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Von "Logger- und Tobel-Störchen".....

Was für ein phänomenaler Schwarzstorch-Neststandort im Allgäu - das Nest befindet sich auf einer sehr alten Moor-Spirke am Rande eines Ho...

Thursday, October 24, 2019

Von "Logger- und Tobel-Störchen".....

Was für ein phänomenaler Schwarzstorch-Neststandort im Allgäu - das Nest befindet sich auf einer sehr alten Moor-Spirke am Rande eines Hochmoors, vermutlich der einzige Brut-Standort dieser Art in Deutschland. Das Nest steht knapp 9 m über dem Moorboden, zudem sollte man die Bauweise an diesem "Bogenlampen-Ast" bewundern..... Diese vier abgebildeten Jungen erhielten 2018 einen GPS-Datenlogger. Zwei von dieser 4er-Gang ("Arco 2" und "Arco 4"), inzwischen im 2. Kalenderjahr und inzwischen wieder auf dem Weg ins Winterquartier, senden noch. Insbesondere "Arco 4", auf dem Bild zentral aufgerichtet, sorgt im folgenden Beitrag sicher noch für Gesprächsstoff....
Seit 2017 erhalten nestjunge Schwarzstörche (BS) in Deutschland an ausgewählten Brutplätzen einen am ELSA-Ring zusätzlich integrierten 19 Gramm leichten GPS-Datenlogger am Tibia. Das Markierungsprojekt wird kontinuierlich über das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell gesteuert (Herstellung und Finanzierung der Logger, inkl. Daten-Transfer, -Pflege und -Auswertungen in der Movebank).

Im Fichtelgebirge (Oberfranken) wurden 2017 daraufhin die ersten vier Jungstörche einer erfolgreichen Brut mit den erwähnten GPS-Datenloggern ausgestattet. 

Die erste 4er-Logger-Bande aus dem Fichtelgebirge 2017. "Lamib" (TL22) und "Lamic" (TL23), beide im Nest-Zentrum zu sehen, liefern als K3-Vögel nunmehr auf dem 2. Wegzug regelmäßig ihre GPS-Daten (Landkreis Wunsiedel, 19.06.17).
Von den vier oben abgebildeten BS leben, so der jetzige Stand, gegenwärtig noch zwei Jungvögel (Verlustrate = 50% bereits als K1-Vögel). 
Beide BS befinden sich momentan im 3. Kalenderjahr (K3) und brüteten 2019 noch nicht - es existieren (wenige) Brutnachweise von K3-Vögeln. Im kommenden Frühjahr (2020) sollten sie mit ihrer definitiv erlangten Fertilität erstmalig als Brutvögel agieren können.


Übersichtskarte mit den Standorten der letzten Ortungen beider seit August 2017 von der Bildfläche verschwundenen Jungstörchen "Lamia" & "Lamid" sowie ihrer deutlich gesplitteten Routenwahl.
Die interessanten Zugwege von "Lamib" mit den Übersommerungs- und Überwinterungs-Arealen 2017 bis 2019.
Die Zugrouten von "Lamic" 2017 bis 2019 mit zwei äußerst bemerkenswerten Mittelmeer- und Sahara-Querungen.
In der Brutsaison 2018 folgten dann bereits 15 Jungstörche mit dem Logger-Modell, diese verteilt an vier Brutplätzen in drei Bundesländern angelegt (2x MV, 1x BB, 1x BY).
Beispiel für die Raumnutzung des Jungstorches "Bohli 1" als Westzieher aus Mecklenburg-Vorpommern vom 01.11.18 bis 07.04.19 im Überwinterungsgebiet Westafrikas (Senegal/ Gambia). Inzwischen erreichte "Bohli 1" am 03.10.19 erneut das Überwinterungsgebiet aus dem Vorjahr bei Kaolack im Senegal.
Beispiel für einen typischen Ostzieher aus dem Allgäu (Bayern) mit einem Überwinterungsplatz nebst Raumnutzung in Ostafrika südlich des "Tanasees" in Äthiopien. "Arco 4" meisterte über 5.600 km und erreichte am 27.10.18 seinen Winterplatz.
2019 nutzte er erneut die Ostroute, verweilt aber seit drei Wochen unverändert in Israel. Mal schauen, ob "Arco 4" dort sogar einen Überwinterungsversuch startet.
"Arco 4" hält sich seit dem 03.10.19 bereits seit drei Wochen (Stand 24.10.19) in Israel südlich Haifa an diversen Fischteichen auf.
Sommer-Revier von "Arco 4" im 2. Kalenderjahr von Mai bis September 2019 in SE-Europa.
Getrennte Geschwister-Routenwahl der Allgäuer Störche vom Moor-Spirken-Nest 2018:
"Arco 2" schlug für den Wegzug die Westroute ein. Überwinterte 2018/19 daraufhin in Burkina Faso, um anschließend im Sommer 2019 als Storch im 2. Kalenderjahr plötzlich in Thüringen aufzutauchen. Am 26.09.19 erreichte "Arco 2" abermals per Westroute bereits die Grenze zwischen Mauretanien und Mali, um sich in Richtung Überwinterungsgebiet zu bewegen.
Der konkrete Sommer-Lebensraum von "Arco 2" als K2-Storch von Juli-September 2019 in Thüringen.
Nur kurz sollte auf die gegenwärtig in Deutschland zum Einsatz kommenden GPS-Logger-Typen und deren Befestigungsmethodik beim Schwarzstorch eingegangen werden.

