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Ernüchternder Kurs für die 'Black Ladies' im Nordosten Deutschlands.....

Abb. 1: "Moos-Transporter"... Schwarzstörche suchen und sammeln ihr Nistmaterial in der Regel im direkten Nestumfeld (30-80 m). Si...

Friday, December 02, 2022

Ernüchternder Kurs für die 'Black Ladies' im Nordosten Deutschlands.....


Abb. 1: "Moos-Transporter"... Schwarzstörche suchen und sammeln ihr Nistmaterial in der Regel im direkten Nestumfeld (30-80 m). Sie nutzen aber zuweilen ihre Besuche an den Nahrungsplätzen, um dann als "Beifang" mit Vorliebe Moos für ihre Rückflüge zum Nest vorher noch aufzunehmen. Dabei ließen sich während der Verhaltensstudien teils beachtliche Distanzen von mehr als 2,5 km zur Nistmaterial-Besorgung ermitteln (hier ein Brut-Männchen in Oberpfalz 2022).

Abb. 2: Moos-Storch in der Thermik Richtung Brutplatz (hier noch 2 km vom Nest), Oberpfalz - June 2022.

Abb. 3: Einer von nur noch neun besetzten Brutrevieren in M-V im Jahr 2022. Am abgebildeten Brutplatz fand leider noch nach der Eiablage ein vorsätzlicher Verstoß im Zusammenhang mit der gesetzlichen Nestschutz-Regelungen für M-V in nur 30 m Entfernung zum Nest durch Selbstwerber statt. 



Abb. 4 und 5: Nach diesem gänzlich unnötigen Brutverlust errichtete das Paar aus dieser Notsituation heraus ein neues Ausweich-Nest. In 800 m Entfernung zum bisherigen Brutplatz (Abb. 3) zog das Paar am Ende der Brutsaison jedoch auch nur noch einen Jungstorch erfolgreich auf. 


Die gegenwärtige Entwicklung der Schwarzstorchpopulation nimmt im nordöstlichsten Bundesland sehr bedenkliche Konturen an. Nach einer zwischenzeitlich kurzen 'Erholungsphase' des Brutbestandes, hier für den Zeitraum von 2002 bis 2009 mit 13-15 BP belegt, sanken seit 2010 die Zahlen für die Brutvorkommen und die Reproduktionserfolge wieder signifikant (siehe Abb. 6). Fortan stagniert dieser als besonders kritisch einzustufende Zustand. Seit 2013 wurde die 10 BP-Marke für M-V bislang auch nicht mehr erreicht. Sie schwankt gegenwärtig zwischen fünf bis neun BP (Paare mit Nest und einer Brut)! 
Die vorliegenden Ergebnisse ergeben ein völlig differenziertes Bild im Vergleich zum Brutbestand und den vermeintlichen Trends benachbarter Bundesländer, hier insbesondere in Mittel- und Süddeutschland.


Abb. 6: Brutstatistik des Schwarzstorchs für M-V (2000-2022).

Die Ursachen für diesen empfindlichen Rückgang liegen sehr komplex. Einer der Hauptgründe für diese folgenschwere Entwicklung, insbesondere hinsichtlich Brutgröße und Reproduktionsrate (Gradmesser für den Zustand der hiesigen Population, siehe Abb. 7), findet sich bewiesenermaßen bei den anhaltenden Qualitätsverlusten innerhalb des verbliebenen Fließgewässernetzes in M-V. Intakte Fließgewässer-Ökosysteme - stets verknüpft mit der Verfügbarkeit struktur- und nahrungsreicher Kleingewässer - geben den essentiellen Ausschlag für einen erfolgreichen Brutverlauf. Derart geschichtete Qualitätsrückschläge korrelieren unausweichlich mit den hochintensiven Bewirtschaftungsmaßnahmen unserer konventionellen Landwirtschaft und einer unverkennbar gesteigerten Gewässerunterhaltung in M-V (selbst in NATURA 2000 - Schutzgebieten!). Zunehmende Trockenperioden im Frühjahr und Sommer verschärfen zusätzlich die Situation in den Brutrevieren. 


Abb. 7: Brutgröße und Fortpflanzungsziffer für M-V (2000-2002). Die dokumentierten Angaben liegen teils deutlich unterhalb der Schwellenwerte - die für eine Zukunftssicherung dieser lokalen Schwarzstorch-Population erforderlich sind. Mittelwerte 2000-2022 für BG: 1,82 und FZ: 1,40.

Zogen die Altstörche noch vor 15 Jahren regelmäßig drei bis vier Junge groß – beiläufig liegen die letzten erfolgreichen 5er-Bruten in M-V bereits 14 Jahre zurück – so wurden in den letzten sechs Jahren in der Regel nur noch ein bis zwei Junge je erfolgreiche Brut flügge. Der Mittelwert für flügge juv. in den letzten 23 Jahren (2000-2022) liegt exakt bei 20 Jungen/ Jahr.

Aufgrund deutlich eingeschränkt zur Verfügung stehender Nahrungsquellen sind die Altstörche in den letzten Jahren zunehmend gezwungen ihre Reviere noch weiträumiger zu erschließen. Nahrungsflüge ≥ 12 km stehen folglich zunehmend an der Tagesordnung und die Areale im Brutwald-Umfeld werden noch großräumiger und gestreuter erschlossen. Ein wichtiger Hinweis für die unverzichtbare Einhaltung eines Mindestabstandes von 3 km von geplanten WEA-Standorten um die ausgewiesenen Brutwälder in M-V.


