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Von "Logger- und Tobel-Störchen".....

Was für ein phänomenaler Schwarzstorch-Neststandort im Allgäu - das Nest befindet sich auf einer sehr alten Moor-Spirke am Rande eines Ho...

Monday, October 21, 2019

The "Spotted-Season" 2019



Diese junge Schreiadlerdame namens "Polly" zeigte mit ihrer grandiosen "Kaiseradler-Zeichnung" eine der bisher bemerkenswertesten Jungadler-Färbungsvarianten beim Schreiadler seit über 30 Untersuchungsjahren. Aber nicht nur diese geniale Tüpfelung ihres Gefieders waren bemerkenswert - sie flog erst am 01.09.19 aus, nachweislich die bisher späteste Brut in MV. Landkreis Rostock, 30.08. &11.09.19.
"Polly" in Erwartung einer Fütterung - LRO, 18.09.19.
Schreiadler-Weibchen "Grit" - inzwischen im 10. Kalenderjahr - während der Kleinsäuger-Jagd in einem Brutrevier des Landkreises Vorpommern-Rügen, 21.09.2019.
Vor genau fünf Jahren - in der Brutsaison 2014 - ließen sich letztmalig in MV erfolgreich verlaufende 2er-Bruten des Schreiadlers (LSE) feststellen. Dies abseits anthropogen eingeleiteter Methoden, wie das beispielhaft zu erwähnende medien- und kostenlastige Schreiadler-Jungvogelmanagement in Brandenburg und Sachsen-Anhalt ("Hacking-Methode").  In beiden Bundesländern werden während der äußerst sensiblen Schlupfphase die besetzten Nester bestiegen, um das 2. Ei bzw. den inzwischen geschlüpften Abel für ihr Management zu entnehmen. Sie berauben sich dabei jedoch auch Jahr für Jahr der Chance, den natürlichen und faszinierenden Ablauf einer erfolgreichen 2er-Brut zu dokumentieren.  

Drei LSE-Brutplätze profitierten seinerzeit  in M-V mit jeweils zwei erfolgreich ausgeflogenen Jungadlern von einer charakteristischen Kleinsäuger-Gradation 2014 vor Ort. 
Heuer, fünf Jahre danach, entwickelte sich im Verlauf der Brutsaison 2019 erneut eine solch bemerkenswerte Gradation wichtiger Nahrungstiere. Wenn auch für MV nicht flächendeckend dokumentiert, so entwickelten sich nachweislich im Verlauf der Brutsaison auf einer seit drei Jahrzehnten näher kontrollierten Verbreitungsfläche überdurchschnittlich hohe Kleinsäugerdichten. 

