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Wednesday, November 12, 2014

Der Schwarzstorch im Frankenwald 2012 -2014

Der Frankenwald, ein homogenes und zugleich dünn besiedeltes Waldareal mit einem bemerkenswerten Fließgewässernetz im nördlichen Oberfranken, beherbergt zweifelsfrei den derzeit größten Schwarzstorch-Brutbestand in Deutschland.

Klare und sauerstoffreiche Fließgewässer mit einer entsprechend hohen Gewässerstrukturgüte - ein Qualitätsmerkmal der Bäche im Frankenwald. Beachte auch hier die extensiv genutzte Talwiesenseite, diese wird regelmäßig von Schwarzstörchen als Ruhe- und Nahrungszone aufgesucht (u.a. Amphibien- und Großinsektenjagd). Wichtige Bausteine für intakte und stabile Schwarzstorch-Lebensräume. Aber auch im Frankenwald kann man noch an verschiedenen Bachabschnitten kostengünstige Revitalisierungen initiieren.
Von 2012 - 2014 sind im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, der Bayerischen Staatsforsten und des LBV große Teile des Naturparks "Frankenwald" (Landkreise Kronach, Hof und Kulmbach) umfassend untersucht worden, um somit wesentliche Informationen über den Zustand, das Verbreitungsbild und die Bestandsentwicklung dieser bemerkenswerten Schwarzstorch-Population zu erhalten.
Mein besonderer Dank geht an Frau Cordula Kelle-Dingel aus Pressig-Rothenkirchen, sie hatte die Idee und ergriff parallel die Initiative, um den Schwarzstorch-Bestand im Frankenwald näher unter die Lupe zu nehmen. Sie betreut bereits seit Jahren mit viel Engagement im Landkreis Kronach mehrere Schwarzstorchreviere.

Hervorzuheben war die Tatsache, dass die Erfassungen in Teilbereichen bereits im Vorfeld anskizzierter WEA-Projekte im nördlichen Oberfranken begonnen haben.

Die vorliegenden Erfahrungen und teils angerissenen Teilergebnisse dienen in erster Linie als Hilfestellung und Anregung - dies zugleich für laufende und angedachte WEA-Projekte in den bewaldeten Mittelgebirgsregionen Deutschlands.

Es war die Optimal-Lösung - zunächst eine gezielte Flächenkartierung durch Spezialisten vorzunehmen und dann erst - in einem zweiten Schritt - das Reißbrett für WEA-Projekte aus der Schublade zu holen.
Hinzu kommt ein nicht unwesentlicher wirtschaftlicher Aspekt bei laufenden WEA-Projekten - es können immense Kosten durch solche vorangehenden Flächenkartierungen eingespart werden.

