem Unterallgäu, Harald Farkaschovsky, fand mit viel Fleiß und Umsicht diesen in jeder Hinsicht heilig anmutenden Brutplatz. 


Am Fuße dieser Bach-Aue, hier mit dem wunderschönen Blühaspekt eines ausgelegten Wiesen-Bocksbart-Teppichs, brüteten die "Tobel-Störche". Oberallgäu, 10.06.19.
Besonders erfreulich, die Brut am Stammfuß einer Fichte und inmitten eines naturnahen Schluchtwaldes nebst Bach-Kerbtals, einem sogenannten Tobel, verlief erfolgreich. 
Es handelte sich zugleich um die erste dokumentierte Bodenbrut für Deutschland. 
Harald wird über seine "Tobel-Störche" gesondert berichten und mit seinen brillanten Fotos das "Tobel-Storchenland" per Publikation näher vorstellen.

Dennoch lassen erste Impressionen vom Brutplatz diese besondere und zauberhafte Atmosphäre zweifelsfrei erahnen.....
Um den Brutplatz vollständig zu schützen, verzichteten wir natürlich auf eine Beringung der drei "Enzo Ferrari-Störche", um insbesondere für die ortsansässigen Raubsäuger keine klassische Leitspur mit einem Hinweisschild zu legen.....
Außerdem herrscht im Tobel diese außergewöhnliche Stimmung, die man unter keinen Umständen angreifen darf - ein Heiligtum der besonderen Art - diese "Tobel-Störche"!

Ein Altstorch schiebt Wache bei den putzmunteren Burli's - Oberallgäu, 11.06.19.
Gierig warten die Jungen auf das Ausspeien der wuchtigen Bachforellen - Oberallgäu, 11.06.19.
Wie leicht begossene Pudel präsentierten sich nach dem Regen die Kerle - das Licht war dafür umso magischer. Oberallgäu, 10.06.19.