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Einblicke von oben - über bühnenreife Szenen unserer kleinen Tüpfeladler - 2025

Das Porträt stellt vor: „Eddie“ the Eagle. 04. August 2025, Landkreis LRO. Abb. 1:  Jungadler "Kalle" im Alter von 34 Tagen währe...

Friday, September 26, 2014

Schreiadler (Aquila pomarina) - eine sehr erfolgreiche Brutsaison 2014


Es ist Ende April - bei den Schwarz-Erlen sprießen die ersten grünen Blätter. Die Schreiadler sind aus den afrikanischen Winterquartieren zurück, vollziehen bereits seit 14 Tagen ihre eindrucksvollen Revierflüge am Brutplatz und fangen seitdem eifrig Kleinsäuger & Amphibien.
Hier ein Schreiadler-Männchen (Revier "Le") nur unweit des vorjährigen Brutnestes auf Ansitzjagd.
Zu diesem Zeitpunkt im Frühjahr wusste ich natürlich noch lange nicht, dass sich die Brutsaison 2014 - insbesondere innerhalb meiner Greifvogel-Monitoringfläche - zu einer sehr erfreulichen Erfolgsstory entwickeln würde... 
Schreiadler im halbhohen extensiv genutzten Dauergrünland auf Amphibienjagd zu Fuß im Revier "Le".
Die Kopulation findet beim Schreiadler nicht auf dem Nest statt. Oft liegt der Kopula-Platz ≥ 100 m vom Nest entfernt. Dieses Schreiadler-Männchen vom Revier "Le" verpaarte sich zunächst am 16. April auf einer Weide mit einem neuen Weibchen (das eigentliche Brutweibchen war zum Zeitpunkt noch nicht am Brutplatz). Jedoch vertrieb nachfolgend das später eintreffende Revier-Weibchen dieses "frische" Weibchen.
Bereits eine Woche später am 23. April hat die "Chefin" vom Revier "Le" die Fronten geklärt und das neue Weibchen vertrieben. Hier will das Männchen (oben) das "Hochzeitsgeschenk" (einen Braunfrosch) noch nicht so richtig überreichen.... 
Status Kontrollfläche 420 km2 Mecklenburg-Vorpommern
Anzahl/ Größe

Kontrollierte Vorkommen (inkl. alter verwaister Reviere)
21
Reviere mit Schreiadler-Vorkommen
16
Einzeladler mit Revierbindung (E)
0
Revierpaare ohne Brut (RP)
3
Brutpaare mit Bruterfolg (BPm)
13
Brutpaare ohne Bruterfolge (BPo)
0
Brutpaare gesamt (BPa)
13
Jungvögel ausgeflogen (beachte eine 2er Brut)
14
Fortpflanzungsziffer (juv./ BPa)
1,07
Reproduktionsrate (juv./ BPa, RP, E)
0,87
Siedlungsdichte (BPa + RP/ 100 km2)
3,81