Abb. 8: Auch im benachbarten Brandenburg gehen die Zahlen flügger Jungstörche in weiten Landesteilen ebenfalls zurück. Nicht selten stehen, so wie hier auf dieser urigen Stiel-Eiche in der Ostprignitz, nur noch zwei flügge Jungstörche im Nest. Der im Bild beringte linke Jungstorch wurde am 14.09.22 am Südwestzipfel von Portugal per Fotobeleg auf dem Wegzug als Westzieher dokumentiert.


Abb. 9 und Abb. 10: Hingegen reproduzieren die Schwarzstörche in den näher kontrollierten Revieren lokaler Populationen Oberfrankens und der Oberpfalz (nördliches Bayern) viel regelmäßiger drei bis vier Junge. Das in den dortigen Mittelgebirgslagen entspringende und in der Regel kleinfischreiche Fließgewässernetz, hier nicht selten in Kombination mit den in tieferen Lagen existierenden Forellen-Teichanlagen, geben für die höheren Ziffern der Brutgrößen den entscheidenden Ausschlag. Allerdings sind hier wiederum Störungen im Nest- und Brutwaldbereich durch Freizeit-Tourismus sowie der Forst (primär Privatwald-Standorte) dokumentiert und nicht zu vernachlässigen.

Thursday, February 17, 2022

Neuigkeiten zur Brutansiedlung ('Natal Dispersal') und Details über Langzeit-Verhaltensstudien des Schreiadlers (Clanga pomarina) in Mecklenburg-Vorpommern

Seit 2007 werden nestjunge Schreiadler in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich mit Kennringen am Tarsus markiert. Zwischen 2007 und 2021 erhielten mithilfe von drei Beringern (Chr. Scharnweber, A. Hofmann und C. Rohde) bislang 459 Nestlinge (einschließlich fünf erfolgreicher 2er-Bruten) und darüber hinaus wenige Altadler einen solchen Kennring im nordöstlichsten Bundesland. Bei den Altvögeln mit einem (nachträglich angebrachten) Kennring fanden im ,Natal Dispersal' jedoch nur drei Adler im Fundus eine gebührende Berücksichtigung, da sie Jahre zuvor bereits nestjung einen CA-Metallring erhielten und demzufolge der genaue Geburtsort bekannt war. Bei den verbliebenen Altvögeln mit Kennring handelte es sich um eine sogenannte Erstberingung von Fänglingen bzw. vorherigen Pflegefälle, ohne hierbei etwas über die Herkunft und das Geburtsalter der Schreiadler in Erfahrung zu bringen. 

Einer von inzwischen 459 beringten Kennring-Schreiadlern in M-V. Potentielle Probanden, die ab dem 4./ 5. Kalenderjahr richtungsweisende Auskünfte zum Ansiedlungsverhalten, vorrangig als Revier- oder Brutvögel, liefern können. Foto: 12.07.2021 (keine Drohnen-Aufnahme).

Seit 2014 werden diese gelben Kennringe bei den nestjungen Schreiadlern in M-V verwendet. Die Ablesequalität hat sich im Vergleich zu den bis dahin in grau-melierter Farbe angelegten Kennringen (2007-2013) sogar noch etwas verbessert.                       



Diese drei angereihten Fotos zeigen wohl ohne Zweifel einen der bisher exotischsten Jungadler mit einem "Kaiseradler-Färbungsverschnitt" in M-V. Er wurde auf den Namen "Krösus" getauft....Aufnahmen: 19.08. bis 13.09.2020

Solche Kennringe ermöglichen es in späteren Jahren, wie beispielsweise beim See- oder Fischadler, die Geburtsherkunft für die inzwischen brutreifen Adler erstmalig an ihren Brutplätzen individuell zu ermitteln. Beim Schreiadler glücken fehlerfreie Kennring-Ablesungen gegenwärtig fast ausnahmslos mittels Fotobeleg eines fliegenden oder sitzenden Schreiadlers im Brutrevier.

Nimmt man die vorliegenden Ergebnisse zum Ansiedlungsverhalten unserer Schreiadler näher unter die Lupe, so lassen sich in der Tat erste nennenswerte Merkmale ableiten:

1. Brutreife und Brutplatztreue in M-V

Erfolgreich und erstmals an ihren Brutstandorten decodierte Kennring-Schreiadler liefern essentielle Informationen zur ersten Revierbindung und Brutreife - also in welchem Kalenderjahr (K) die Adler zum ersten Mal ein Revier besetzen (Revierfindung) und ab wann sie erfolgreich zur Brut schreiten können (Brutreife im 'Natal Dispersal'). Weiterhin können charakteristische Merkmale im Federkleid abgeleitet und zur sicheren Alterskleid-Bestimmung beim Schreiadler notiert werden.

Ferner können fraglos weiterführende Qualitätseigenschaften, wie beispielsweise zur Ansiedlungsstrategie, Altersstruktur, Brutplatztreue oder Mortalitätsrate, für jene an ihrer westlichen Verbreitungsgrenze haftende Brutpopulation ermittelt werden. Letztendlich werden in der Summe inspirierende Erkenntnisse über das sogenannte ,Natal Dispersal' des Schreiadlers in M-V kontinuierlich gesammelt.

