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Die Tüpfeladler-Saison 2018, eine erneute Berg- und Talfahrt....

Bevor ich die Ergebnisse der diesjährigen LSE-Saison kurz vorstelle, möchte ich die nachfolgenden Zeilen,  gerichtet am 10.11.18 an das...

Wednesday, October 03, 2018

Die Tüpfeladler-Saison 2018, eine erneute Berg- und Talfahrt....

Bevor ich die Ergebnisse der diesjährigen LSE-Saison kurz vorstelle, möchte ich die nachfolgenden Zeilen,  gerichtet am 10.11.18 an das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV (LUNG MV), zur Kenntnis geben:

"Liebe Freunde des glänzenden Großvogelgefieders,

nach wirklich sorgfältiger Abwägung leite ich meine Sichtweise zum gegenwärtigen Großvogelschutz in der Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns als erwünschten Wachrüttler in die Runde….
Aufgrund einer für mich nicht länger annehmbaren Zusammenarbeit mit dem LUNG MV und der Projektgruppen-Leitung im Großvogelschutz - möchte ich meine bisherige Betreuer-Tätigkeit auf der Ebene des Ehrenamtes beenden.  
Meine Mission als ein über drei Jahrzehnte agierender Großvogelschützer in den Wäldern von MV findet, was die Zusammenarbeit mit dem LUNG und der Projektgruppe (inkl. Koordinatoren) betrifft, hiermit einen sauberen Abschluss.
Anhand zweier (symptomatischer) Beispiele möchte ich kurz begründen, warum eine (bis zum Schluss immer noch erhoffte) vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem LUNG MV (welches unverändert die verantwortungsvolle Großvogelschutz-Projektgruppenleitung inne hat) und meinem aktiven Ehrenamt - aufgrund wiederkehrender Zerreißproben nicht mehr standhält.  

Beispiel 1 - Der nachlässige Umgang mit sensiblen Beringungsdaten des Schreiadlers: 
Als Vorlage dient eine Auswertung von sensiblen und äußerst aufwendig erarbeiteten Beringungsdaten des Schreiadlers in MV:
http://www.oamv.de/literatur/beringungs-analyse.html
Leider habe ich diesen Aufsatz erst jetzt im Archiv der OAMV entdeckt. 
Es handelte sich um einen vom LUNG ausgelobten Werkvertrag (2013) mit zwei Mitgliedern der OAMV - was zunächst auch nicht verwerflich erscheint. 
Veröffentlicht/ vorgelegt wurde diese Arbeit zum Thema "Analyse von populationsökologischen Parametern, Wanderbewegungen und Todesursachen von Vogelarten in Mecklenburg-Vorpommern anhand von Beringungs- und Wiederfunddaten der Beringungszentrale Hiddensee“  Anfang 2014. 
Hierbei werteten die Autoren zur oben genannten Thematik bei den Greifvögeln auch die Beringungsdaten des Schreiadlers bis einschließlich 2012 für MV aus. 

Persönlich stellt für mich die Art und Weise, wie das LUNG als Auftraggeber der Studie nicht einmal im Ansatz das aktive Ehrenamt über das Vorhaben, Inhalt und Umsetzung informierte, einen groben Vertrauensbruch hinsichtlich des Ehrencodex für die in MV ehrenamtlich tätigen Schreiadler-Beringer dar. 

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass wir Beringer ein entsprechendes Schreiadler-Beringungsprojekt für Deutschland in Abstimmung mit der Leitung der europäischen Schreiadler-Gruppe initiierten, ferner die Schreiadler-Kennringe privat finanzieren und die teils im Aufsatz bereits aufgeführten Wiederfundmeldungen über aufwändige Recherchen überhaupt erst ermöglichten. 
Ganz zu schweigen von den jährlich strapaziösen Jungadler-Beringungsaktionen und dem Betreuungsaufwand mit den Adlern (siehe u.a. Altersangaben zu „Panni“ ) ! 
Diese in der o.g. Studie verwendeten Daten wurden ohne finanzielle Zuschüsse per Ehrenamt von uns teuer für das LUNG nebst Beringungszentrale erarbeitet (und nicht von den Autoren). 
Wir hätten sehr gerne selber gemeinsam so eine Auswertung vorgenommen - Gut Ding will Weile haben, aber das zählt schon lange nicht mehr...