Gerne wählen Schreiadler zur Kopulation auch die Wipfelbereiche von Fichten. Das Weibchen fordert zuvor stets mit einem entsprechenden Kopula-Aufforderungsruf das Männchen zur Paarung auf. Hier am Brutplatz "Re". Das Weibchen besitzt einen ablesbaren Kennring - dadurch wissen wir - ihr Geburtsort befindet sich nur 19 km vom jetzigen Brutplatz entfernt. Sie ist inzwischen im 7. Lebensjahr und hat 2014 erfolgreich reproduziert.
Das Brutweibchen vom Revier "Re" zeigt sich auf dem Bild sehr angespannt und untersetzt dies mit einem durchdringenden Schrei. Hintergrund ist ein ins Revier einfliegender Seeadler. Schreiadler besitzen ein beachtliches Repertoire an Ruflauten. Dieser spezielle Seeadler-Warnruf gehört dazu!
Typische Situation im Luftraum. Einhergehend mit dem Warnruf wird der Seeadler vehement vom Schreiadler angegriffen (hier Brutweibchen vom Revier "Me"). Dieses Weibchen brütete bisher regelmäßig in einem 28 km entfernt liegenden Brutrevier. In diesem Jahr hat es sich plötzlich im Schreiadler-Monitoringgebiet mit dem Männchen vom Revier "Me" erfolgreich verpaart. Das eigentliche Revier-Weibchen war ebenso anwesend, konnte sich aber nicht - wie im oben  beschriebenen Fall vom Revier "Le" - durchsetzen! Ein weiteres Beispiel welche Dynamik innerhalb eines relativ kleinen Untersuchungsgebietes beim Schreiadler besteht.
Ein wesentliches Kriterium für eine erfolgreiche Etablierung und Reproduktion des Schreiadlers im Monitoringgebiet ist das Vorhandensein ausreichend extensiv bewirtschafteter Dauergrünlandflächen in unmittelbarer Nähe zum Brutwald! Inzwischen werden auch ehemals überflutete Grünland-Areale der Flusstalmoore wieder extensiv bewirtschaftet. Ein entscheidendes Merkmal - warum dieses seit mehr als 15 Jahre aufgegeben Revier "Qu" im Jahr 2014 wieder erfolgreich besetzt wurde. 
Sonnenaufgang im "Trebeltal" - all diese Wiesen werden wieder extensiv genutzt. Der Schreiadler dankt es unmittelbar mit einer erfolgreichen 2er Brut! Eine von insgesamt DREI in Mecklenburg-Vorpommern! Eine erfolgreiche 2er Brut kommt beim Schreiadler äußerst selten vor. Entscheidend für eine solche Konstellation ist ein reichhaltiges Nahrungsangebot besonders in den ersten Wochen nach der Schlupfphase des zweiten Jungadlers (Kleinsäuger-Gradation). Ferner sind es in der Regel weibliche Jungadler, die dem älteren männlichen Jungadler im Nest "plötzlich" in der kritischen Phase gegenüber stehen. Bei der Beringung fielen durchweg die sehr gute Kondition (Gewicht) der Jungadler sowie ein angelegtes Beutedepot der Altadler im Nest auf.
Die Begegnung mit solch üppigen Gesellen war in dieser Saison kein seltenes Bild... Dieser Jungadler deckte mit seinem Gefieder das hinterlegte Beutedepot (2 Feldmäusen) für den Betrachter unsichtbar im Nest ab.
Das Bild zeigt eine erfolgreich heranwachsende 2er Brut beim Schreiadler. Diese beiden Jungadler sind nachfolgend erfolgreich ausgeflogen. Dito traf dies für die beiden anderen 2er Bruten in M-V ebenso zu.
Beachte die Gestaltung der Buchenstämme mit weißer Wandfarbe...
Die starke Bekalkung am und unter dem Nest verrät beim Schreiadler die erfolgreiche Brut!

Nachfolgend einige Impressionen ausgeflogener Jungadler 2014 im Monitoringgebiet ohne Kommentare......











Und dazu noch einige typische Jagd-, Flug- und Ansitz-Situationen betroffener Altvögel im Monitoringgebiet....















Schreiadler-Männchen vom Revier "Re" vs. Kolkrabe...




Ein sehr seltener Schnappschuss - der Baummarder vertriebt zunächst den Mäusebussard oben und kümmerte sich danach auch noch um das Schreiadler-Männchen (rechts) vom Revier "Pa".