 
Charakteristischer Schwarzstorch-Lebensraumausschnitt des Frankenwaldes im Landkreis Kronach. Hier der Blick auf DAS Top-Gebiet des Schwarzstorchs in Deutschland. Die kleinparzellierten Acker- und Grünlandflächen im Vordergrund beherbergen zudem u.a. noch beachtliche Siedlungsdichten von Bodenbrütern dieser kuppigen Agrarlandschaft (600 m ü.NN). Ein Genuss, wenn man mehr als 8 Stunden am Standort beobachtet und die Feldlerchen einen mit ihren unermüdlichen Gesängen den Tag versüßen. Alleine im Umfeld dieses Checkpoints gab es mehr als 15 sM dieser inzwischen stark abnehmenden Kleinvogelart zu bestaunen. Der stumme Frühling hat im Vergleich zu weiten Teilen Deutschlands zumindest hier im offenen Bergland noch keinen Einzug gehalten. Dennoch haben es auch die Kleinbauern in Oberfranken zunehmend nicht einfach, da die Daumenschrauben für eine ökologisch orientierte Landwirtschaft in dieser eher unwirtlichen und dünn besiedelten Region schon längst von Brüssel aus betätigt werden.....
Weitere Begleitarten - wie Wespenbussard, Habicht, Sperber, Turmfalke, Schwarz- und Grauspecht, Fichtenkreuzschnabel, Sperlingskauz & Co. - sind zu nennen.
Was dem aufmerksamen Betrachter nicht entfallen sein wird: keine WEA über den Bergrücken und  auch nicht am Horizont in Sicht! Nach den jüngsten Ergebnissen ohne Frage ein wesentliches Qualitätsmerkmal für die Etablierung einer solch reproduktionsfähigen und stabilen Schwarzstorch-Population - also einer waldbewohnenden Indikator-Großvogelart in Deutschland. 
Von diesem Checkpoint aus kann man fünf besetzte Brutplätze im Luftraum kontrollieren. Auf diesem Messtischblatt (hier ca. nur ein Viertel zu sehen) brüten 12 Schwarzstorch-Paare (das stellt den gesamten Brutbestand von Mecklenburg-Vorpommern dar!). Bereits die permanent registrierten Interaktionen und Nahrungsflüge dieser Schwarzstorch-Teilpopulation disqualifizieren Planung und Umsetzung von WEA-Projekten im Wald und Offenland.
Männlicher Fichtenkreuzschnabel - die Art zählt zu den Charaktervögeln des Frankenwaldes.
Männlicher Grauspecht - ein treuer Begleiter in den abwechslungsreichen Randbereichen des Frankenwaldes.
Arbeitsalltag im Frankenwald - die Hauptbachtäler sind mit vielen kleinen Seitentälern vernetzt. Die Erfassung gestaltet sich in diesen fließgewässerreichen und topographisch anspruchsvollen Mittelgebirgsregionen oft sehr kompliziert. Inzwischen verändert sich das Waldbild in Teilregionen des Frankenwaldes und die Rot-Buche übernimmt auf einigen Standorten das Zepter (im Bild rechts auf dem Höhenrücken schön zu sehen). 
Ein Brutstorch kurz vor dem Landeanflug, hier beäugt er noch einen Fremdstorch im Luftraum. Beachte das leuchtend "weiße Blatt" (so nenne ich persönlich das Flaggen beim Schwarzstorch - das Flaggen, so wie wir es ja vom Habicht oder Sperber bei der Flugbalz bereits kennen).
Klar machen zur Landung - das Fahrgestell wird ausgefahren, einhergehend mit dem charakteristischen Flaggen (Fallschirmhaltung) - die weißen Unterschwanzdecken werden dazu weithin sichtbar gespreizt - für "Freund" und "Feind".
Traditionelle Heuernte im Frankenwald - solche Hangwiesen stellen wichtige und unzerschnittene Refugien auch für den Schwarzstorch dar - sie vervollständigen das Puzzle ökologisch wertvoller Lebensräume in der Kulturlandschaft!
Männlicher Brutstorch scannt die Lage....
Eins hat sich in den letzten Jahren für den Schwarzstorch in Deutschland deutlich herauskristallisiert: die bei den Landesbehörden vorhandenen Schwarzstorch-Daten, sie werden inzwischen von den Planungsbüros häufig angefordert, sind nicht selten unvollständig und daher nur bedingt als Arbeitsgrundlage für WEA-Planungen verwertbar. Dies bezieht sich vor allem auf die waldreichen Regionen in Mittel- und Süddeutschland. Dort, wo also die umfassende Errichtung von WEA in Wäldern geplant ist - bzw. aber auch dort, wo sie leider bereits umgesetzt wurde.

Auf einer Untersuchungsfläche von 925 km2 ließen sich mehr als 70 sicher besetzte Schwarzstorch-Reviere den jeweiligen Örtlichkeiten sauber zuordnen. Diese äußerst bemerkenswerte "Frankenwald-Population" beherbergt in der Tat mehr als 10% des aktuell bekannten Schwarzstorch-Bestandes in Deutschland!
In den Kernbereichen des Frankenwaldes wurden jüngst für Deutschland und Mitteleuropa einmalige Siedlungsdichten von 9,2 BP/ 100 km2 ermittelt.
Distanzen von 1-2 km zwischen zwei erfolgreich besetzten Schwarzstorch-Nestern stellen im Frankenwald keine Seltenheit dar. Benachbarte Paare nutzen regelmäßig gemeinsam die kleinfischreichen Fließgewässerabschnitte. Im angrenzenden Thüringen und weiteren Regionen Deutschlands wird es ähnliche Konstellationen geben, die bisher aber unbeachtet blieben.

Lage des Untersuchungsgebietes in Oberfranken.