Eine saubere Watschen ins Gesicht des Ehrenamtes - Prinzipien sollten gefragt sein und nicht Profilierungen !

Beispiel 2 - Die Projektgruppe Großvogelschutz MV (hier insbesondere mit Anmerkungen zum Schreiadlerschutz):

Das LUNG setzt seit geraumer Zeit seine ehrenamtlich tätigen Schreiadler-Betreuer aktiv ein, um so vor allem den gesetzlich vorgeschriebenen Nestschutz mittels strategischer Hilfsmittel umzusetzen und folglich auch zu „managen“. So werden zunehmend anstehende Aufwendungen für das LUNG clever vermieden.

In diesem Zusammenhang werden die Betreuer wiederholt zu fachlichen Schutzfragen kontaktiert, um letztendlich im Ergebnis offen gebliebener Probleme mittlerweile unzählige Termine mit den Eigentümern und Nutzungsberechtigten im Revier zum Brutplatzschutz an Ort und Stelle wahrzunehmen und für das LUNG zu klären. 

Beispielsweise fanden heuer für nur zwei Brutreviere bereits neun aufwändige Termine zur Thematik Fichten-Borkenkäferbefall mit der Forst vor Ort statt. 
… Und nur so konnten diese beiden Paare überhaupt erfolgreich brüten…. 
Der erbrachte Zeit- und Arbeitsaufwand (abermals ohne Zuschuss) war folglich immens - Tendenz steigend… !
Des Weiteren folgen immer wieder zeitintensive Nachsuchen bei einem Schreiadler-Brutplatzwechsel im Revier. Auch hier erhöhte sich der personelle Aufwand im Verlauf der letzten 5 Jahren bei den Betreuern spürbar.
Auch Fragen zur WEA-Problematik sind möglichst zeitnah und ehrenamtlich für das LUNG zu beantworten… 
Ein Teil der Betreuer scheint inzwischen überfordert und resigniert.
Für das LUNG inzwischen aber ein Prozedere der Selbstverständlichkeit.
So weit, so gut!
Aber was passiert nun eigentlich mit diesem zum Teil mühsam erarbeiteten Datenpool  - wird er überhaupt gebührend berücksichtigt, eingepflegt und sauber ausgewertet (ich meine ausdrücklich nicht die Ergebnisse/ Auflistungen zum Brutgeschehen, die werden ja per Diagramm vom LUNG auf Kosten des Ehrenamtes jährlich zelebriert...)? 
Folgen anschließend gezielte Auswertungen - die Einfluss auf eine (immer noch erwünschte) effektivere und praxisorientierte Schutzstrategie nehmen? Fehlanzeige...
Ich erinnere nur an die fachlichen Zuarbeiten über zwingend erforderliche Änderungen beim befristeten Brutzeitfenster-Nestschutz des Schreiadlers innerhalb der HSZ II.
Nach einem kurzen Auflodern verlief alles wieder im Sand…..symptomatisch.
So sieht jedenfalls keine faire Behandlung/ Zusammenarbeit der per Ehrenamt umfangreich erbrachten Daten, Ergebnisse und Vorschläge aus.

Mit Verlaub, welchen konstruktiven Beitrag leistet gegenwärtig eigentlich das LUNG noch einmal zum Großvogelschutz in den Wäldern von MV? 

Eine desaströse Personalpolitik im LUNG, insbesondere im Bereich des Großvogelschutzes (nicht einmal eine ganze Arbeitsstelle steht dort zur Verfügung), wird abermals auf den Schultern des Ehrenamtes ausgetragen und schließt einen mit Narben der Enttäuschung versehenen Kreis. 
Wo steht eigentlich eine Staatliche Vogelschutzwarte in MV und die gewünschte Unterstützung zur Umsetzung der EU-VSRL per Managementplanung für solch essentielle Arten (UNB und StALU sind hier mit von der Partie).
In BB, SN, TH und ST arbeitet zumindest Fachpersonal (mind. 2-3 Personen) in den dort jeweils bestehenden Staatlichen Vogelschutzwarten u.a. an der Thematik. 
Hier in MV rumpelt aber eine halbe LUNG-Arbeitsstelle als fiktive Vogelschutzwarte gemeinsam mit dem Ehrenamt durch das tiefe Tal des Großvogelschutzes. 