Ein Parade-Beispiel für die Aussagekraft eines Kennring-Adlers (hier noch mit grau-melierter Grundfärbung des Kennrings) unter Zuhilfenahme umfassender Verhaltensstudien innerhalb eines besetzten Brutreviers (Aufnahme 18.07.2021): Dieses Brutweibchen, namens "Grit", befand sich 2021 im K12 (nestjung 2010 im Landkreis Rostock, LRO beringt). "Grit" brütet seit mind. 2016 (K7) ohne Unterbrechung im Brutrevier und dabei liegen nur 20 km zwischen dem Geburtsort im LRO und späteren Ansiedlungs(Brut)ort in NVP (natal dispersal). 

Dank dieses Kennringes beim Weibchen und der zugleich individuell kennzeichnenden Gefiedermerkmale des Brutpartners konnten wertvolle Details in puncto spezifischer Verhaltensmuster dieses Paares in den zurückliegenden Jahren näher studiert werden. Die Brutvögel werden von mir seit nunmehr 32 Jahren gemäß den Umständen und Möglichkeiten vor Ort studiert, abgelichtet und katalogisiert. Nur so lassen sich im Folgeschritt wesentliche individuelle und spezifische Gefiedermerkmale den Brutadlern entlocken und sind anschließend verifizierbar. 

Beispielsweise erfolgten die Kopulas 2017 beim BP von "Grit" noch unmittelbar vor der Eiablage am 30.04. beachtliche 2.430 m vom kurz darauf zwei Tage später okkupierten Brutplatz (Birke) entfernt. 

Eine Störung am besagten Brutplatz zwang ebendieses Paar 2020 erneut kurz vor der Eiablage zu einem kurzfristigen Umzug. Das neu errichtete Nest (Lärche) befand sich 2.700 m vom bisherigen Standort entfernt ("Grit" entschied über die Wahl des neuen Brutplatzes, siehe Verhalten weiter unten). Das Paar lebt seither, auch aufgrund ihres gemeinsamen Überlebens während der zurückliegenden kritischen Zug- und Überwinterungsperioden, seit mind. 6 Jahren ohne Unterbrechung zusammen, was nicht zwangsläufig der Fall sein muss (s.u.). Das inzwischen eingespielte Paar zog während dieser Zeit vier Jungadler auf drei unterschiedlichen Nistbäumen erfolgreich auf.

Neben diversen Fotobelegen der Kennring-Adler am Brutplatz können auch Nachweise während der Zugperioden glücken - so wie bei dieser nachfolgenden Aufnahme von Janusz Wojciak am 19.09.2019 von "Grit" während des Wegzuges durch Polen (in dem Jahr ohne Bruterfolg).


Das oben abgebildete Kennring-Weibchen, namens "Florentine", brütete erstmals im Alter von K7 von 2014-2017 standorttreu in einem Brutrevier M-V's ('Natal Dispersal' nur 19 km vom Geburtsort). In den vier Jahren zog sie gemeinsam mit Männchen "Felix" zusammen drei Jungadler erfolgreich auf. Seit 2018 fehlt sie am Brutplatz - aufgrund der weiter unten beschriebenen "Umtriebigkeit" kann ein Umzug von ihr nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Inzwischen brütet "Felix" mit einem neuen Weibchen an diesem Brutplatz. Das Paar wies aber seither bis einschließlich 2021 keine erfolgreiche Reproduktion mehr vor (3 x Prädation des Jungadlers). 02.09.2017 (Jungadler im Vordergrund).

Hier das neue (noch jüngere K5-K6) Weibchen nach dem Ausbleiben von "Florentine" in der nachfolgenden Brutsaison 2018 am bekannten Brutplatz (22.04.18). Die Stiel-Eiche aus dem Vorjahr (2017 erfolgreiche Brut) wurde 2018 erneut zur Brut aufgesucht.  Das 2018 neu zusammengestellte Paar zeigte jedoch bis zur Eiablage immer wieder "Einspiel-Probleme". Letztendlich wurde die Brut vorzeitig abgebrochen und daraufhin 2019 ein neuer Nistplatz gewählt (zunächst erfolgreich, dann Prädation des Jungadlers durch Habicht).

Männchen "Felix" rechts im Bild mit seinem neuen Weibchen 2018 - "Florentine" ließ sich da bereits nicht mehr blicken... (22.04.2018).

Neben einprägsamen Gefiederzeichnungen sind es vor allem Verletzungen und deutliche Fehlhaltungen einzelner Schreiadler, die eine individuelle Bestimmung auch ohne Kennring immer wieder ermöglichen. Das erwähnte Männchen "Felix" besitzt eine solche Verletzung am linken Lauf und kann die Zehen im Flug nicht mehr schließen. Es kommt im Flug zu einer klassischen Hängefußhaltung. Mithilfe dieser Verletzung - sie beeinträchtigt ihn bei der Jagd glücklicherweise nicht (mehr) - und speziellen Gefiedermerkmalen gelang es mir bisher "Felix" jedes Jahr zweifelsfrei als Brut-Männchen dem Revier zuzuordnen. Er hat sich diese Verletzung während der Zug- oder Überwinterungsperiode 2014/ 2015 eingehandelt. Vorher erkannte ich "Felix" bereits an einer ganz spezifischen Kopf- und Halszeichnung. Er nimmt seit mind. 2012 die Funktion des ortstreuen Revier-Männchens ein. In diesen 10 Jahren zog er von 2012-2021 mit vier unterschiedlichen Weibchen nur vier Jungadler groß. Er befand sich im Jahr 2021 bereits auch schon mind. im K16!

