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Clanga pomarina - Résumé 2016

Schreiadler-Männchen "Martin" kurz vor Sonnenuntergang am 15. September 2016 im Brutrevier. Die Meckl...

Tuesday, October 27, 2015

Einige Anmerkungen zur Altersbestimmung vom Schreiadler (Clanga pomarina) im 2. und 3. Kalenderjahr


Dieses Foto von Günter Schmidt gab den Hauptauslöser für diesen Kurzbeitrag - Das Bild zeigt einen beringten immaturen Schreiadler - aufgenommen am 27. Mai 2015 in Mecklenburg-Vorpommern. Aber welches Alterskleid sieht man hier?

Wenn man in letzter Zeit - insbesondere auf den Internetseiten von ornitho.de und Club300 stöbert - filtert man beim Schreiadler zunehmend den sehr mutigen Vermerk zur Altersangabe: "2. Kalenderjahr" (K2 oder auch 2.cy). 

Oft fehlt aber in diesem Zusammenhang eine vollständige Beschreibung zum Alterskleid der bis dato aufgelisteten Adler - oder die Fotos schließen einen Vogel im K3 nicht aus (besonders die "K2-Kandidaten" von Mai bis Juli sollte man grundsätzlich sehr kritisch begutachten).
Dieser Kurzbeitrag stellt keine Belehrung für Freunde des Schreiadlers dar, er möchte nur  auf eine nicht zu voreilige Alterszuordnung "K2" hinweisen. Ferner  - dass der Beobachter stets selbstkritisch seine Beobachtungen überprüft, den Vogel eingehend studiert, sich wirklich die wesentlichen Merkmale notiert und nicht nur aus der Literatur die passenden Passagen sucht. Dort stehen zwar wesentliche Merkmale - diese decken aber bei weitem nicht die Variantenvielfalt abseits der erhofften Mauser-Phänologie ab.

Auf der Basis einer inzwischen 25-jährigen Betreuung von 20-22 Schreiadler-Paaren in M-V, parallel umfangreichen Feldstudien zum Verhalten dieser Art, Untersuchungen zur sehr komplexen Altersbestimmung von K2-K4 Vögeln, Hinweisen zur Mauser, Analysen unter Beachtung zunehmender Hybrideinflüsse vom Schelladler und der Beringung von Jungadlern (u.a. Zeichnungsvielfalt des Jugendkleides)  - werden neben den Brutvögeln (inkl. Analysen an weiteren Brutplätze und diverser Fremdadler)  jährlich bis zu 120 diff. Schreiadler näher unter die Lupe genommen. 



Übersichtsbild zur Lage der unter guten Bedingungen sichtbaren Hand- (primaries: p1-p10) und Armschwingen (secondaries: s1-s14). Aufnahme: 11.09.2014 Landkreis Rostock, Jungadler im 1. Kalenderjahr.

Schreiadler im 2. Kalenderjahr starten in der Regel erst im Frühjahr mit der Mauser ihrer inneren Handschwingen (eher die Ausnahme bildet hingegen ein Mauserstart der Handschwingen bereits im Winterquartier, z.B. Nachweis von frischer p1 am 2. Mai in SE-Europa). Somit liefert
 die Mauser der inneren Handschwingen des Adlers im 2.cy erst im Juni/ Juli wirklich markante Hinweise auf inzwischen erneuerte Federn. Die Mauser erreicht schließlich im Herbst des 2.cy dann bereits p4/ p5 sowie s1 und/oder s5. Jedoch kommt es auch hier immer wieder zu Verschiebungen und Ausnahmen. 
Ferner liegt es aber auch am zu geringen Bildmaterial eindeutig belegbarer Vögel im 2.cy, welche nachweislich im Frühjahr/ Sommer in der Nähe ihrer Geburtsstätten in Ost- oder Mitteleuropa bislang dokumentiert wurden. 
Aufgrund des komplexen Schwierigkeitsgrades zur sicheren Bestimmung von Schreiadlern im 2.cy, insbesondere im Frühjahr (Mai-Juni), ist ein abgesicherter Nachweis in der Regel nur durch einen beringten Adler möglich.
Schreiadler, welche bereits im Mai drei bis vier neue Handschwingen besitzen, belegen nicht zweifelsfrei einen Vogel im 2.cy!
Des Weiteren werden parallel immer wieder gerne die dunkle Iris-Färbung und die Tropfen-Intensität für einen K2 Adler ins Spiel gebracht.