1. Die Achtung des Schwarzstorch-Intimlebens mithilfe eines sensiblen und angemessenen Verhaltens während der Beringung am Nest (Verhaltenscodex): 

Die oben erwähnten Schwarzstorch-Logger wurden grundsätzlich parallel zur Beringung unmittelbar im Nest angelegt. Der ganze Spuk unterhalb des Kronendachs dauerte bei einer 4er-Brut nicht länger als 20 Minuten (inkl. Aufstieg und Abseiltechnik). Die Jungen werden bei dieser Aktion stets mit einer Decke beruhigt und halten gemeinsam ohne Unterbrechung einen körpernahen Kontakt im Nest in vertrauter Umgebung (sehr wichtig!). Zudem ist eine elementare Frage im Vorfeld zu klären: ob die Jungen wirklich das richtige Alter für diesen "Eingriff" besitzen? Die Jungstörche sollten demnach ein bestimmtes Mindestalter vorweisen, dürfen aber auch nicht zu alt sein. Ebenso ist gleich zu Beginn der Aktion das Jungvogel-Verhalten in Abhängigkeit zur Erreichbarkeit der Jungen im Nest vorsorglich zu studieren. Abbrüche sind daher jederzeit denkbar und sollten selbstkritisch in Erwägung gezogen werden.

Unterdessen werden seit 2018 in Hessen junge Schwarzstörche selektiv mit einem Daten-Logger bestückt. Auslöser für das "Beloggern" der Störche sind vorrangig laufende Windkraft-Projekte. 2018 und 2019 kam dabei jeweils an einem Nest die Seiltechnik zur Anwendung. Im belaubten Zustand führt diese Methodik jedoch wiederholt zu riskanten  Aktionen im Kronendach.
Nur soviel - die Störche wurden in beiden Jahren einzeln vom Nest abgelassen und für längere Zeit am Erdboden "bearbeitet". Die ganze Prozedur dauerte dann nicht nur 20 Minuten - sondern beansprucht grundsätzlich über 90 Minuten..... Zudem standen in diesem Jahr die ausgewählten Jungstörche bereits ausgewachsen am Nestrand. Unbeirrt starteten die Akteure den Versuch, am Ende bis auf das Nesthäkchen erfolglos, an die erregten Jungstörche zu gelangen..... 

2. Die Größe/ Form und das Gewicht eines Loggers:
Das geringe Gewicht (integriert im ELSA-Ring) und eine daraufhin akzeptablen Größe des Loggers verhalfen im Verlauf konkreter Abstimmungen mit dem Max-Planck-Institut zum entscheidenden Kompromiss bei der Umsetzung des Projektes. Die Logger-Technik befinden sich, zumindest was die Akku- und Empfangsleistung betrifft, phasenweise noch im Entwicklungsmodus. Die Logger werden mit einer für den Storch vertretbaren Größe sicher in den nächsten Jahren noch effizienter arbeiten. Über die technischen Abstriche bezüglich einer eingeschränkten Datenübertragung waren wir uns beim Einsatz der "Fichtel-Logger" stets bewusst.