Wie wird mit den durch das Ehrenamt gemeldeten Verstößen zum Nestschutz beim Schreiadler in MV verfahren (wenn sie überhaupt noch gemeldet werden….)? 

Die Erarbeitung dieser in der Regel akkurat erstellten Dokumentationen kostet uns Betreuer jährlich abermals sehr viel Zeit und Engagement ! 
Beispielsweise meldete ich im Laufe der letzten 10 Jahre alleine beim Schreiadler über 30 solcher Verstöße dem LUNG. 
Nicht ein Vorgang wurde so zufriedenstellend abgearbeitet, dass ich einen ordnungsgemäßen (schriftlichen) Rücklauf erhalten habe.
Wurden die Verursacher überhaupt mit einem Bußgeld belegt, wenn ja, wie hoch, wie hoch war der Anteil usw.  …… ??
Schweigen im Wald und das bei weiter zunehmenden Verstößen gem. § 23 NatSchAG M-V. 
Und welche Funktion üben eigentlich noch einmal unsere Landes- und Regionalkoordinatoren des Schreiadlers in MV aus ? 
Sollen sie nicht ebenso aktuellen Problemen nachgehen, sie koordinieren, an das LUNG zeitnah herantragen und somit für die Betreuer ein transparentes Bindeglied darstellen…?

Und wenn jetzt auch noch der neue Leiter der Beringungszentrale (verantwortlich für die Beringer der fünf ostdeutschen Bundesländer !) unverändert diese Großvogelschutz-Projektgruppe in MV leitet, dann frage ich mich ernsthaft, wie das im Sinne eines erfolgreichen Großvogelschutzes in MV überhaupt noch funktionieren soll……

Leidenschaft, Intuition und kostbare Zeit setzte ich zukünftig an anderer Stelle ein….!

PS. Mir geht es keineswegs um irgendwelche persönliche Abrechnungen - im Gegenteil - es betrifft das Ganze und da wackelt das Fundament gewaltig und offenbart, möglicherweise aber auch wieder nur für mich, das ganze Dilemma !?"

Carsten Rohde

Flügger Jungadler namens "Tajo" mit Bettelrufen, Peenetal-Landschaft, 08. September 2018.

Schreiadler-Weibchen "Lotte" putzt sich nach der Fütterung nur unweit vom Nest, Mecklenburgische Schweiz, 20. Juli 2018.

Schreiadler-Weibchen "Lotte" nach der Fütterung nur unweit vom Nest, Mecklenburgische Schweiz, 20. Juli 2018.

Viele interessante Neuigkeiten/ Ergänzungen zum Verhalten einer kontinuierlich untersuchten Schreiadler-Teilpopulation fanden im Verlauf einer wiederum sehr abwechslungsreichen und inzwischen abgelaufenen Brutsaison große Aufmerksamkeit und gebührenden Platz im Notizbuch...... und somit auch bei den nachfolgenden Auswertungen.

Weit über 1.300 Ansitz-/Beobachtungsstunden mit über 1.200 Schreiadler-Sichtungen gaben den Ausschlag für ein weiteres wesentliches Puzzle-Teil, um so das Gesamtbild der fortbestehenden Verhaltensstudien über diese faszinierende Adlerart zu vervollständigen. 

Augenblicklich, wenn diese Zeilen geschrieben werden, wird das Gros unserer europäischen Schreiadler-Population unterdessen das Territorium von Israel passiert haben.
Während einer zurückliegenden Ära als Greifvogel-Zähler im "Northern Valley" lag der sogenannte LSE-peakday zwischen den Jahren 2000-2010 in der Regel zwischen dem 01. - 10. Oktober.
Den persönlichen und ultimativen LSE-peakday gab es am 02. Oktober 2005 zu bestaunen... als innerhalb von nur zwei Stunden zusammen 20.304 Schreiadler zwischen 11:12 Uhr bis 13:10 Uhr Ortszeit meine "station" unweit von Elroi-Tivon gen Süden passierten (ganztägig waren es hier 22.661 Ind.). 
An diesem peakday zogen in der Summe 52.256 Schreiadler durch dieses Valley, dies über zehn aneinander gereihten und besetzten stations.