Das Foto zeigt eine von zwei erfolgreich verlaufenden 2er-Bruten des Schreiadlers 2019 in MV (rechts männlicher Jungadler, links das 4-5 Tage später geschlüpfte Weibchen - Beringung 15.07.2019, Landkreis VR). Ausschlaggebend für eine dieser äußerst selten auftretenden 2er-Bruten sind, neben einem umfänglichen Nahrungsangebot (Beutedepot im Nest, vor allem während der kritischen Phase des Zweitgeschlüpften in den ersten beiden Nestlingswochen), dass der zweitgeschlüpfte Jungvogel ein Weibchen und der Erstgeschlüpfte hingegen ein Männchen ist. Da sich die Weibchen im Vergleich zum männlichen Part bereits als Nestlinge in der Entwicklungsphase häufig kräftiger und größer repräsentieren, können sie den durch einen zeitlich versetzten (asynchronen) Schlupftermin hervorgerufenen Altersunterschied im Nestlingsverlauf besser kompensieren. Die Überlebenschancen eines weiblichen Abels im Nest liegen bedeutend höher.
Auf diesem Foto vom 01.08.19 zeigten sich beide Jungadler komplett befiedert auf dem Nest. Das Männchen (rechts) war bereits seit drei Tagen als Ästling aktiv und unternahm inzwischen erste Flugversuche im Bereich der Birke. Das Weibchen (links) agierte am 02.08.19 erstmalig als Ästling. Beide Jungadler flogen im weiteren Verlauf erfolgreich aus.
Beide Jungadler in Erwartung des mit einer Feldmaus im Anflug befindlichen Brutweibchens. Die Jungadler werden kurz vor dem Ausfliegen mit Nahrung bewusst von den Altvögeln sparsamer im Nest versorgt, um so ihre beginnenden Aktivitäten im Ästlingsstadium zu forcieren, bzw. anschließend während ihrer ersten Flugübungen sie bewusst aus dem Nest zu locken. Ab Mitte Juni 2019 stiegen die Wühlmaus-Bestände in den kontrollierten Revieren signifikant an. Ab Anfang Juli, exakt der Zeitpunkt, wenn der Nahrungsbedarf für die Jungadler im Nest noch einmal deutlich ansteigt, gab es mittlerweile auf den Grünland- und Ackerstandorten in den untersuchten Revieren vor allem die Feldmäuse im Überfluss. 
Trotz ausbleibender Amphibien im Frühjahr fing Dank einer im Mai eingeleitenden Wühlmaus-Gradation das Gros der Schreiadler etwas verzögert mit einer Brut an. Männlicher Schreiadler beim Beutetransport (Feldmaus) im Landkreis VG, 23.08.2019.
Glück im Unglück, denn die für den LSE besonders bei ihrer Frühjahrsankunft so kennzeichnenden Amphibien-Vorkommen sind als Nahrungsgarant reihenweise an den Brutplätzen ausgeblieben. Die anhaltende Trockenheit hinterließ bei sehr vielen Amphibiengewässern auch innerhalb der bekannten Schreiadler-Reviere im Frühjahr ein teils hydrologisches Chaos. Wie ein roter Faden durchziehen unbeirrt dieses Dilemma eine kontinuierliche Umsetzung von Entwässerungsmaßnahmen letzter potentieller Temporär-Feuchtbereiche, hier primär in agrarisch intensiv erschlossenen Offenlandarealen. Aber auch ein wiederholt unkontrollierter und unverhältnismäßiger Pestizid-Einsatz sowie der folgenschwere Rückgang weiterer essentieller Schreiadler-Dauergrünlandflächen sind zu nennen. Und nicht zu vergessen - das Fehlen eines ausreichend angelegten (flächendeckenden) Gewässer-Schutzpuffers für Stand- und Fließgewässer vor allem im Offenland, von denen vor allem bedrohte Amphibienarten sichtbar profitieren würden.
Eine erfolgreiche Ansiedlung, kontinuierliche Besetzung und Reproduktion des Schreiadlers hängt grundsätzlich vom Qualitätssiegel seiner eingegliederten Nahrungshabitate ab. Erst dann greift das Auswahlkriterium für ein annehmbares Bruthabitat mit seiner unerlässlichen jagd- und forstwirtschaftlichen Tabu-Periode von April bis September!
Besonders die Amphibienarten (vorrangig Moor- und Grasfrosch) kompensieren beim Schreiadler in MV kurz vor der Eiablage Ende April/ Anfang Mai nicht selten die bis dahin eher noch kleinen und sich im Aufbau befindlichen Kleinsäuger-Populationen.
Bleiben aber diese wichtigen Amphibien-Vorkommen aus und Kleinsäuger treten zeitgleich im Frühjahr nur punktuell auf, zögern die Weibchen aufgrund fehlender Brut-Fettreserven (schlechte Brutkonditionen) die Eiablage hinaus. Nicht selten fällt unter dieser Konstellation eine Brut vollständig aus - bzw. das Paar beginnt ein bis zwei Wochen verspätet mit der Eiablage. Aber maßgeblich nur dann, wenn sich in der Zwischenzeit abzeichnet, dass sich die Nahrungssituation im Revier gewiss verbessern wird.

Das Jahr 2019 deckte im Verlauf der Brutsaison mithilfe von annähernd 1.600 Ansitz- und Kontrollstunden erneut beachtliche Studienergebnisse auf, die erstrangig interessante Erkenntnisse über das Verhalten dieser faszinierenden Adlerart lieferte. Dazu zählten eine extreme Spätbrut, zwei erfolgreiche Bruten mit zwei ausgeflogenen Jungadlern sowie die abermalige Registrierung charakteristischer Revier-Neugründungen, einhergehend mit einem Nestneubau des Weibchens als Initiator im Juli/ August (in Vorbereitung auf die kommende Brutsaison). Aber auch Untersuchungen zur LSE-Warnruf-Variabilität und einhergehend seiner hohen und bisher nicht berücksichtigten Verwechslungsgefahr mit dem Wespenbussard flossen ein.


Übersicht zum Brutgeschehen des gesamten Kontroll-/ Betreuungsbereichs 2019.
Des Weiteren erfolgte während der Jungadler-Beringungen, hier in Form einer Testphase, die Befestigung eines 19 g GPS-Daten-Loggers am Tarsus von sieben ausgewählten Jungvögeln. Diese kleinen GPS-Logger sind in einem ELSA-Ring integriert und werden gegenwärtig baugleich beim Schwarzstorch verwendet. Die Logger-Herstellung, die Datenpflege, -auswertung sowie die Gesamtkosten laufen über ein separates Großvogel-Projekt des Max-Planck-Institutes für Verhaltensbiologie in Radolfzell und werden von diesem entsprechend getragen und gesteuert.