Ein mir besonders vertrauter Gefährte - das Schreiadler-Männchen "Panni" - hält sicher einen der bemerkenswertesten Erfolge fest, was für die Brutplatztreue eines Schreiadlers in Deutschland zutrifft.

Persönliche "Panni-Chronolgie": 
  • 1992 nestjung nahe Teterow beringt (Metallring).
  • 1997 taucht "Panni" im 6. Kalenderjahr (K6) als Brut-Männchen erstmals am Brutplatz auf (hier konnte ich die letzten beiden Ziffern auf dem Metallring ablesen, was sich später als sehr nützlich erwies).
  • Brutansiedlung 24 km vom Geburtsort.
  • 2012 "Panni" wurde im Zuge eines Forschungsprojektes zusätzlich mit einem Kennring ausgestattet und der bereits vorhandene Metallring bestätigte die Identität und Herkunft des Vogels bei meiner ersten Feststellung 1997.
  • 2017 "Panni" wurde letztmalig im K26 an seiner Brutstätte bestätigt (die Brut verlief erfolgreich).
  • 2018 wurde "Panni" im Verlauf der Brutzeit durch einen neues Männchen ersetzt (keine erfolgreiche Brut). Ein Verlust von "Panni" während der Zug- und Überwinterungsphase ist sicher verantwortlich für das plötzliche Fernbleiben 2018.
  • 1997-2017 (= 21 Jahre) besetzte "Panni" ohne Unterbrechung seinen Brutplatz (K6-K26), hingegen registrierte ich im selben Zeitraum vier diff. Weibchen (4 x Partnerwechsel) während dieser Periode!
  • Von diesen 21 Brutjahren verliefen bei "Panni" 12 Jahre mit Bruterfolg (57%), inkl. einer 2er-Brut 2010.
  • Insgesamt brütete "Panni" in dieser Zeit auf 6 verschiedenen Nestern (5 x Stiel-Eiche, 1 x Europäische Lärche). Die längste Besetzung fand auf einer Stiel-Eiche für 7 Jahre zwischen 2005-2011 statt (dort 6 x am Stück erfolgreich, inkl. 2er Brut = 7 Jungadler!). 
"Panni" mit Wühlmaus im K19 am 25.07.2010 - hier noch mit dem Single-Metallring (rechter Tarsus) - versorgte 2010 zwei Jungadler im Nest (rechts nicht sichtbar). Dieses Nest auf der Stiel-Eiche wurde von 2005-2011 ohne Unterbrechung bezogen. Nur im Jahr 2011 (neues Weibchen!) verlief die Brut dort negativ. 2012 orientierte sich das Paar neu und das Weibchen wählte den neuen Nistplatz aus. Nicht untypisch, wenn die Brut im Vorjahr fehlschlug und zudem ein Partnerwechsel stattfand.

"Pannis" neugieriger Nachwuchs aus dem Jahr 2010 auf einer Stiel-Eiche (zum Zeitpunkt erst der 2. belegte Nachweis für eine erfolgreiche 2er-Brut in M-V) - 16.07.2010.

Nachfolgend die letzten Aufnahmen von "Panni" aus der erfolgreichen Brutsaison 2017, vor seiner letzten Reise.... 2018 wurde er dann nicht mehr am Brutplatz beobachtet....

Mein Freund "Panni" versorgte im hohen Alter von 25 Jahren immer noch fleißig seinen Nachwuchs. Im gesamten Verlauf seines Lebens durfte er an der erfolgreichen Aufzucht von 13 Jungadlern teilhaben. Ich begrüßte ihn all die Jahre - wie immer stets im April bei seiner Ankunft in großer Erwartung und mit viel Begeisterung - am Brutplatz und studierte detailliert sein Verhalten für beachtliche 21 Jahre  - Tausend Dank mein treuer Wegbegleiter ! - Aufnahme 04.08.2017 mit Jungadler "Paul".



"Panni" während einer seiner letzten Kleinsäuger-Spähflüge über seiner "Hauswiese" (04.08.2017). In den letzten Jahren veränderte sich leider auch hier die Grünlandnutzung im Brutrevier in Teilflächen gravierend. Ehemals artenreiche Extensivbereiche mussten inzwischen einer intensiveren und monotonen Bewirtschaftungsform weichen. Typische Vorreiter für schlechte Reproduktionserfolge und instabile Reviere (siehe aktuelle Brutübersicht im Vorbericht aus 2021).