Nicht nur die Methode/ Umstände zum Anlegen eines Loggers an Jungstörchen sollte kritisch hinterfragt werden. Selbst wenn die Leistungsfähigkeit des abgebildeten "Hessen-Loggers" im Vergleich zum hier verwendeten "Fichtel-Logger" merklich höher liegen wird, sollte im Vorfeld gemeinsam über die Form und das Gewicht eines Fremdkörpers am Tibia eines Schwarzstorchs beratschlagt werden. 


Übersicht zur aktuellen Situation des Zug- und Überwinterungsverhaltens aktiver GPS-Datenlogger-Schwarzstörche aus Deutschland. Stand: 26.10.19.
Annähernd 80 Prozent unserer Logger-Schwarzstörche von 2017-2019 (n=70) schlugen die bekannte Westroute mit Kurs auf Gibraltar ein. Das Gros querte dann auch Gibraltar, um folglich einen Überwinterungsversuch in Westafrika einzuleiten.
Ursprünglich lag die Gesamtzahl bei 72 Logger-Störchen. Jedoch senden von den 53 in 2019 angelegten GPS-Loggern seit Beginn nur 51. Diese beiden Störche sind dennoch, ohne die erhofften GPS-Daten zu übertragen, erfolgreich ausgeflogen.

Das ermittelte Hauptüberwinterungsgebiet deutscher Schwarzstörche im Senegal ist in der Tat sehr beeindruckend.
Nur 14 Prozent der deutschen Schwarzstörche nutzten von 2017-2019 die östliche Passage, um nachfolgend im östlichen Afrika einen Überwinterungsplatz zu erküren.
Beispiel für ein sehr gut dokumentiertes Jungstorch-Dispersal nach dem Ausfliegen im Spätsommer 2019. Nestjung beringt im "Hessenreuther Wald" (Oberpfalz, Tirschenreuth), tauchte "Abbi 1" eher unerwartet ab Anfang September für einen ganzen Monat in den Niederlanden nordwestlich Eindhoven auf. 
Wie diese vier Jungen im "Steinwald" (Oberpfalz) - so erhielten 2019 im Bundesland Bayern insgesamt 46 Junge an 16 unterschiedlichen Brutstandorten einen GPS-Logger am Tibia angelegt. "Steinwald" 07.06.19.
Eine Woche später der Blick von oben ins Nest nach der Beringung. Von den vier munteren Kobolden gibt nur noch "Steini 2" (T892, in der Bildmitte) ein Lebens(Signal)zeichen aus dem Senegal.
Situation zur aktuellen Lage der vier oben genannten "Steinwald-Störche". Vorbehaltlich  einer Variante technischer Mängel an einem der GPS-Logger - ist eher vom Ableben bei drei von den vier Jungstörchen während des Wegzuges auszugehen. Ein typisches Beispiel für eine sehr hohe Mortalitätsrate im ersten Lebensjahr der Störche. Über die möglichen Verlustursachen liegen bisher keine Erkenntnisse vor....
Ein weiteres Beispiel zeigt die gegenwärtige Lage von vier Jungstörchen einer Brut aus dem Oberallgäu 2019. Ein Jungstorch davon ist bereits Anfang August an einer Freileitung in Rheinland-Pfalz tödlich verunglückt. Ein zweiter Jungvogel sendet ebenfalls seit Anfang August nicht mehr - die letzte Ortung befand sich im nordwestlichen Frankreich bei La Mesvellerie, exakt dort verläuft auch eine gefährliche Stromtrasse....Die beiden verbliebenen "Randalos" sind noch aktiv unterwegs. Einer von ihnen verweilt schon eine längere Zeit südlich Marrakesch (Marokko) - während sein Geschwister bereits am traditionellen Überwinterungsplatz bei Kaolack im Senegal eingetroffen ist.
Drei Glückspilze, die, so der Stand im Oktober 2019, möglicherweise alle noch aktiv agieren. Der Brutplatz befand sich in Mecklenburg-Vorpommern auf einer Kiefer. Nachdem "Meier 3" am Promi-Platz bei Kaolack im Senegal als West-Zieher inzwischen eingetroffen ist, versuchen es die beiden anderen Kameraden über die Ostroute. "Meier 2" ist nach seinem Stop in Israel bis zum 18.10.19 nunmehr am 26.10.19 im Norden Äthiopiens angekommen. Hingegen führte "Meier 1" bereits am 08.10.19 im Sudan einen Boxen-Stop durch - Zeit für eine neue Ortung....
"Fichtel 4" - beringt 2018 im Fichtelgebirge, beginnt am 16.07.18 mit dem aktiven Wegzug, handelte nachfolgend als einer der wenigen Ost-Zieher, querte Israel am 26.09.18, um schließlich am 08.12.18 die Zentralafrikanische Republik als Winterquartier zu erreichen. Nach dem 21.03.19 verschwindet "Fichtel 4" dort von der Bildfläche....
Zwei von sieben Logger-Störchen in 2019 aus Mecklenburg-Vorpommern in äußerst entspannter und synchroner Yoga-Haltung.... Diese beiden Jungstörche, geboren in der Mecklenburgischen Seenplatte, erreichten als West-Zieher inzwischen ihre leicht differenziert gelagerten Überwinterungsgebiete im Senegal. Müritz-Region, 11.07.19.
Abzugsverhalten und Überwinterungsgebiet der beiden "Ritter-Störche". Müritz-Region, 11.07.19