Nachfolgend eine sehr interessante Verhaltensstudie über unmittelbar benachbarte Schreiadler (Reviervögel), welche u.a. mit ablesbaren Kennringen identifiziert werden konnten.
Am 17. September versorgt das Brut-Männchen vom Revier "Re" (unberingt) noch unverändert seinen Jungadler. U.a. entdeckte ich es an diesem Tag an einer stark befahrenen Bundesstraße bei der Ansitzjagd in einer Linden- Kastanien-Allee (siehe Bild oben).
Wiederholt konnte es bei der Jagd an der Bundesstraße beobachtet werden. Das dazugehörige Brut-Weibchen (beringt) hatte bereits am 15. September den Brutplatz verlassen. Zum Zeitpunkt war daher mit dem Beginn des Wegzuges bei ihr zu rechnen.
Nach der Kontrolle des Reviers "Re" checkte ich sogleich das Revier "Pa". Hier war das Brut-Männchen (beringt und mit einem defekten GSM-Sender bestückt) inzwischen seit mehr als 3 Tagen alleine am Brutplatz. Selbst der Jungadler war inzwischen abgezogen.
Dieses Brut-Männchen war am 17. September gegen Mittag plötzlich in Balzstimmung (Girlanden, Winken, Rufreihen etc.) - Hintergrund für dieses Verhalten war ein fremdes Weibchen in Sichtweite, welches schließlich in einer Baumreihe nur 1,5 km vom Brutplatz des Reviers "Pa" abtauchte.
Das Brut-Männchen besuchte daraufhin das fremde "interessante" Weibchen. Ich fand mit etwas Glück schließlich beide Adler zusammen an den Resten eines Kadavers. Beide Adler flogen bei meiner Ankunft keine 20 m vom Kadaverplatz entfernt in die Baumreihe. Hier entdeckte ich nach intensiver Suche auch das fremde Weibchen 
(siehe Bild oben) - es war beringt und stammte vom 12 km entfernt liegenden Revier "Re"  - also dort, wo das Männchen zuvor in der Allee an der Bundesstraße saß, um u.a. den Jungadler noch zu versorgen.
Am Folgetag - dem 18. September - besuchte ich erneut am zeitigen Vormittag das Revier "Pa".
Ergebnis - beide Adler waren diesmal direkt im Brutrevier "Pa". Das Brut-Männchen fand ich bei der Ansitzjagd auf seiner "Hausweise" vor und das fremde beringte Weibchen flog mit der ersten Thermik aus einer Baumreihe ab. Erneute Flugbalz und lange Kreisflüge folgten im Gebiet. 
Das Brut-Männchen vom Revier "Pa" während der Jagd auf seiner "Hauswiese" am 18. September 2014. Auf dem Rücken der sichtbare GSM-Sender.
Am 19. September war nur noch das fremde und beringte Weibchen vom Revier "Re" im "falschen" Revier "Pa" zu finden. Es stiegt um 11:10 Uhr bei bester Thermik auf und verließ schließlich zielstrebig Ri. ESE das Revier.
Die Besenderung dieses Weibchens erfolgte vor 4 Jahren (2010) in einem 28 km entfernt liegenden Brutrevier - bezogen auf den aktuellen Brutplatz. Es brütete 2014* völlig überraschend im Revier "Me" innerhalb meiner Monitoringfläche. Das später noch eintreffende Revierweibchen vom Revier "Me" wurde erfolgreich vom "Sender-Weibchen" vertrieben. Bei dem hiesigen Brutmännchen handelte es sich um ein mir aus den Vorjahren bereits bekanntes Ind.
* Man sollte nicht gänzlich ausschließen, dass dieses Weibchen bereits vor der Besenderung 2010 schon einmal hier im Revier "Me" gebrütet hat!
Das selbe "neue" Brut-Weibchen vom Revier "Me" beim Abflug.