  • Nach eigenen Untersuchungen/ Auswertungen erlangen Schreiadler in der Regel im K6 ihre Fertilität. Verteilt auf sieben konkrete Nachweise: 3 x Weibchen im K6 (alle erfolgreich), 4 x Männchen im K6 (1 x erfolgreich, 3 x erfolglos). 
  • Nur in Ausnahmefällen ließ sich ein erster Brutbeginn bereits im K5 belegen. Jedoch verliefen nachweislich an diesen vier besetzten Nistplätzen die Bruten im Anschluss erfolglos (Beteiligung: 2 x Weibchen im K5, 2 x Männchen im K5).
  • Von den 31 gelisteten Kennring-Adlern nahmen in 2021 noch mind. 15 Adler verteilt auf 13 Reviere aktiv am Brutgeschehen in M-V teil (8 x Weibchen, 7 x Männchen). 
  • An zwei Brutplätzen sind jeweils beide Brutadler mit einem Kennring ausgestattet.
    • Paar 1: Eine Besonderheit, da im Jahr der Erstansiedlung des neu gegründeten Brutplatzes 2020 beide Altadler bereits beringt waren. 
      • 2020: Brut, nachfolgend ohne Bruterfolg (Weibchen K9 - Brutansiedlung 74 km vom Geburtsort, Männchen K7 - 32 km vom Geburtsort). 
      • 2021: Brut, nachfolgend ohne Bruterfolg (Weibchen und Männchen identisch zum Vorjahr).
    • Paar 2: Neuverpaarung 2021
      • 2021: Brut, später jedoch Jungadlerverlust (Weibchen K8 - 101 km vom Geburtsort, Männchen K7 - 32 km vom Geburtsort).
Dieses beringte Paar erschloss 2020 gemeinsam ein neues Brutrevier in M-V. Im Folgejahr brüteten beide markierten Adler erneut am Standort. Beste Voraussetzungen für interessante Analysen der kommenden Jahren. Die Aufnahme vom 26.04.2021 zeigt rechts das grazilere Männchen kurz vor der Paarung in seiner typischen Körpersprache. 

2. 'Natal Dispersal' in M-V

Dokumentierte Kennring-Adler (n=31) - jeweils nach dem Alter der registrierten Erstbelegung am Brutplatz in vier Altersgruppen gegliedert:
  • K5-K6:   10 Ind.
  • K7-K8:   10 Ind.
  • K9-K10:   7 Ind.
  • ≥ K11:      4 Ind.

  • Territorial zeigen Schreiadler-Weibchen aufgrund ihrer sichtlich veranlagten Umtriebigkeit (Brutunruhe) im Vergleich zu ihren Männchen signifikante Unterschiede im Dispersal-Verhalten. Besonders im Frühjahr, wenn kurz vor der Eiablage das Männchen immer noch fehlt, werden benachbarte, aber auch weiter entfernt liegende Reviere von Weibchen aufgesucht. Dort finden vorzugsweise  Stippvisiten statt. Jedoch können weitere Besuche ab und an zu einer Neuverpaarung mit einem Daueraufenthalt führen. Jene Weibchen verlassen infolgedessen ihren angestammten Brutplatz und ziehen plötzlich um. Dieser Wechsel kann reibungslos ablaufen, vor allem dann, wenn das ansässige Revier-Weibchen unverändert fehlt. Er kann aber auch heftige Revierkämpfe mit dem gleichzeitig anwesenden Revier-Weibchen zur Folge haben. Diese zuweilen schweren Revierkämpfe können, so wie beispielsweise auch beim Seeadler immer wieder zu beobachten, mitunter zu schweren Verletzungen oder gar zum Ableben eines der Weibchen führen. Besondere Umstände können bei der Ankunft folglich das Verhalten und die Entscheidungsfindung bei der Revierbesetzung/ Brutplatzwahl eines Weibchens bis zur Eiablage jederzeit beeinflussen.      
    • Dokumentiertes Beispiel für einen Weibchen-Kurzbesuch: Weibchen A (Brutplatz A) besucht am 19.04.19 Brutplatz B (Weibchen A am Nest von Weibchen B; 4,2 km liegen zwischen beiden Plätzen, Weibchen B am 19.04. noch nicht anwesend), nachfolgend brüten aber beide Weibchen A & B wieder an ihren angestammten Plätzen erfolgreich.
    • Dokumentiertes Beispiel für Nistplatzwechsel/ Umsiedlung/ Revierkämpfe: Weibchen C vom Brutplatz C (dort 2010-2013 erfolgreich belegt) tauchte im Frühjahr 2014 plötzlich 27 km westlich am Brutplatz D auf. Weibchen C setzte sich 2014 sofort gegen das dort angestammte Brutweibchen D1 durch und brütete 2014 und 2015 jeweils erfolgreich am Standort C. 2016 kommt es zwischen dem Weibchen C und einem neuen kräftigen Weibchen D2 zu ständigen Revierkämpfen. Letztendlich setzte sich das neue Weibchen D2 durch und verletzte Weibchen C empfindlich (hielt sich Ende Mai immer wieder in Nestnähe auf, Weibchen D2 brütete inzwischen parallel). Weibchen C wurde im Anschluß am 19.06.2016 tot aufgefunden und ist nach der Begutachtung letztendlich mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Verletzungen erlegen (2,7 km vom Nest). Das nunmehr wieder neue Weibchen D2 namens "Gerda" brütet seit 2016 bis einschließlich 2021 ohne Unterbrechung am Platz D. Das dazugehörige Männchen D namens "Gerd" brütet dort seit 2006 bereits für 16 Jahre ohne Unterbrechung (2021: Alter von "Gerd" inzwischen mind. K21).
      • Fazit vom Brutplatz C: in nur vier Jahren (2013-2016) brüteten dort drei verschiedene Weibchen (immer einen Jungadler gemeinsam mit der männlichen Revier-Seele "Gerd" erfolgreich  aufgezogen).
Seit 2006 brütet das hübsche Schreiadler-Männchen "Gerd" ("Gördi") sehr ortstreu in seinem Brutrevier. Da Schreiadler-Männchen nach meinen Untersuchungen ab dem 6. Kalenderjahr (K6) erfolgreich Nachwuchs aufziehen können, befand sich "Gerd" in der Saison 2021  geringstenfalls im 21. Kalenderjahr (K21). Foto: "Gerd" kurz nach seiner leicht verspäteten Revierankunft am 19.04.21 auf einer seiner geliebten Ansitzfichten....
"Schlangenadler-Verschnitt" "Felix" brütet seit nunmehr 16 Jahren als klassischer "Platzhirsch" am Standort und "verschliss" bislang fünf Weibchen. Von 2006 bis 2021 zog er 12 Jungadler groß (nur 4 Jahre ohne Nachwuchs) und hält hoffentlich noch etwas länger durch..... Zum Vergleich: mein bis dato dienstältestes Männchen "Panni" wurde 25 Jahre alt (K26) und zog in 21 Jahren, ebenso treu am Brutplatz festhaltend, 13 Junge groß (s.o.).