  1. Eine dunkle Iris-Färbung liefert keinen sicheren Beweis, um Rückschlüsse auf einen Vogel im 2.cy zu ziehen - selbst Vögel im 4. und 5.cy besitzen mitunter noch eine sehr dunkle Iris-Färbung (Fotobelege beringter Adler siehe weiter unten, dies ohne Hybrideinfluss vom Schelladler!).
  2. Die verbliebene Intensität der "Tropfen/ Tupfen" sowie des Nackenfleckes im 2.-5.cy hängt stets vom geschlüpften "Jungvogeltyp" ab. Da gibt es einige Nuancen zu beachten (Variationsbreite).  Fakt ist - sogenannte "Tropfenadler" (Nestlinge mit einer sehr intensiven Tropfen/ Tupfen- und Nackenzeichnung) zeigen selbst noch im 4./5.cy mitunter auffällige Merkmale eines Jungadlers im Groß- und Kleingefieder, wie beringte Vögel belegten!
Fazit/ Bitte: Zukünftig sollten die Beobachter mit der Altersangabe "K2" beim Schreiadler sehr vorsichtig agieren - im Zweifelsfall und als Empfehlung besser die Altersbezeichnung "K2/ K3" bzw. "K3/ K4" verwenden.

Zur Auflösung des ersten Fotos ganz oben - die Aufnahme des Schreiadlers "MO" vom Mai 2015 zeigt einen Vogel im 3.cy - Hand aufs Herz, wer hätte den Burschen vom Alter richtig angesprochen....?



Zudem scheint es doch eher sehr selten vorzukommen, dass die Schreiadler im 2.cy bereits im Mai oder Juni in der Nähe Ihrer Geburtsorte in Mitteleuropa eintreffen. Mit ihrer Ankunft ist, wenn überhaupt, in der Regel sicher nicht vor Anfang Juli zu rechnen. 
Wir dürfen dabei nicht vergessen - nach den bisherigen (wenigen) Erkenntnissen stellen Vögel im 2.cy bislang die absolute Ausnahme in Mitteleuropa dar. 
Jedoch liegt auch nur wenig auswertbares Material über Mauserzustand und Färbungsvarianten dieses Kleides vor. 
Die Monate Mai/Juni stellen den typischen Ankunftszeitraum für Schreiadler im 3. und 4.cy dar (momentan leichte Zunahme), wie inzwischen längere Untersuchungen und mehrere Belegaufnahmen aus M-V gezeigt haben. 
K2 Adler wurden bis dato in dieser Zeitspanne nicht sicher dokumentiert. 

Zwei aktuelle Nachweise von K2-Adlern aus diesem Jahr deuten auf die oben erwähnte eher spätere Ankunftszeit in den Brutrevieren hin.
Ein im letzten Jahr von uns in M-V beringter Jungadler wurde auf dem ersten Heimzug noch am 20.05.15 in der Türkei abgelesen - bevor er sich 21/2 Monate später in der Tschechischen Republik am 05.08.2015 per Ringablesung blicken ließ. Anfang August war er somit immer noch 400 km vom Odertal bzw. 550 km vom Geburtsort entfernt (siehe Abbildung oben). 
Der zweiten dokumentierte Fall/ Nachweis eines K2 Adlers betrifft die sehr gut kontrollierten Monitoringfläche im Landkreis Rostock. Der Jungadler tauchte erst Ende August unweit seiner Geburtsstätte auf.



Jungadler - "dunkel-bunter Färbungstyp" (Mischtyp), gescheckt mit hellen Partien (beachte markant cremefarbene Unterschwanzdecken mit Übergang) - mittlere bis starke Tropfenintensität, Nackenfleck mit mittlerer Ausprägung. 30.08.2015.






Jungadler (vier Aufnahmen oben) - "dunkler Färbungstyp" mit deutlich begrenzt cremefarbener Unterschwanzdecke - sehr geringer Tropfenausbildung, Nackenfleck mit geringer bis mittlerer Ausprägung. 15.09.2015.



Jungadler - Mischtyp ("Nachtreiher") - sehr ähnlich dem Jungadler vom 30.08.15 - jedoch hier nur sehr geringe Nackenfleckbildung, cremefarbene Unterseite dafür ausgedehnter. Aufnahmen vom 31.07. und 15.09.2014.




Jungadler - schokoladenbrauner Färbungstyp, mit mittelstarker Tropfenzeichnung auf der Flügeloberseite, sehr intensiver Nackenfleckzeichnung! Aufnahme 04.09.2014.







Beringter Schreiadler im 2.cy in der Nähe seiner Geburtsstätte in M-V - die Aufnahmen entstanden am 27. und 28.08.2015. Die ersten abgesicherten Fotobelege eines "K2-Adlers" für M-V.








Schreiadler im 2.cy nur 40 km von seinem Geburtsplatz 2014, Landkreis Rostock, M-V. 28.08.2015.
Beachte insbesondere den Mauserzustand der inneren Handschwingen.