Hier eine Zusammenfassung der Protokolle vom 02. Oktober 2005 während der SPNI-Greifvogelzählung im Norden von Israel. Solche Tage und Eindrücke bleiben unvergessen, wenn insbesondere in nur zwei Stunden mehr als 20.000 Schreiadler über die damals noch volle Haarpracht fliegen.......
Neugierig schaut ein Jungadler durch das Blattwerk einer Birke. Er lauschte zuvor dabei sehr aufmerksam meinen Kjück-Lockpfiffen. Der Standort gehört wieder einmal zu einem neu gefunden Brutplatz in Ostvorpommern. Dieses Foto spiegelt ferner das Ergebnis eines 12-stündigen Tagesansitzes wider und war gleichzeitig der Lohn für eine umsichtige und gezielte Nachsuche, Ostvorpommern, 16. August 2018.
Neben einem erfolgreichen (flüggen) Jungadler-Nachweis ist es im Brutrevier besonders elementar, den dazugehörigen neuen Nistplatz (ggf. Wechsel-Nest) parallel ausfindig zu machen. Nur so kann ein wirkungsvoller Brutplatz-Schutz mithilfe der gesetzlich vorgeschriebenen Horstschutz-Zonen und ausgewiesenen Schreiadler-Schutzareale in MV dementsprechend seine Anwendung finden (hier insbesondere Forst-, Jagd- und Windkraftplanungen).  
Dieses vom Schreiadler errichtete und standorttypische Eichen-Nest wurde während einer gezielten einstündigen Nachsuche im Bestand gefunden. Es befand sich 250 Meter vom Fotostandort des "Blattwerk-Jungadlers" entfernt, Ostvorpommern, 16. August 2018.
Im Jahr 2018 wurden weit über 50 Schreiadler-Brutreviere und damit fast die Hälfte der Gesamtpopulation in MV gecheckt, da parallel noch Untersuchungen zum Dispersal gelaufen sind.

Von 38 näher kontrollierten LSE-Revieren in 2018 gab es 34 Reviere mit einer sicheren Besetzungen zu verzeichnen - von diesen ließen sich wiederum 30 Brutpaare ableiten (BPa= Brutpaare mit bekanntem Nest anwesend) und 4 Revierpaare (RPa= Revierpaar anwesend, Nest nicht bekannt).
25 Paare schritten von den 30 BPa schließlich zur Brut und am Ende der Saison flogen 13 Jungadler erfolgreich aus (Fortpflanzungsziffer für diese MV-Teilpopulation = 0,43/ BPa bzw. 0,38/ BPa + RPa). 
Zum Deutschland-Vergleich: im Bundesland Brandenburg brüten gegenwärtig annähernd 25 Paare und in Sachsen-Anhalt aktuell 1-2 Paare.

Schreiadler-Männchen "Herkules II" beim Beutesturzflug - vorangegangen war ein längerer Ansitz auf einer Solitär-Weide (siehe nachfolgend drei Kleinbilder unten). Der Adler flog dabei vom Startplatz nach Gehör, um die Beute im bereits hohen Gras überhaupt noch zu orten, Mecklenburgische Schweiz, 01. Juni 2018.



Schreiadler-Männchen "Lars" meldet sich zu Wort...., da ein Fremdadler den Brutplatz unmittelbar überfliegt, Mecklenburgische Schweiz, 06. August 2018.
Noch bescheidender sah es 2018 in der Monitoringfläche "Gnoien" aus (der Bereich ist in den o.g. 34 Revieren integriert), wobei hier von 14 besetzten Brutrevieren zunächst noch 10 Brutpaare  (BPa) zur Brut schritten. Danach jedoch nur noch 3 Paare erfolgreich mit flüggen Jungadlern auftrumpfen durften (0,21/ BPa + BRa). Nachfolgend das dazugehörige Diagramm:




Diese Abbildung zeigt das Gros des eingesammelten Großgefieders eines bereits flugfähigen Jungadlers. Dieser Jungvogel absolvierte an einem Brutplatz innerhalb der Monitoringfläche bereits erste Flugübungen in den Baumkronen. Dennoch schlug der Habicht im Überraschungsmoment während dieser Phase noch gnadenlos zu, überwältigte den Jungadler, riss ihn zu Boden und rupfte den Jungadler schließlich unweit vom Nest. Trebeltal, 24. August 2018.