Bei einem Seeadler kennt "Gerd" in Nestnähe einfach keine Gnade. Selbst in einer Entfernung von 1.500 m zum besetzten Nest greift er immer noch erbittert einen Seeadler an - 06.06.2021.

"Gerd" in seiner vollen "Schlangenadler-Pracht" ebenfalls an einem 19. April, hier aber im Jahr 2017 im Alter von ≥ K17.

Das zu "Gerd" vergleichsweise sehr ähnlich gezeichnetes Männchen "Toni", welches auch mittlerweile seit vier Jahren am Stück an einem bekannten Brutplatz sehr erfolgreich agiert. "Toni" kann auch ohne Kennring jährlich vor Ort zugeordnet werden - 23.08.2019.

"Toni" fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor am Brutplatz (13.08.2018).

Dritter im Bunde der besonders gezeichneten Adler ist Männchen "Steini", die Aufnahme zeigt ihn am 15.08.2020 im K9 über dem Brutplatz. Dieser Kennring-Bursche wurde im Jahr 2012 nur 19 km entfernt vom jetzigen Brutort geboren. Er brütete abermals 2021 gemeinsam mit seinem Weibchen an selbiger Stelle. 

Ein weiterer Schreiadler mit dieser interessanten Färbungsmorphe, ein Männchen eines benachbarten Brutplatzes (Neuansiedlung 2019). Hier aus dem Jahr 2020 vom 21.04.2020.

Und hier das identische Männchen ein Jahr später vom 12.08.2021 während eines Ausfluges 8,5 km vom Nest entfernt auf Nahrungssuche (Weizen-Ernte).
  • Die Weibchen entscheiden maßgeblich, an welchem Standort das neue Nest errichtet oder ein bereits existentes Nest (wieder) übernommen wird (s.o.). Nach detaillierten Untersuchungen zum Verhalten bei der Nistplatzwahl konnte ich bis auf fünf Ausnahmen immer nur das Weibchen als den "Standortanzeiger/-bestimmer" (auch bei einem Partnerwechsel) feststellen (1990-2021: n=122). Dies betrifft ebenso den Nestneubau im Juli/ August bei vorherigen Störungen, Neuverpaarungen oder späteren Revierneugründungen im Sommer. Die Weibchen besitzen für diese Form der Nestanzeige/ den Nestneubau überdies einen sehr spezifischen Kontaktruf!
  • Die Männchen zeigen eine beeindruckende Brutplatz- und Reviertreue. Von 545 näher untersuchten Bruten (inzwischen jährlich bis zu 35 Brutplatz-Kontrollen/ -Ansitze)  wurde zwischen 1990-2021 bei 412 Bruten vornehmlich dieses Verhalten zur Standorttreue und Brutplatzwahl näher beleuchtet. Es wurde eingehend darauf geachtet, inwieweit die individuell erkennbaren Revier-Männchen über einen Zeitraum von mind. 5 Jahren am Stück vor Ort geblieben sind. Schlussfolgernd ist zu konstatieren, dass ich bisher noch kein Beispiel benennen kann, wo ein Männchen seinen Revierplatz wechselte/ verlassen hat (abgesehen vom abrupten Fernbleiben im Frühjahr durch vorherige schwere Verletzungen oder einer Todesursache, da sie auch nicht als Spätankömmlinge im Brutrevier oder in den benachbarten Revieren in den Folgejahren zu beobachten waren). Ein Revierwechsel wird daher beim Schreiadler-Männchen, wenn überhaupt, nur äußerst selten auftreten. Das Dispersal-Verhalten ist daher bei weitem nicht mit den hier beschriebenen "Revier-Allüren" der Weibchen vergleichbar ('Breeding Dispersal').
  • Bislang ließen sich für die Schreiadler-Männchen ausschließlich Revierflüge und Besuche über benachbarten Revieren wiederholt belegen (partiell raumgreifende intraspezifische Beziehungen).  Wie oben geschildert, fehlen jedoch die klassischen Revierwechsel/ Umzüge (ausstehendes 'Breeding Dispersal').
  • Ableitend davon zeigen die Männchen beim 'Natal Dispersal' nach meinen bisherigen Untersuchungen/ Auswertungen - inkl. unberingter, aber dennoch individuell kenntlicher Ind. - ein stabiles Format. 
  • Bei den Weibchen variiert dementgegen dieses Merkmal aufgrund differenziertem Dispersal-Verhaltens (Revierwechsel/ Springen zwischen den Brutplätzen) und lieferte bereits erste wertvolle Quellen für das 'Breeding Dispersal'. Andererseits fehlen weiterhin verlässliche/ schlüssige Angaben/ Nachweise zum "Breeding Dispersal' männlicher Schreiadler in M-V (s.o.).