Wichtige Anmerkungen zur Statusangabe "sicheres Revierpaar/ Brutrevier" als Grundlage für die Revier-Erfassungen in bewaldeten Mittelgebirgsregionen (primär Ansitzmethodik):
  • Filterung der gezielten Anflüge des Paares (Balz- und Synchronflüge) von März bis Anfang Mai (typische Nestanflüge)
  • Anflüge mit nachfolgender Brutablösung, der Brutpartner kommt u.a. nach der Ablösung sichtbar mit Brutfleck aus dem Revierbestand (Brutnachweis) - mit entsprechender Erfahrung sichtbar
  • Fütterungsanflüge, der Altstorch fliegt gezielt mit zum Teil sichtbar gefülltem Schlund den Nistplatz an - mit entsprechender Erfahrung sichtbar
  • Abflüge nach der Fütterung - auch hier zeigt ein ganz spezielles Verhalten der Altstörche diesen Status - spezielle Erfahrungen sind erforderlich
  • bei mehr als 10 Stichproben konnten mithilfe der o.g. Hinweise die entsprechenden Brutnester zügig gefunden werden (ein 2. Schritt, welcher aber aus Zeitgründen nicht flächendeckend umsetzbar ist)
  • ferner sind Revierpaare betroffen, die z.B. bis Mai/ Juni zunächst ihren Brutplatz besetzt haben, dann aber im weiteren Verlauf bedingt durch Brutaufgabe/ Störungen ihr Revier nachfolgend verlassen haben - diese werden ebenso als sicheres Revierpaar geführt
Eine typische Situation im Frankenwald - der Schwarzstorch brütet im Hangwald, unterhalb befindet sich ein 1A-Fließgewässer. Die Schwarzstorch-Erfassung in Fichtenwäldern gehört in der Tat zur "Hohen Schule". Oft sind es nur schwer zugängliche Bestände mit tückisch einsehbaren Beständen. Hier geht es nur über die Ansitzmethode, man tastet sich von Seitenhang zu Seitenhang an den Bereich heran. Ausgangspunkt war auch hier zunächst ein über 4 km entfernter Checkpoint. 
Regional etablierte Schwarzstorch-Populationen charakterisieren sich durch:
  • Brutpaare mit einem festen Brutplatz - in der Regel ohne Störungen und wiederholt erfolgreichen Bruten - ansonsten auch Nutzung eines Wechselnestes möglich, solche Paare erkennen ihre essentiellen Nahrungsplätze aus der Vorjahren (sind eingescannt!).
  • Brutpaare mit einer abgebrochenen bzw. gestörten Brut - sie vagabundieren nachfolgend im Umfeld umher, bauen ggf. noch im Sommer (Juli/ August) ein neues Nest, was sie dann nicht selten im Folgejahr beziehen - sie sind regelmäßige Nahrungsgäste an geeigneten Nahrungshabitaten (Statuszuordnung dann oft kompliziert).
  • Revierpaare mit einem festen Revier - solche Paare finden sich erst im Verlauf der Brutzeit zusammen (Neuverpaarung), schreiten nicht mehr zur Brut, führen dennoch Revierflüge durch, sondieren zusätzlich das Umfeld auf taugliche Nahrungsgründe und besuchen regelmäßig besetzte Nachbarreviere.
  • Revierhaltende Einzelstörche/ Nichtbrüter (oft K2 oder K3 Störche), besetzen nicht selten erst Ende April/ Anfang Mai ein "Revier," stören mitunter das Brutgeschäft benachbarter Brutpaare - nutzen regelmäßig die selben Nahrungsreviere und wandern nicht selten bereits Anfang/ Mitte Juli aus den "Revieren" wieder ab.
Es bedarf folglich einer umfassenden Kenntnis zum Verhalten des Schwarzstorches, um derartige Nuancen einer oft sehr kurzzeitigen Schwarzstorchbeobachtung zu erkennen und die nötigen Zusammenhänge abzuleiten.

Schwarzstorchnester auf Fichten besitzen längst nicht die "Knüppelburg-Strukturen" und den Unterbau - wie man sie z.B. von Eichen- oder Buchenstandorten kennt. Vielmehr kommen dünnere Reiser öfter zum Einsatz - oft lesen die Brutstörche dabei ihr frisches Nistmaterial (Äste, Moos, Grassoden) keine 50 m vom Nest am Hang auf. Die Gesamtstruktur und die Lage im Baum überführen dann aber in der Regel den Waldstorch als Ingenieur.  Jedoch gibt es aus hier, besonders auf alten Wipfelbrüchen, mitunter schwierig zu ermittelnde Baumeister ohne gelben Helm.
Negativ-Beispiel im Landkreis Hof auf der TK5736 - am Ansitztag, dem 20.05.14 frequentieren 5 x unmittelbar angrenzende Brutstörche die im Bau befindlichen WEA, um in ihre Nahrungsgründe im Selbitztal zu gelangen. Der im Bau befindliche Windpark tangiert zwei besetzte Brutplätze vom Schwarzstorch! Die WEA liegen inmitten der Flugschneisen und Thermikplätze...
Wer hat denn hier die Kartierungen (saP) durchgeführt? - Bereits ein erster Blick ins Landschaftsbild inkl. der Habitat-Ausstattung verbietet vorab die Errichtung solcher WEA im Wald!