Im Monitoring-Gebiet notierte ich exakt zwei solch später Jungadler-Verluste durch den Habicht in diesem Jahr. 
Eine erfolgreiche Brut bedeutet grundsätzlich, dass der Jungadler sich Mitte August sicht- oder hörbar im Revier bewegen muss. Es kommt in diesem Zusammenhang jedoch immer wieder vor, dass die Betreuer ihre Revier-Kontrollaktivitäten bereits Ende Juli/ Anfang August abschließen. Dann steht der Jungadler entweder noch auf dem Nest, oder er bewegt und hält sich (teils "unsichtbar") als Ästling oder soeben flügger Jungadler noch in Nestnähe auf.

Dieser Jungadler, hier wirklich gut versteckt auf dem Bild...., ist bereits flügge und dennoch ist eine erneute Kontrolle im Anschluss zwingend erwünscht. Denn gegenwärtig passt das Alter immer noch ins handling vom Habicht, Landgrabental, 09. August 2018.
Fütterung mit einer Feldmaus an einem Brutplatz in der Mecklenburgischen Schweiz, 20. Juli 2018. Das Nest befindet sich auf einer Schwarz-Erle - nur 7,50 Meter über dem Erdboden! Der Jungadler verließ nachfolgend erfolgreich das Nest.
Der oben erwähnte Jungadler bereits einen Monat später mit Ausblick auf die nächste Fütterung..., 18. August 2018.
......Jungadler noch etwas näher gerückt...., 18. August 2018.
Der selbe Jungadler wiederum einen Monat zuvor am 18. Juli 2018 kurz nach der Beringung. Die gesamte Aktion/ Störung hat mit Auf- und Abstieg ganze 12 Minuten gedauert....
Das Nest dieses Jungadlers gipfelt auf einer Lärche mit beachtlichen 27,50 Meter und liegt somit 20 Meter über dem zuvor abgebildeten Nest auf der Erle...... Hier dauerte die komplette Aktion/ Störung 20 Minuten, dann entzog sich der Beringer den Adlerblicken bereits wieder zu Fuß im Unterholz. "Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte", 16. Juli 2018.
Leider muss die Befestigungsmethode der aktuell in Verwendung befindlichen GPS-Rückensender beim Schreiadler in Deutschland aus Tierschutzgründen abermals in Erinnerung gerufen, sachlich kritisiert und hinterfragt werden (siehe hierzu auch den Link aus 2013): 

https://blackstorknotes.blogspot.com/2013/08/lesser-spotted-eagle-season-2013.html

Vor allem deswegen, da die noch verbliebenen adulten Sender(Brut)-Adler in MV immer noch tickende Zeitbomben mittels dieser fragwürdigen "Drahtkorb-Rucksack-Befestigung" mit sich rumtragen (siehe nachfolgendes Foto mit den entsprechenden Erläuterungen).


Deutlich zu sehen, wie die Plastik-Ummantelungen (Schläuche) der steifen Stahldraht-Konstruktion im Brustbereich inzwischen beidseitig abgebissen wurden und fehlen. In einer zweiten Stufe splitten jetzt die Feindrähte sichtbar auf und entwickeln sich für den hiesigen Brutadler als eine gefährliche Waffe, da sie zunächst das Federkleid, dann die Haut und letztendlich das Brustbein durch permanente Reibung (zu vergleichen mit Sandpapier) verletzen werden. Sie führen letztendlich unter Qualen zum Tod des Adlers (Foto-Beleg mit Todesfolge für einen Schreiadler mittels dieser Methode liegt vor).
Solche "Rucksack-Sender" werden bei Großvogelarten grundsätzlich und weltweit mit Teflonbändern befestigt - nur beim Schreiadler in Deutschland kommt diese eigenwillige Methode unvermindert zur Anwendung (jüngst wieder in Brandenburg).
Weitere Gefahren lauern für die Jungadler jederzeit am Geburtsort/ Brutrevier bis zum Abzug ins Winterquartier. So zeigt der Jungadler "Tajo" auf den Fotos unten am linken Laufgelenk noch gut sichtbar eine Verletzung. Auch der rechte Tibia war davon betroffen. Verursacht wurde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit am oberen Drahtverlauf eines Wildzaun-Feldes. Dieser Wildzaun einer Aufforstung inkl. Naturverjüngung befindet sich in unmittelbarer Nestnähe. Dort also, wo der Adler wiederholt sichtbar seine ersten Flug- und eigenständigen Jagdversuche unternommen hat. Zum Glück wurde keine wichtigen Hauptsehnen vom linken Lauf durchtrennt, so dass diese Verletzung innerhalb von drei Wochen wieder gut verheilen konnte. Zum Ende der Saison trat der Adler bei seinen Landungen wieder gut auf und das Intertarsalgelenk zeigte keine sichtbaren Bewegungseinschränkungen. Hingegen war die Greif- und Schließfunktion vom linken Fang bis zum Abzug immer noch etwas eingeschränkt.