Leider im totalen Gegenlicht, dennoch eindrucksvoll... LSE vs. WTE.... 
Erneut ein sehr interessanter Wiederfund eines beringten Schreiadlers aus Mecklenburg-Vorpommern (M-V). Am 09.07.2014 beringte Andreas Hofmann eine erfolgreiche 2er Brut. Der ältere Jungadler - "T12" - wurde am 24. September 2014 an der Rhône-Mündung in Südfrankreich von Marc Thibault beobachtet und fotografiert.
Es ist bereits der zweite Nachweis per Kennring-Ablesung eines Schreiadlers aus M-V mit einer SW-Routenwahl http://blackstorknotes.blogspot.de/2011/02/lesser-spotted-eagle-crazy-german-lse.html










Thursday, February 13, 2014

Schwarzstorch - 2013 - ein klassisches Störungsjahr in Deutschland!





Der Schwarzstorch-Bestand in Deutschland nach aktueller Datenlage - in Klammern: realistische Dunkelziffer von 69-70 Revierpaaren (RP) in Deutschland (Stand: 10.02.2014, kurzfristige Änderungen vorbehalten). 


Nach dem jetzigen Kenntnisstand liegt der Schwarzstorch-Bestand in Deutschland zwischen den ermittelten 640 RP bis maximal 710 RP. Die Anzahl der gefundenen und besetzten Nestern liegt in Deutschland momentan bei annähernd 480. Ferner gilt es besonders in den Bundesländern mit den aktuell höchsten Schwarzstorchvorkommen (Bayern und Nordrhein-Westfalen) noch deutlich sichtbare Erfassungslücken zur Brutstatistik zu schließen. 
Die Erfassung gestaltet sich besonders in den waldreichen Mittelgebirgsregionen (den typischen Schwarzstorch-Schwerpunktgebieten) unverändert kompliziert. Hier ist weiterhin mit einer nicht zu unterschätzenden Dunkelziffer zu rechnen. Daher sollte man besonders vorsichtig im Umgang mit Bestandstrends vor allem in den Regionen von Mittel- und Süddeutschland agieren. 

Immer wieder wird die Existenz von Paaren erst Jahre später durch zufällige Funde und Hinweise bestätigt. Auch im Zuge von Windkraftplanungen (insbesondere Planungen auf Waldstandorten) wurden die Mittelgebirgslagen insbesondere seit 2010 viel systematischer und gezielter erforscht. Unerwartete "Neufunde" deckten bislang nur einen Teil der weiterhin verborgenen Revierpaare auf. 

Im Gegensatz dazu steht ein sich gegenwärtig abzeichnender Negativtrend in Nordost-Deutschland. Die hiesigen Bestände in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sanken im Zeitraum der letzten fünf Jahre empfindlich von zusammen 70 RP auf aktuell 40 RP. Die Ursachen für eine vorhergehend verlaufende Stagnation und dem anschließenden Rückgang sind einer Komplexbetrachtung zu unterziehen. Entsprechende Untersuchungsergebnisse liegen inzwischen für M-V vor.


Aber auch in Mitteldeutschland  -  exemplarisch Hessen (hier 2002: 83 RP > 2013: 60 RP) - ist das Augenmerk vielmehr auf "schleichende" Revieraufgaben und dessen Ursachen zu fixieren!



Die Übersichtskarte zeigt die zum Teil katastrophalen Brutergebnisse einzelner Bundesländer (soweit verfügbar). 
Von 261 näher untersuchten Bruten 2013 errechnete sich ein Mittelwerte von 1,12 BPa und 2,39 BPm. Der Erfolgsanteil lag bei nur 46,7 %!
Besonders dramatisch entwickelte sich 2013 die Lage u.a. im Frankenwald, Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge, Vogtland, Erzgebirge und der Sächsischen Schweiz. Hier gingen die Werte auf bis zu 0,20 BPa und 1,50 BPm zurück (Erfolgsanteil bei nur 13-20%)!