So muss beispielsweise ein erfahrener und ausgewiesener Schwarzstorch-Spezialist bei guten Beobachtungsbedingungen frühzeitig feststellen können:
  • ob es sich um einen brutreifen Altstorch handelt - in der Regel brüten Schwarzstörche ab dem 4. Kalenderjahr (K4), können aber auch schon im K3 erfolgreich brüten - der Kartierer muss daher die sichere Ansprache des Alters zwischen dem K2 und K3 inkl. deren Mauserzyklen beherrschen;
  • ob z.B. beide Störche wirklich ein Paar im Luftraum bilden, nicht selten kommt ein Fremdstorch zum Revierpaarinhaber und fliegt mit einem dieser Revierinhaber teils auch länger im vermeintlichen "Synchronflug" (Obacht!) - täuscht also ein Paar an falscher Stelle vor;
  • z.B. welcher Altstorch bei gleichzeitig drei kreisenden Altstörchen im Luftraum der Fremdstorch ist;
  • ob der Altstorch beispielsweise zur Brutablösung fliegt/ oder kommt;
  • ob der Altstorch beispielgebend eine gezielten Fütterungsanflug durchführt/ oder von der Fütterung kommt und wieder auf Nahrungssuche geht;
  • ob der Altstorch als Nichtbrüter einzustufen ist - usw.....
Klassische Ansitz-Situation im Frankenwald - Remmidemmi im Revier. Nicht selten tauchen plötzlich 4-6 Schwarzstörche (alles Brutstörche!) über dem Checkpoint auf. Höchste Konzentration, wer flaggt wie, welcher Reiherhals-Storch begleitet wen usw. Aber ab 8 Schwarzstörchen - und das kam vor - kannst du deinen Kram einpacken und Kaffee trinken gehen.... Beachte auch immer wieder markante individuelle Mauserlücken in den Hand- und Armschwingen. Es gibt einige Tricks und Kniffe, um die schwarzschillernden Kobolde doch noch ausfindig zu machen - oder salopp genannt, sie etwas auszutricksen.
Die fachlichen Anforderungen liegen demzufolge speziell bei der Erfassung von Schwarzstörchen (Reviererfassung, Raumnutzung, Nestsuche etc.) für einen delegierten Kartierer sehr hoch. Sie werden regelmäßig unterschätzt! 
Wegweisende Referenzabfragen an der Kartierer/ Büro z.B. bei anstehenden Raumnutzungsanalysen werden zudem von den zuständigen Fachbehörden immer wieder versäumt.

Hochnebelbänke und tiefe Wolkenlagen treten nicht nur während einer Schlechtwetterperiode in den Mittelgebirgslagen auf. Das Foto veranschaulicht noch einmal stellvertretend die trügerischen Sichtverhältnisse mit den lokal "eingehüllten" Rotorblättern. Dieser ergänzende,  jedoch wesentliche Aspekt zum Kollisionsrisiko mit WEA wird gerne bei Avifaunistischen Gutachten vernachlässigt.
Dieses fütternde Brutweibchen mit dem Farb-Kennring "CH47" wurde 2008 nahe Lamarche im östlichen Frankreich nestjung beringt. In der Brutsaison 2014 verpaarte es sich im Frankenwald (Landkreis Kronach) mit einem unberingten Männchen. Der aktuelle Ansiedlungsort dieser hübschen Französin in Oberfranken liegt beachtliche 480 km nordöstlich vom ursprünglichen Geburtsort in Frankreich entfernt.
Eine zunehmend essentielle Aufgabe der Nestbetreuer wird die umsichtige Brutplatzkontrolle sein, um so ggf. beringte Altstörche festzustellen und ihre Farb-Kennringe abzulesen. Nur mithilfe solcher beringten Altstörche, sie werden zukünftig an den Brutplätzen Deutschlands deutlich zunehmen, können wir wichtige Hinweise zum Ansiedlungsverhalten europäischer Schwarzstörche herausfinden.
Eine passender Zeitraum für solche "Ringkontrollen" stellt die Fütterungsphase der fast flüggen Jungstörche dar (siehe obige Abbildung). Aber auch im März, wenn die Störche noch vor dem Brutbeginn gemeinsam auf dem Nest stehen, können aus größerer Entfernung die Störche mit dem Spektiv gezielt nach Kennringen gemustert werden. Spätere Nachkontrollen für eine gezielte Ringablesung  sind dann immer noch möglich. 
Oft gibt es auch schon erste Hinweise, wenn plötzlich in der Feldflur oder an den Nahrungsplätzen beringte Schwarzstörche zur Brutzeit gesehen werden.
Alleine im Frankenwald konnten 2014 bei Stichproben an fünf Plätzen von insgesamt 12 (alles Nadelwaldstandorte) beringte Brutstörche festgestellt werden!
Neben dem Fund einer Französin gab es noch zwei beteiligte Brutstörche aus der Tschechischen Republik und zwei beringte Störche unmittelbar aus Oberfranken!