Die drei Aufnahmen zeigen "Laura" einen mit einem GPS-Daten-Logger am Tarsus bestückten Jungadler aus MV. Von den insgesamt sieben Logger-Adlern senden bisher vier Jungvögel vom afrikanischen Kontinent. Die nächsten 4 Wochen (Stand: 19. Oktober 2019) werden sicher zeigen, ob die seit Mitte September vermissten drei Jungadler ihre Wegzug-Strapazen, insbesondere über den Nahen Osten, gemeistert haben. Bedingt durch den sehr kleinen Akku (inkl. Solarpanel), der Lage des Loggers am Vogel und in Abhängigkeit der Netzverfügbarkeit geben die vier Adler täglich oder erst nach zwei Tagen jeweils 1-2 GPS-Ortungen ab. Diese Jungadler wurden vor dem Wegzug ausgiebig beobachtet, um das Verhalten mit diesem Fremdkörper noch näher zu untersuchen. Beeinträchtigungen während des Fluges, bei Flugmanövern, bei der Jagd, im Waldbereich sowie am Boden ließen sich nicht nachweisen. Auch eine Bearbeitung des Loggers mit dem Schnabel wurde während vieler Beobachtungsstunden nicht festgestellt.
Ortungen (Stand: 19.10.19) von vier in MV mit einem kleinen 19 g-GPS-Daten-Logger ausgestatteten Jungadlern.
Stand: 26.10.19
Ab der zweiten Maiwoche verbesserte sich durch eine allmählich abzeichnende Wühlmaus-Gradadtion die Nahrungssituation in den Revieren schlagartig. Sie gab für die Paare im Untersuchungsgebiet den entscheidenden Impuls, um mit einer Brut, zeitlich leicht verzögert, noch zu beginnen.