Aber auch im Vogelsberg (Hessen) kam es zum Super-GAU 2013 - von 9 begonnenen Bruten verliefen nur 2 erfolgreich (22 %). Besonders verhängnisvoll, da im Vogelsberg, einem Europäischen Vogelschutzgebiet, auf einer gut kontrollierten Untersuchungsfläche der Brutbestand von ehemals 14-15 BP bereits auf 6-8 BP geschrumpft ist (A. ROCKEL und M. HORMANN mündl.). Es liegen nach meinem jetzigen Kenntnisstand deutliche Zusammenhänge mit der parallel und schrittweise verlaufenden  Errichtung von 178 WEA  innerhalb dieses "Schwarzstorch-Hotspots" in Hessen in den letzten Jahren vor. Persönlich kenne ich das Gebiet und die Umstände vor Ort seit 2007 - auch bedingt durch die jährlichen Beringungsaktionen - inzwischen sehr gut.

Als kleiner Lichtblick kann das Allgäu (Südbayern) und das Bundesland Schleswig-Holstein aufgeführt werden. Hier lag der Erfolgsanteil bei bemerkenswerten 90,9 % im Allgäu (H. FARKASCHOVSKY) bzw. 71,4 % in SH (J. KOCK).

Die Schwarzstörche begannen 2013 ihre Bruten auf Deutschlandebene 1,5 bis 2 Wochen später als im langjährigen Mittel. Diese registrierten Brutverzögerungen wurden durch die nachfolgenden Beringungstermine  zusätzlich gestützt. In einigen Mittelgebirgsarealen fanden die Schwarzstörche bei ihrer Ankunft Mitte März mehrfach noch schneebedeckte Brutplätze vor. 

Am Beispiel der Wetterstation Hof (u.a. Bindeglied Frankenwald und Vogtland) wird das Ausmaß der Wetterkapriolen besonders deutlich:



Ein typischer Anblick im Juni 2013 in Deutschlands Schwarzstorchnestern - leere und inzwischen verlassene "Burgen".  

Ein frischtoter Jungstorch (links, 4,5 Wochen) noch im Nest (17.06.13, Eifel - Rheinland-Pfalz). Die beiden verbliebenen Jungstörche sind nachfolgend erfolgreich ausgeflogen.
Insgesamt erfolgte die Aufnahme von 75 toten Jungstörchen - oft noch im Nest liegend (frischtot oder Überreste) oder aber Totfunde unter dem Nest. Es muss aber für 2013 von einer weitaus größeren Anzahl toter Jungstörche von ≥ 120 Ind. in Deutschland ausgegangen werden.
Eine sehr seltene Begegnung in den Schwarzstorchnestern 2013 - vier vitale Eidgenossen - fast wie die Orgelpfeifen in Position - nur der Älteste ist ein kleiner Spielverderber... (16.06.2013, Eifel - Rheinland-Pfalz).
Für die in Nordostdeutschland zunehmend registrierten Revieraufgaben sind aber nicht die Wetterkapriolen, wie hier geschildert, verantwortlich. 
In Mecklenburg-Vorpommern haben wir dieses Phänomen 2011 und 2013 näher analysiert (C. ROHDE & U. GEHLHAR 2014: Zur Situation des Schwarzstorchs in M-V - Ergebnisse eines zweijährigen Forschungsprojektes zur Untersuchung der Lebensraumsituation dieser stark bedrohten Großvogelart - Manuskriptvorlage). Es ist, wie bereits schon oben aufgeführt, dafür eine Komplexbetrachtung vonnöten.