Wichtige Bemerkung:  Das Kopieren und die Nutzung sämtlicher Fotos, erstellter Karten und diverser Auswertungen ist aufgrund von urheberrechtlichen Schutzgründen nicht gestattet !

Als das absolute Highlight in dieser Brutsaison ist zweifelsfrei der Fund einer alles in den Schatten stellenden Schwarzstorch-Bodenbrut im Oberallgäu zu taufen: 







Was für ein Anblick - die drei "Tobel-Kobolde" verließen später erfolgreich und voll flugfähig diesen heiligen Urwald-Brutstandort. Oberallgäu, 10.06.2019.
Mein langjähriger Schwarzstorch-Freund und treuer Begleiter aus dem Unterallgäu, Harald Farkaschovsky, fand mit viel Fleiß und Umsicht diesen in jeder Hinsicht heilig anmutenden Brutplatz. 


Am Fuße dieser Bach-Aue, hier mit dem wunderschönen Blühaspekt eines ausgelegten Wiesen-Bocksbart-Teppichs, brüteten die "Tobel-Störche". Oberallgäu, 10.06.19.
Besonders erfreulich, die Brut am Stammfuß einer Fichte und inmitten eines naturnahen Schluchtwaldes nebst Bach-Kerbtals, einem sogenannten Tobel, verlief erfolgreich. 
Es handelte sich zugleich um die erste dokumentierte Bodenbrut für Deutschland. 
Harald wird über seine "Tobel-Störche" gesondert berichten und mit seinen brillanten Fotos das "Tobel-Storchenland" per Publikation näher vorstellen.

Dennoch lassen erste Impressionen vom Brutplatz diese besondere und zauberhafte Atmosphäre zweifelsfrei erahnen.....
Um den Brutplatz vollständig zu schützen, verzichteten wir natürlich auf eine Beringung der drei "Enzo Ferrari-Störche", um insbesondere für die ortsansässigen Raubsäuger keine klassische Leitspur mit einem Hinweisschild zu legen.....
Außerdem herrscht im Tobel diese außergewöhnliche Stimmung, die man unter keinen Umständen angreifen darf - ein Heiligtum der besonderen Art - diese "Tobel-Störche"!

Ein Altstorch schiebt Wache bei den putzmunteren Burli's - Oberallgäu, 11.06.19.
Gierig warten die Jungen auf das Ausspeien der wuchtigen Bachforellen - Oberallgäu, 11.06.19.
Wie leicht begossene Pudel präsentierten sich nach dem Regen die Kerle - das Licht war dafür umso magischer. Oberallgäu, 10.06.19.