Die Grafik zeigt die Situation einer LSE-Teilpopulation im Landkreis Rostock seit nunmehr 30 Untersuchungsjahren. Weitere Reviere werden seit 25 Jahren betreut und kontrolliert, so dass die Gesamtzahl der betreuten Paare bei gegenwärtig 33 liegt - annähernd einem Viertel der deutschen LSE-Population.
Collage über den bis dato spätesten LSE-Brutbeginn in MV mithilfe einer umfassenden Dokumentation am Brutplatz im Landkreis Rostock 2019. Jungadler "Polly" wurde erst am 01. September voll flugfähig und demnach flügge - dies zu einem Zeitpunkt, wo die Jungadler der anderen Plätze inzwischen seit drei oder vier Wochen ihre Flugmuskulatur trainierten durften. Die Ursache für diesen sehr späten Brutstart ist sicher zu einem Großteil dem unentschlossenen Verhalten des neuen Brutweibchens "Polline" geschuldet. Es ersetzte Ende April das nicht mehr eintreffende altbekannte Brutweibchen. "Polline" ist noch ein sehr junges Weibchen. Die Gefiederzeichnungen belegten, dass sich dieses Weibchen erst im 4. (K4) - bzw. maximal im 5. Kalenderjahr (K5) befindet. Nur in Ausnahmefällen beginnen Weibchen bereits im K4 mit einer Brut und noch seltener verlaufen diese im K4 dann erfolgreich. Das Paar, welches im Vorjahr noch mit dem alten Weibchen Bruterfolg zeigte, wählte für 2019 einen neuen Brutnest-Standort, abermals auf einer Erle, aus. So ein registrierter Nestwechsel wird in der Regel immer vom Weibchen eingeleitet. Sie entscheidet letztendlich auch, wo die Brut stattfinden wird.
Nicht nur der Schreiadler zählte zu den Nutznießern einer üppigen Kleinsäuger-Population 2019 - bei den Untersuchungen kam u.a. auch ein LLB (pale m.) als Beifang vor die Linse. Dieser Adlerbussard befand sich noch im 2. Kalenderjahr und hielt sich stationär im Altkreis Demmin mindestens über eine Woche auf, 29.08.2019.
Eine wesentliche Grundlage für die kontinuierlich laufenden Untersuchungen zur Verhaltensbiologie des Schreiadlers besteht in einem regelmäßig und zeitintensiv überarbeiteten Fotoarchiv relevanter Brutadler, um beispielsweise individuelle Aussagen zur Mauser, Altersbestimmung und Reviertreue abzuleiten.
Das Foto zeigt den direkten Vergleich zweier kräftiger Brutweibchen innerhalb der Kontrollfläche. Das rechte Weibchen besitzt in der Summe aller zu berücksichtigen Merkmale einen kennzeichnenden Hybrideinfluss vom Schelladler (Clanga clanga). Im Kontrollgebiet brüten im Augenblick drei solcher mit Schelladler-Einfluss behafteten Weibchen.
Separat abgebildetes Weibchen mit Hybrid-Einfluss über dem Brutrevier im Landkreis Rostock, 26.08.19.
Solche trügerischen Situationen täuschen für einen Außenstehenden nicht selten ein synchron anmutendes Paar über dem Brutplatz vor. Rechts abgebildet das Brut-Männchen mit einer Feldmaus kurz vor der Beuteübergabe an den flüggen Jungadler, links hingegen ein fremdes Weibchen vom nur 2 km entfernt liegenden Revierplatz. Landkreis Vorpommern-Greifswald, 23.08.19.
Auf diesem Bild wird es noch etwas komplizierter. Beide Altvögel kreisen, "stehen" und zeigen Girlandenflüge einhellig über 15 Minuten und unmittelbar über einem besetzten Brutplatz. Es handelt sich dennoch nicht um die zusammengehörigen Partner. Rechts oberhalb steht das Brut-Männchen "Gerd" eines 4,5 km entfernten Brutplatzes. Links befindet sich das Brut-Weibchen "Walli" des hier ansässigen Paares! Hier greift u.a. auch das oben erwähnte Foto-Archiv - nur wenn die Adler individuell akkurat studiert werden - dies ohne einen Kennring als Hilfsmittel - sind solche hochinteressanten Aussagen zum interaktiven Verhalten überhaupt möglich. Landkreis Rostock, 05.09.19.
Da mithilfe mehrerer "LSE-Probanden" ein angemessener Vergleich bestand, brachte diese Wühlmaus-Gradation speziell dafür verantwortliche Verhaltensdetails ans Tageslicht. 
Als absolutes Novum zählte die signifikante Rufinaktivität der Brutweibchen und Jungvögel an den Brutplätzen 2019. Verantwortlich dafür: das fast schon unermessliche Nahrungsangebot. Eine trügerische Stille an den Nistplätzen brütender LSE-Paare war für dieses Jahr deshalb symptomatisch. Das Problem: im Normalfall reagieren Weibchen oder Jungadler auf einen Lockruf, bzw. sie verraten sich ohne diese Hilfestellung durch ihre  selbstständigen Bettellaute. Hier beispielsweise das Weibchen, wenn das Männchen länger ohne Beute auf sich warten lässt - oder der schon größere Jungvogel, wenn er sehnsüchtig auf die Beuteübergabe/ Fütterung der Elterntiere wartet. Aber all diese Merkmale blieben bei 95% der 30 näher untersuchten Paare 2019 vollständig aus! Besonders kompliziert gestalteten sich daraufhin bereits andeutende Um- oder Neuansiedlungen. Jene sind in der fortgeschritten Belaubungsphase ausschließlich mit dem sogenannten Standort-Anzeige-Ruf zu knacken. Wenn dieser jedoch ausbleibt, dann besitzt man kaum noch eine Chance für einen zeitnahen Fund. Nur mit dem zentralen Fund eines Nestes sind umfassende und rechtlich greifende Schutzmaßnahmen im 300 m Radius realisierbar.

Parallel dient eine umsichtige Nest-Kontrolle dem gezielten Kennring-Check. Hier trägt vom ansässigen Paar das Brutweibchen einen spezifischen Kennring. Sie wurde 2012 und in einer Entfernung von 21 km zum jetzigen Brutplatz geboren und nestjung im Landkreis Rostock beringt. Landkreis Vorpommern-Rügen, 28.07.19.
Dieser schokofarbene Yogi-Bär sitzt völlig entspannt keine 15 Meter vom Waldläufer entfernt.... durch Lockrufe näherte er sich neugierig und spekulierend auf eine Beuteübergabe...., dann bemerkte er jedoch den faulen Zauber... Dennoch fühlte er sich sicher, verweilte unbeirrt am Standort, um mit dem Waldläufer etwas zu plauschen... vielleicht mit einer Portion von Telepathie...Landkreis Rostock, 12.09.19.









Die obigen neun Fotos spiegeln eindrucksvoll das Treiben einer erfolgreichen 2er-Brut am Nest des Schreiadlers wieder. Landkreis Vorpommern-Rügen, 24.-30.08.19.