Folgende wichtige Hinweise (Auszüge) lieferte diese Studie (ein entsprechendes Infoblatt wird folgen):
  • zunehmend begrenztes Nahrungsangebot insbesondere innerhalb der Fließgewässerabschnitte: fehlende ökologische Durchgängigkeit an essentiellen Schnittstellen, mäßige Fließgewässer-strukturqualitäten (fehlende Eigendynamik, fehlendes Sohlesubstrat für Kiesbettlaicher, fehlende Ufergehölze usw.)
Anziehungsmagnet für jeden Schwarzstorch - ein naturnahes Fließgewässer mit Eigendynamik und Strukturvielfalt - exzellente Lebens- und Reproduktionsstätten für bedrohte Fischarten, Rundmäuler und Wirbellose. Man beachte die begleitenden Ufergehölze (u.a. Beschattung, Wurzelzonen geben perfekte Versteckmöglichkeiten, z.B. für Bachforellen) und das grobe Sohlesubstrat (Rauschen).
Das Potential solcher Refugien schlummert in Teilbereichen auch noch in M-V, es muss jedoch umfassend revitalisiert werden!
  • permanent an Intensität zunehmende landwirtschaftliche Erschließung innerhalb der Nahrungsreviere, zunehmende Flächenerschließung,  fehlende Gewässerrandstreifen, intensive Gewässerunterhaltungsmaßnahmen insbesondere an den Zuflußgräben, Flurbereinigung, übermäßige Sedimenttransporte (künstliche Abbrüche) und zunehmende Nährstoffeinträge durch Monokulturen (Maisanbau!) usw.
  • Entwässerung grundwassernaher Waldbestände (Waldmoore etc.), insbesondere durch zu tief angelegte Vorflutgräben im Einzugsbereich
  • anthropogene Störungen am Brutplatz (Strukturveränderungen in den Altholzbeständen mittels Durchforstungen, immer wieder vorkommende Verstöße innerhalb der gesetzlichen Horstschutzzonen)
  • Mortalitätsfaktor (es fehlen die nötigen Brutreserven an der Peripherie ausgedünnter Randpopulationen für eine schnelle und erfolgreiche Nach- und Wiederbesetzung, gesunde Populationen liefern hingegen den sofortigen Austausch)
  • jährliche Seeadler-Neuansiedlungen mit zunehmender Tendenz der Besiedlung tradierter Schwarzstorch-Lebensräumen: eigene langjährige Feldstudien haben gezeigt, dass die Schwarzstörche in M-V inzwischen ein deutliches Meideverhalten zum Seeadler entwickelt haben. Es liegt in M-V bei annähernd 1.500 m. Nachweisliche Schwarzstorch-Revieraufgaben durch den Seeadler in M-V liegen vor (n = 5) - ähnliche Beobachtungen werden auch aus anderen Bundesländern mit entsprechenden Seeadlerbeständen gemeldet (u.a. Sachsen-Anhalt - G. DORNBUSCH, Sachsen - U. AUGST und Brandenburg - L. BALKE)
  • deutlich wachsende Prädationsgefahr durch Waschbären in M-V und anderen Bundesländern (das Anbringen von Baummanschetten am Stamm der verbliebenen Niststätten muss für M-V zeitnah umgesetzt werden - diese Form der "Abwehrmaßnahme wird u.a. in Hessen, Brandenburg und Niedersachsen bereits erfolgreich praktiziert)

Lag der Seeadler-Bestand in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2005 noch bei 215 BP, so gipfelte er 2012 bereits bei 314 BP (LUNG M-V, 2013) - Tendenz steigend. Seeadler expandieren immer weiter in gewässerferne und waldärmere Feldmarkareale. Die im selben Zeitraum angestiegene Durchforstung der Altholzbestände (u.a. Schirmschlagmethode in den Altbuchenkomplexen) förderte zusätzlich die Bruthabitatqualität für den Seeadler und somit dessen Verbreitungsbild. Genau diese Ansiedlungsstrategie vom Seeadler scheint nun im zunehmenden Maße die Populationsdynamik beim Schwarzstorch in M-V und anderen Regionen mit gemeinsamen Schwarzstorch- und Seeadlervorkommen zu beeinflussen. Obendrein ist die bislang stabilste Teilpopulation in Westmecklenburg inklusive ihrer essentiellen Schwarzstorch-Lebensräume mittlerweile von dieser Erschließungswelle neuer Seeadlervorkommen betroffen. Inzwischen mussten dort erst jüngst zwei Schwarzstorchpaare ihren Nistplatz räumen, da sich plötzlich die Seeadler < 1.500 m zum Schwarzstorchbrutplatz etabliert haben.