Ein Beispiel für die hochinteressanten "Springer-Eigenschaften" unserer Schreiadler-Weibchen zwischen den Brutplätzen ('Breeding Dispersal'). Weibchen "Miri" wurde 2012 nestjung beringt. Auf dem ersten Bild (Flugaufnahme über gemähter Grünlandfläche, 17.07.2017) besetzte sie im brutreifen Alter (K6), nur 8 km vom Geburtsort entfernt, einen Brutplatz (1). Im Jahr darauf traf ich sie im Frühjahr noch einmal kurz an. Anschließend fehlten Hinweise über die Aufenthaltsorte von "Miri". Erst 2021, 3 Jahre später, tauchte sie plötzlich an einem völlig anderen Brutplatz (2) auf. Die Entfernung ihres "Sprunges" von (1) zu (2) betrug beachtliche 33 km. Der Jungvogel auf dem 2. Bild (04.08.2021) verrät die erfolgreiche Brut. Die Distanz vom Geburtsort zum aktuellen Brutplatz beträgt jetzt 27 km.


Bild 1 zeigt Weibchen "Miri" über dem Brutrevier (24.08.2021). Auf Bild 2 ist ihr Nachwuchs auf dem Erlen-Nest vor der Beringung zu bestaunen (15.07.2021).

Im Vergleich zu den genannten "Springer-Weibchen" ließen sich darüber hinaus auch Brut-Weibchen mit einer dauerhaften Brutplatzbindung beobachten. Das nachfolgende Bild unten zeigt das Weibchen "Quintessa" mit Partner "Quintus" bei der Paarung. Sie trägt zusätzlich einen Hiddensee-CA-Metallring, den ich nach über 8 Jahren am Brutplatz endlich vollständig entziffern konnte. "Quintessa" wurde 2003 nestjung beringt und brütet seit nunmehr 10 Jahren von 2012-2021 (K10-K19) und ohne einen Partnerwechsel mit ihrem Männchen "Quintus" (2021 mind. K15) vor Ort. Sie zogen in den 10 Jahren insgesamt 7 Jungadler groß (inkl. einer erfolgreichen 2er-Brut 2014). In dieser Zeit errichtete das Paar 5 verschiedene Nester für ihre Brut. Die Ansiedlung zwischen ihrer Geburts- und Brutstätte beträgt 105 km.

"Quintessa" und "Quintus" während der Paarung am 21.04.2020. Der Standort befand sich nur 60 m vom vorjährig erfolgreich besetzten Brutnest (Kiefer). Kurz vor der Eiablage zog das Paar 2020 allerdings rasch um und baute 840 m vom Paarungsplatz entfernt ein neues Nest (Erle, Brut ebenfalls erfolgreich). 2021 zogen beide Adler dann abermals auf die Kiefer aus 2019 zurück.
  • Bei einem festgestellten Partnerwechsel, hier an über 37 Brutplätzen - partiell mit einem Wechsel zum wiederholten Male (primär mit einem Weibchen), wurden folgende Details dokumentiert (1990-2021, n = 93):
      • 17 x Nest vom Vorjahr wurde nach dem Partnerwechsel unverändert genutzt;
      • 42 x Nest vom Vorjahr wurde nach dem Partnerwechsel nicht mehr für eine Brut verwendet, ein neues Nest (n=28) oder vorhandenes Wechselnest (n=14) fand Verwendung;
      • 34 x Nestneubau aufgrund einer Revier-Neugründung oder Partnerzuwachs/ -wechsel = BP erst im fortgeschrittenen Saisonverlauf ab Mitte Juni komplett;
  • Bei erfolglosen Brutverläufen (Brutaufgabe, Jungadlerverlust, Störungen)  wurde im Folgejahr, hier konkret an 225 näher untersuchten Brutplätzen (1990-2021), folgender Besetzungszustand notiert:
    1.   53 x das Nest aus dem Vorjahr wurde wieder genutzt (23,5 %);
    2. 172 x das vorjährige Nest wurde nicht erneut genutzt, es wurde ein neues Nest oder Wechselnest errichtet/ aufgesucht (76,5 %)  - jedoch kann eine Besetzung der unter 1 gelisteten Plätze jederzeit in 2-4 Jahren wieder erfolgen (das Nest existiert in der Regel nach 2-4 Jahren immer noch) - selbst nach 12 Jahren wurde ein alter Standort wieder aufgesucht (identische Position des neu errichteten Nestes im selben Ur-Nistbaum, die Revierstrukturen unterlagen im weiteren Verlauf keinen gravierenden Veränderungen!);
    3. bei Brutverlusten, wo nachweislich anthropogene Störungen verantwortlich waren, erfolgten im Folgejahr generell keine erneuten Belegungen - es folgte generell ein Nistplatzwechsel (daher sind die Fälle mit Störungen unter 2. gelistet); 
Exakt zur empfindlichsten Periode erfolgte die intensive Unterhaltung eines hier links im Bild sichtbaren Wald-Vorflutgrabens unweit des Brutnestes (Grundräumung/ Grabenprofil-Ausbau in der Bebrütungsphase). Die Brut wurde folglich abgebrochen. Das Paar wechselte im nächsten Jahr den Standort und nutzte ebenso in den Folgejahren diesen verlassenen Nistplatz nicht wieder - 22.07.2017.