Diese Aufnahmen entstanden am 02. Mai 2015 im Brutrevier "Pa" (wir erinnern uns an den Grünlandumbruch...). Dieses sehr markant gezeichnete Männchen trieb sich zunächst im Revier "Pa" umher, um dann eine Woche später plötzlich im 15 km entfernt liegenden Brutrevier "Gr" aufzutauchen. Das Männchen ist rechts mit einem Metallring bestückt. Da in M-V der Metallring beim Schreiadler links sitzt, stammt der Adler aus einer anderen Region. Außerdem erhalten die beringten Jungadler in M-V rechts einen Kennring, der zudem bei dem Vogel fehlte.
Kandidat für einen K2-Adler? Nein, beachte u.a. die tadellosen äußersten frischen Handschwingen, beachte p1, Mantel und Scapulars dunkelbraun im Kontrast zu den hellen Oberflügeldecken (kleine und mittlere Armdecken), abgetragenes Kopf- und Nackengefieder und zugleich die deutlich aufgehellte Iris-Färbung (eine dunkle Iris - nicht untypisch für K3 oder K4 Adler - würde zusätzlich für Verwirrungen sorgen). Ein guter Kandidat für einen Schreiadler im 4.cy Frühjahr.







Auch wieder ein sehr interessanter K3/4 Kandidat (5 Bilder oben), Aufnahmen: 12.06.2015.



Die auffallend dunkle Iris-Färbung lässt zunächst einen jüngeren Vogel vermuten. Doch die komplette Unterseitenzeichnung liefert deutliche Hinweise für einen Vogel ≥ K4 (Aufnahme: 10.06.2015).






Die vier Abbildungen oben zeigen zwei unterschiedliche Schreiadler. Die Fotos beweisen eindrucksvoll, wie kompliziert sich immer wieder eine richtige Zuordnung des Alterskleides zwischen K2/K3 bzw. K3/K4 gestalten kann.  Die Fotos entstanden alle am 30.08.2015.
Die Bilder 1-3 (Adler auf der Esche & Flugbild) zeigen m.E. einen durchaus kniffligen Fall, hier lauert ein interessanter Grenzfall zwischen K2 und K3 - Tendenz K3 (aber nicht sicher) - daher liegt man mit der Bezeichnung K2/K3 nicht falsch und auf der sicheren Seite. 
Während Adler 2 auf der Fichte (Bild 4) aufgrund seiner Position wiederum nicht eindeutig als K3 oder bereits K4 Adler zu bestimmen war (definitiv nicht K2).



Beispiel für eine noch sehr dunkle Iris-Färbung eines Schreiadler-Weibchens im 4.cy (ungünstigen Lichtverhältnisse verfälschen die Färbung hierbei nicht). 30.08.2015.



Bei "sehr alten" Schreiadlern fallen immer wieder bernsteinfarbene Einschlüsse in der gelben Iris auf. Hier das Männchen "Panni" im 21. Kalenderjahr am 08.08.2012.



Schreiadler-Weibchen im 4.cy. - Mauserzustand 31.07.2015.



Schreiadler im 4.cy - beachte u.a. auch hier dunkle Iris und verbliebene Tropfenzeichnung vor allem an Hals- und Brustgefieder - Mauserzustand 31.07.2015.
Anhand der beiden Bilder kann man bereits erahnen, wie unterschiedlich die Mauser bei gleichaltrigen Vögeln ablaufen kann. Beide Vögel wurden am gleichen Tag zusammen fotografiert!


K1 Seeadler gemeinsam mit Schreiadler - Monitoringgebiet - Aufnahme: 04.08.2015.




Hybrid-Weibchen "Schell- x Schreiadler" - das Misch-Paar (mit Wechsel der Partnerin  2015!) reproduzierte 2015 erneut erfolgreich in M-V. Beachte Metallring - nicht von der BZ Hiddensee, da schmaler. Beide Aufnahmen oben: 14.08.2015



F1-Hybrid-Weibchen Schell- x Schreiadler: Vorgängerin vom aktuellen Hybrid-Weibchen!
Aufnahme vom 23.04.2012.





In den letzten Jahren tauchen zunehmend, insbesondere bei den Brut-Weibchen in M-V, verdammt knifflige Vögel auf, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schelladler-Einfluss zeigen und mitunter dann auch nicht mehr sauber zu bestimmen sind. Dieses Brut-Weibchen "Gerda" (neues Brutweib seit 2015 vom BP "Me", 4 Bilder oben) dient als typisches Beispiel. Besonders auffällig, es kostet bei solchen "Kniffel-Adlern" viel Zeit - sie richtig gut vor die Linse zu bekommen. Sie zeigen definitiv ein anderes Verhalten, sie sind vorsichtiger! Im Fall "Gerda" sind im nächsten Jahr bessere Fotos mit genaueren Shapes der Flügel sowie des sitzenden Vogels (Iris, gape usw.) angesagt, um eine abschließende Beurteilung zu ermöglichen. Fakt ist, es scheint wohl nicht nur ein sehr dunkler Schreiadler zu sein (diese Färbungsvariante kommt ja beim Schreiadler vor) - es bleibt also spannend....






Dieser ad. Hybrid "Schell x Schreiadler" hielt sich ebenfalls im Monitoringgebiet auf. Langsam wird es nicht mehr lustig......(4 Bilder oben, Aufnahmen 12.06.2015).




Ende des Jahres ist ein spezieller Schreiadler-Bildband entstanden. 34 Seiten, Hardcover (27 x 21 cm).
Bei Interesse gerne melden unter: blackstork@web.de melden.