Das Thema WEA spielt für den Schwarzstorch, was die Sicherung und den Schutz der bekannten Brutplätze in M-V betrifft, bislang eine eher untergeordnete Rolle.  Bei der sehr geringen Brutdichte von aktuell 0,04 BP/ 100 km2 in M-V ist es allerdings auch nicht ganz verwunderlich.
Zum Vergleich - in Hessen 0,28 BP/ 100 km2, NRW 0,29 BP/ 100 km2.
Allerdings ist in M-V die Situation insbesondere für den Schreiadler, Seeadler und Rotmilan versus WEA weitaus kritischer zu sehen.
Aktuell liegt beim Schwarzstorch der mittlere Abstand von bestehenden WEA zu den bekannten Brutplätzen in M-V bei 10,3 km (n=23).
Diese stark gefährdete Großvogelart findet in M-V bei laufenden WEA-Planungen unverändert eine besondere Berücksichtigung - die jedoch nicht, wie leider in anderen Regionen Deutschlands bereits geschehen, sukzessive aufgeweicht werden darf (vor allem bei den Restriktionsbereichen = ≥ 6 km Radius zwischen den Brutplätzen und den essentiellen Nahrungsrevieren) !
In einem Sonderfall hat sich für eine Brutsaison ein Schwarzstorchpaar in M-V 1.425 m an einen bereits bestehenden Windpark (dieser steht im Land Brandenburg) genähert. Die Brut verlief in dem Jahr (2011) mit 2 ausgeflogenen Jungen erfolgreich. Allerdings gab das Paar im Folgejahr den Brutplatz sofort wieder auf. Während umfangreicher Beobachtungen fiel 2011 auf, dass die Altstörche den Windpark signifikant gemieden haben. Die Meidedistanz lag im Minimum bei 600 m. Die WEA stellten somit nachweislich eine Barriere zwischen dem Brut- und Nahrungsrevier dar. Hier wird ergänzend deutlich, wie wichtig es immer wieder ist, dass die WEA-Planungen auch länderübergreifend rechtzeitig und umsichtig abzustimmen sind. Beim geschilderten Fall fehlten diese Abstimmungen. 
M-V besitzt im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern beim Schwarzstorch die komfortabel Situation, dass die Abstände für WEA unmissverständlich definiert sind. So zählt als Abstandspunkt zu geplanten WEA nicht das Brutnest - vielmehr ist ein klar definierter Brutwaldrand als Abstandskriterium für die 3 km Tabuzone ausschlaggebend. Und sie ist unverändert als Tabuzone zu behandeln. Denn in anderen Bundesländern (siehe z.B. Bayern), wo vor allem die Errichtung von WEA massiv auf Waldstandorten geplant ist, kommt es zu einer Aufweichung der Tabuzonen mittels überarbeiteter Methodenstandards. Sie werden grundsätzlich nur noch als Prüfradien bezeichnet. Was nichts anderes heißt, dass die WEA plötzlich bis zu 1 km oder in Einzelfällen sogar noch darunter nach einer erfolgten Prüfung (spezielle artenschutzrechtliche Prüfung = saP) zum Schwarzstorchnest heranrücken können!