Die selbe prekäre Situation aus einer anderen Perspektive, um so vor allem Art und Umfang des Grabenausbaus besser einordnen zu können, 22.07.2017.

Ein vom 08. Juli 2010 inzwischen überbrütetes Schreiadler-Gelege (1 Ei) in einer der letzten Methusalem-Eichen auf einer Mineralinsel im Erlen-Bruchwald. Exakt 30 Meter neben diesem aktiven Nest existierte zum Zeitpunkt ein belaufener Jagdansitz, welcher vom Jagdpächter wissentlich dieser Brut und unbelehrbar
zur Brutzeit wiederholt aufgesucht wurde. Kein großes Wunder, wenn im Verlauf der Besetzung die Brut ohne Erfolg blieb. Besonders ärgerlich: die letzte erfolgreiche Brut fand hier seinerzeit vor über 10 Jahren im Jahr 2000 statt, 2001 erfolgte vorerst die letzte Besetzung des Reviers. Dann - von 2002-2007 - fehlte das Paar für 6 Jahre vollständig. Erst in 2008 registrierte ich nach einer langen Pause eine erneute Revierbesetzung und 2010 erfolgte endlich wieder eine Brut am Standort. Das hier abgebildete Nest befindet sich exakt in der Stammgabel der Brut-Eiche aus 2000. Die Adler bauten also exakt 10 Jahre später im selben Baum und Position dieses Nest. An dieser Stelle wird ausdrücklich die Bedeutung für einen langfristigen Erhalt/ Schutz dieser essentiellen Waldstrukturen in den Schreiadler-Revieren abgeleitet (Ausweisung von Schreiadler-Schutzarealen). Nach dieser dokumentierten Störung zeigte sich das Paar ohne einen Bruterfolg noch für zwei Jahre bis 2012 im Revier (die abgebildete Stiel-Eiche wurde nicht mehr beflogen). Seit 2004 ist das Revier leider inzwischen verwaist.

3. 'LSE-Dispersal' - Kennring-Adler im K2


Einer der erst in den Monaten Juli/ August dokumentierten K2-Schreiadler in M-V. Es fehlen bislang immer noch gesicherte Nachweis für K2-Adlern, die bereits ab Mitte Juni in NE-Deutschland und dementsprechend im Umfeld ihrer Geburtsstätten beobachtet werden. Die Aufnahme stammt vom 26.08.2015, 24 km vom Geburtsort 2014 (siehe auch Übersicht der K2-Adler, der Wiederfundort ist mit der Nr. 1 in der Karte markiert). Dieser beringte ehemalige K2-Adler siedelte sich 2019 als fertiler K6-Brutvogel nur 17 km von seinem angestammten Geburtsort an. Des Weiteren wurde er auf seinem Heimzug am 14.04.2021 in Polen beobachtet.

Der ein Bild zuvor auf der Wiese abgelichtete K2-Jungadler ist hier als Nestling einer später dann erfolgreich ausgeflogenen 2er Brut zu sehen.  - Aufnahme vom Nachbarbaum aus - 22.07.2014 (keine Drohnen-Aufnahme).

Hier noch beide Kameraden mit der Kamera aus dem Nachbarbaum während des Ästlingsstadiums am 27.07.2014.

Zusammenfassung

In den nächsten Jahren werden wir mithilfe beringter Kennring-Schreiadler kontinuierlich einen Erkenntniszuwachs, insbesondere mit konkreten Befunden zum Ansiedlungsverhalten und zur Brutplatztreue, für unsere reproduzierende Brutpopulation in M-V gewinnen. Die Ablesequote von Kennring-Adlern an den Brutplätzen hat sich aufgrund systematischer Kontrollen in den letzten 5 Jahren merklich erhöht. Die Fertilität vom Schreiadler ist mit dem Erreichen des 6. Kalenderjahres (K6) inzwischen wiederholt belegt. Des Weiteren können Schreiadler bereits im 5. Kalenderjahr einen Brutplatz in M-V besetzen und dort auch zur Brut schreiten, jedoch fehlen unverändert abgesicherte Nachweise für eine erfolgreiche Reproduktion. Die mittlere Ansiedlungsdistanz im 'Natal Dispersal' des Schreiadlers in M-V liegt bei annähernd 50 km zwischen dem Geburts- und späteren Brutort. Männliche Schreiadler zeigen in M-V eine ausgesprochene Brutplatztreue und können bis zu 21 Jahre ohne Unterbrechung am Revierplatz festhalten. Weibchen hingegen zeigen ein differenziertes Verhalten. Einerseits belegen sie, wie die erwähnten Männchen, ihren Brutplatz dauerhaft - andererseits verlassen und wechseln sie bewiesenermaßen ihre angestammten Brutplätze, um sich zuweilen an einem entfernten Standort neu zu etablieren und zu verpaaren.