Jungadler "Tajo" zeigt immer wieder eine leichte Schonhaltung des linken Laufes - Peenetal-Landschaft, 08. September 2018.

Auf dem Foto sieht man noch deutlich die Verletzung am linken Gelenkansatz - Peenetal-Landschaft, 08. September 2018.
Symptomatisch sind immer wieder die beachtlichen Altersunterschiede der Jungadler, hier mit einer Spanne von bis zu 4 - 4,5 Wochen, wie die beiden nachfolgenden Bilder während der Beringung am 14. und 15. Juli 2018 deutlich zeigen. Beide Jungadler sind erfolgreich ausgeflogen und habe ihre Reise in Richtung Überwinterungsquartier angetreten...


Jungadler vor der Beringung am 15. Juli 2018, der Brutbeginn fand hier deutlich verspätet nach dem 12. Mai 2018 statt. Recknitztal-Hinterland, 15. Juli 2018.

Dieser Jungadler ist zur selben Zeit voll befiedert und kann in einer halben Woche das Nest verlassen. Nach der Beringung werden in der Regel 400 g Geflügel im Nest hinterlegt und sehr dankend angenommen. Vor allem dann, wenn eine schon langersehnte Mäuse-Gradation erneut ausgeblieben ist. Recknitztal-Landschaft, 14. Juli 2018. 
Auf dem Bauch im hohen Gras liegend, tastet sich der Schreiadler-Mann langsam in meine Richtung...., "Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte", 11. August 2018.

Das Adler-Männchen fixiert sehr aufmerksam per Gehör nach Kleinsäugern, "Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte", 11. August 2018.
....und über diese erbeutete fette Schermaus wird sich der Jungadler definitiv freuen...., "Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte, 11. August 2018.

2018 erhielten 32 Jungadler in MV einen Ring der Vogelwarte Hiddensee + einen gelben Kennring (in Deutschland beginnt analog zum Schwarzstorch die Kennung der Ringe stets mit einem "T"). Hier ein Jungadler im Abendlicht. Gegenwärtig sind drei Schreiadler-Beringer in MV aktiv, um die Jungadler umsichtig zu beringen. Trebeltal, 24. August 2018.





Die drei Flugbilder oben zeigen einen eher dunkel gezeichneten Jungadler im Morgenlicht. Besonders während der Beringung ist man immer wieder verblüfft, wie reizvoll die farbliche Varianz bei bereits voll befiederten Jungadlern kreiert werden kann.

Eine Fütterung bzw. Futterübergabe beim Schreiadler erfolgt in der Regel immer etwas versteckt und wenn dann zusätzlich ein haariger Zweibeiner sein Unwesen vor Ort treibt, geht es in die volle Deckung... 
Bei der nachfolgend per Bildreihe festgehaltenen Fütterssequenz war vorab viel Geduld und Intuition vonnöten. Gegen 07:00 Uhr des 04. September 2018 herrschte immer noch Frühnebel in der amphibienreichen Hauswiese des ansässigen Adlerpaares. Oben in der Esche bei "Tajo" lichtete sich langsam im ersten weichen Morgenlicht der Kronenbereich im Sucher....
Dann plötzlich lockte das Weibchen sanft mit einem Braunfrosch im Schnabel und dem dazugehörig typisch weichen Doppellaut. Eigentlich fliegt jetzt der Jungadler dem Altvogel gierig entgegen. Doch hier näherte sich das beringte Weibchen "Tina" immer weiter "Tajo" entgegen. Gewiss auch deshalb, da sie mich im Nebel der durchfeuchteten Wiese nicht bemerkte und somit auch keine Gefahr entdeckte.
Alles fand bei einer besonderen Atmosphäre statt und dabei strahlte ein unglaubliches Licht durch den Nebel die beiden Strategen an...















In den Folgetagen wird dieser Beitrag sukzessive ergänzt....
Auch der Honey sollte Platz finden....