In Brandenburg sieht im Vergleich zu M-V die aktuelle Lage mit der Errichtung von WEA viel prekärer aus. Besonders in den traditionellen Schwarzstorch-Revieren der Prignitz, Uckermark (hier ist auch der Schreiadler betroffen) und des Spreewaldes kam es in jüngster Vergangenheit zu kompakten WEA-Barrierewirkungen zwischen den Brutplätzen und essentiellen Nahrungsrevieren. Dabei wurden auch wiederholt die 3 km Tabubereiche unterschritten. Das Ergebnis vor Ort spiegelt sich in schlechten Reproduktionszahlen und dem Verlassen der Brutplätze wider (u.a. auch das Verhungern der Jungstörche durch plötzliche Verluste der Altstörche). Hier sind weitere Nachuntersuchungen dringend erforderlich, um aussagekräftiges Material zu sammeln.
Was eindeutig fehlt, sind systematische Untersuchungen vor allem durch objektives und erfahrenes Fachpersonal an solchen Negativ-Hotspots. Aufgrund der hohen Prädatorendichte und der oft dichten Anbaukulturen unterhalb der WEA ist es auch nicht verwunderlich, dass die Dunkelziffer von Schlagopfern bei den gefährdeten Großvogelarten noch immer schwer einzuschätzen ist. Fakt ist - nach der jetzigen Methodik bleiben es Zufallsfunde - für eine abgesicherte Statistik und sachliche Argumentation momentan nicht geeignet!

Dieser Schreiadler wurde als Schlagopfer einer WEA nur durch Zufall im Zuge einer Schlagopfer-Fledermauserfassung des NABU M-V nach erfolgter Getreideernte gefunden.
H. MATTHES fand diesen ad. Schreiadler im Landkreis Vorpommern-Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) am 04.08.13 und fertigte dieses Belegfoto an. Um diese Zeit fliegen die Jungadler gerade aus und werden intensiv von ihren Eltern bis zum Abzug ins Winterquartier (Mitte September) mit Nahrung versorgt! 

Dieser Seeadlerbrutplatz (Feldgehölzbrut) ist seit 2005 besetzt. Inzwischen hat man acht ca. 200 m hohe WEA aufgestellt (Inbetriebnahme 2014). Die WEA stehen genau zwischen dem Brutplatz und wichtigen Nahrungsrevieren. Für den Seeadler fehlte eine umfassende Raumnutzungsanalyse im Planungsgebiet. Besonders bedauerlich, zumal eine WEA nach der Errichtung jetzt innerhalb der 2 km-Tabuzone steht (in M-V wird für den Seeadler seit 2012 nur noch ein 2 km-Tabubereich berücksichtigt). Üblich ist in anderen Seeadler-Bundesländern noch die 3 km-Tabuzone. Aufgrund der optimalen Wetterlage müsste das Paar 2014 bereits sehr aktiv am Nest agieren - bisher fehlen aber diese Aktivitäten. 
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Schwarzstorch-Nestbetreuern in Deutschland herzlich bedanken - insbesondere für die übermittelten Bestandsübersichten und Informationen zu den Verlustursachen 2013:

SH: J. Kock - NI: A. Torkler, H.-J. Kelm  - ST: G. Dornbusch, M. Firla - NRW: M. Jöbges - BB: T. Ryslavy, I. Langgemach, A. Stein, B. Litzkow, T. Blohm, L. Balke, R. Franck - TH: S. Jähne, G. Berwing, R. Sienhold, C. Unger, F. Radon, J. Holzhausen, J. Hiebel, M. Göring, C. Riesmeier, P.H. Staudt - SN: T. Hergott, D. Hergott, U. Augst, H. Trapp - RP: K.-H. Heyne, A. Kunz, T. Weber, S. Twietmeyer, N. Roth, M. Becker, T. Loose, M. Braun, H.J. Wagner, H. Weitz - HE: W. Schindler, A. Rockel, I. Hausch, T. Gröbel, D. Stahl, T., J. Burkard, P. Limpert, M. Schales, J. Weise, M. Hormann - SL: C. Braunberger -  BW: G. Maluck, G. Heine, D. Schmidt - BY: D. Scheffler, H. Farkaschovsky, R. Mayer, C. Kelle-Dingel, Anne Schneider, K. Höltke, G. Lein, E. Starringer - MV: E. Schreiber, A. Ritter, H. Eggers, D. Winkelmann, R. Rusnak.

Ich bitte um Nachsicht, wenn ich nicht alle Personen benannt habe.