Ein beringter weiblicher Störenfried aus Oberfranken (links) - dazu ein inzwischen fest etabliertes Paar auf dem Kiefernnest mit einem ebenso beringten tschechischen Weibchen rechts im Bild.
Dieses 2010 nestjung im Landkreis Hof beringte Weibchen (der Störenfried von oben) versuchte im Jahr 2014 nur 18 km vom Geburtsort entfernt ihr Glück mit einer eigenen Brut - das Problem - es gab ein weiteres beringtes Weibchen aus der Tschechischen Republik, welches sich am Platz schließlich durchgesetzt hat. Diese "reifere" tschechische Dame wurde 2005 nestjung in Böhmen beringt, ihr Geburtsplatz lag auch nur 40 km vom ausgewählten Brutplatz auf dem Foto entfernt.
Dank der gezielten Beringung nestjunger Schwarzstörche ein wunderschönes Beispiel zum Dispersalverhalten unserer mitteleuropäischen Waldstörche.
Auch in Fichtenbeständen lassen sich Lücken zur ungestörten Nestkontrolle finden. Man benötigt allerdings Zeit und Geduld, um maßgeschneiderte Standorte zu finden. Darauf einen frischen Strahl weißer Wandfarbe.....

Intakte kleinfischreiche Fließgewässer - die Lebensader unserer Schwarzstörche. Den Rotkehlchen gefallen sie natürlich auch....
Den Vater ("T7F") dieser im Jahr 2014 beringten 4er-Bande aus dem Frankenwald habe ich 2009 in nur 2 km Entfernung ebenso nestjung beringt.
Das Glück des Tüchtigen - mit etwas Bayern-Dusel stolpert der emsige "Waldläufer" auch mal über solche Leuchtbojen....inmitten dichter Fichtendickichte...


Hier wurde kein Möhrenbrei angerührt - die orangerote Schnabelfärbung der drei Jungstörche auf dieser Weißtanne ist als ein besonderes Qualitätsmerkmal zu verstehen. Die Ursache für diesen markanten Carotin-Einfluss lässt sich im Bachbett naturnaher Fließgewässer des Frankenwaldes finden. Wenn sich die Bachflohkrebse in besonders hoher Dichte vermehren, dann tanzt die Bachforelle - ja und dann freut sich aber der Storch ganz besonders - diese knallige Schnabelfärbung zeigt schließlich das Endprodukt einer gesunden Nahrungskette. Einfach genial!
Die immer wieder sehr löchrige Schwarzstorch-Erfassung und dessen Methodik lässt sich für weite Teile der Mittelgebirgslagen auch nahtlos auf den Odenwald übertragen. Dort konnten 2014 im Grenzterrain zwischen Baden-Württemberg und Hessen bei kurzen Stippvisiten gleich vier besetzte Reviere notiert werden. Auch hier geht es um die Thematik einer Windenergieplanung im Wald. Mindestens drei Revierpaare nutzen das Planungsgebiet als Nahrung- und Thermikareal. Bereits das folgende Luftbild verrät die Problematik.

Aktuelle Situation im Hohen Odenwald - die geplanten WEA stehen inmitten zweier essentiell erschlossener Fließgewässerbereiche des Schwarzstorchs. Perfekte Hanglagen zum Thermikaufbau im Planungsgebiet werden u.a. regelmäßig vom Schwarzstorch und Wespenbussard genutzt. Im Gebiet tangieren regelmäßig drei bis vier Schwarzstorchpaare den geplanten Windpark. Für den Odenwald liegen weitere umfangreiche WEA-Planungen vor - über das Verbreitungsmuster des Schwarzstorchs im Odenwald hingegen ist unverändert nur sehr wenig bekannt.
Mit dem Schwarzstorch und Wespenbussard sind gleich zwei windkraftsensible Großvogelarten im Hohen Odenwald (Baden-Württemberg) von den WEA-Planungen betroffen. Hier kreisen beide Arten gemeinsam im Sommer 2014 über dem Planungsgebiet des Markgrafenwaldes (Belegaufnahme vom 07.07.2014).
Anmerkung: sämtliche Bilder und Daten des Aufsatzes können ohne eine entsprechende Genehmigung/ Zusage des Autors nicht verwendet bzw. veröffentlicht werden.